Umfrage zu Carsharing: Geringe Kosten sind Nutzern wichtiger als Ökobilanz

Umfrage zu Carsharing: Geringe Kosten sind Nutzern wichtiger als Ökobilanz

Mehr als 700.000 Deutsche nutzen Carsharing. Über die Beweggründe gibt eine Umfrage erste Aufschlüsse.

Von Lisa Thalheimer. Sie studiert Green Business Management an der Business and Information Technology School Iserlohn. In einer Studie ist sie der Frage nachgegangen, warum Menschen Carsharing nutzen – weil sie die Umwelt schützen wollen oder weil es in einer Großstadt schlicht bequem und günstig ist? In ihrem Beitrag stellt sie die spannendsten Ergebnisse der Umfrage vor.

Das Mobilitätsmodell, sich Autos mit anderen zu teilen, kam in Deutschland erstmals Ende der 80er Jahre auf. Was zunächst als Feldversuch begann, ist heute eines der gefragtesten Geschäftsmodelle für Autokonzerne wie BMW, Daimler und Citroen. Und das aus gutem Grund: Prognosen rechnen mit 15 Millionen Carsharing-Nutzern in Europa bis 2020.

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Auch in Deutschland boomt das Angebot. Das zeigt eine Auswertung der Nutzerzahlen des Bundesverbands Carsharing (bcs) für das Jahr 2013. Ihre Anzahl stieg innerhalb eines Jahres von 453.000 auf 757.000. Ein Zuwachs um rund 67 Prozent.

Eine wichtige Frage aber, die bisher im Zusammenhang mit dem Carsharing-Boom kaum diskutiert wurde, ist: Glauben die Nutzer, mit Carsharing der Umwelt zu helfen oder werden sie nur Kunde bei DriveNow, Car2go und Flinkster, weil es bequem und günstig ist?

Um eine Antwort zu bekommen – wenn auch eine nicht repräsentative – habe ich 257 Personen befragt. Fast zwei Drittel der Befragten waren unter 30 Jahre alt, die meisten leben in Singlehaushalten (67 Prozent) und in Städten. Fast der Hälfte der Teilnehmer stehen netto bis zu 2.000 Euro monatlich zur Verfügung, viele der Befragten waren außerdem Studenten (44 Prozent).

Ergebnis 1: Die Befragten halten Carsharing für nachhaltigTatsächlich verbinden die Befragten vor allem ökologische Aspekte wie Ressourcenschonung (52 Prozent) und CO2-Reduzierung (45 Prozent) mit Carsharing. Grundsätzlich ist Nachhaltigkeit für viele ein wichtiges Thema (60 Prozent), wenn es um Carsharing geht.

Ergebnis 2: Fast jeder kennt das Konzept des CarsharingFast jeder der Befragten (97 Prozent) hat schon einmal von dem Mobilitätsangebot Carsharing gehört. Sei es durch Freunde und Verwandte oder über Social Media Plattformen wie Facebook oder Twitter. Auf diesen Kanälen sind auch die meisten Carsharing-Anbieter sehr aktiv, um ihre Zielgruppen schnell mit aktuellen Informationen, wie Rabatten und Aktionen zu versorgen.

Ergebnis 3: Die Nutzer sind sehr zufrieden mit den Carsharing-AngebotenEs hat sich gezeigt, dass Carsharing bei der Mehrheit durchweg positiv ankommt. Die Zufriedenheitsrate bei den Nutzern liegt laut der Befragung sogar bei mehr als 90 Prozent. Obwohl viele einen eigenen PKW besitzen, würden 87 Prozent Carsharing aber trotzdem nutzen, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Vor allem spontane und flexible Kurzfahren oder auch die Möglichkeit das Carsharing-Auto zum Transport von Möbeln oder dergleichen zu verwenden, sind gefragt.

Scheu, das Produkt einmal selbst auszuprobieren, gibt es hingegen nur selten. Nur etwas mehr als zehn Prozent der Befragten könnten sich nicht vorstellen, Carsharing zu nutzen. Das spricht auch für die große Weiterempfehlungsrate. Mehr als neun von zehn Carsharing-Nutzern teilen ihre positiven Erfahrungen mit. Besonders gerne teilen sie ihre Erfahrungen mit Familie und Freunden (60 Prozent) oder mit der Community im Netz (16 Prozent).

Ergebnis 4: Carsharing hat ein grünes ImageDas schlägt sich schon in der Symbolik nieder, die mit Carsharing verknüpft wird: Es werden vor allem umweltfreundliche Autos (91 Prozent) oder gar Elektroautos mit dem Mobilitätsmodell verbunden (60 Prozent). Mit der Realität hat das Image aber wenig zu tun. Mit Ausnahme von Citroen und seinem Carsharing-Dienst Multicity hat kaum ein Anbieter nennenswerte Anteile E-Autos in der Flotte. Außerdem assoziieren rund die Hälfte der Befragten Begriffe wie Smartphone-Apps und freie Parkplätze mit Carsharing.

Ergebnis 5: Nutzer interessieren Kosten mehr als die ÖkobilanzBei der Frage, welche Informationen Nutzer von den Carsharing-Anbietern erwarten, ist die Antwort eindeutig. Rund ein Drittel der Befragten legt wert auf Informationen zur Öko- und CO2-Bilanz eines Dienstes. Aber: Den allermeisten Befragten ist es wichtig, die Preisvorteile des Angebotes konkret herausgestellt zu bekommen (87 Prozent).

FazitDer Carsharing-Boom in Deutschland spiegelt sich auch in der Befragung. Die Untersuchung zeigt die große Beliebtheit des Auto-Teilens und dass Autofahrer dem Angebot aufgeschlossen gegenüberstehen. Zum Wohle von Mutter Natur allein will aber niemand die Gemeinschaftswagen nutzen. Vielmehr spielen Kostengründe und Lifestyle-Aspekte eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, ob jemand in ein Carsharing-Auto steigt oder es bleiben lässt.

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