Umstrittene Technologie: Feiert die CO2-Speicherung ein Comeback?

Umstrittene Technologie: Feiert die CO2-Speicherung ein Comeback?

von Thiemo Bräutigam

Klimaforscher halten die umstrittene CCS-Technologie für unverzichtbar im Kampf gegen die Erderwärmung.

Solarzellen auf dem Dach, ein Elektroauto in der Garage, Anteile an einem Windpark auf dem Land – Verbraucher hierzulande lassen Kernkraft, Kohle und Öl zwar zunehmend hinter sich, doch ihre Energieversorgung wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch auf Jahrzehnte von fossilen Energiequellen  abhängen. Deutschland wird seine ambitionierten Klimaschutzziele deshalb wohl verfehlen. Ähnliches gilt für beinahe alle Länder der Welt.

Was können Deutschland und andere Länder tun, um sie dennoch zu erreichen?

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Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), eines der renommiertesten seiner Art weltweit, empfiehlt in einer aktuellen Studie eine Technologie, die höchst umstritten ist: Die Kombination aus fossilen Brennstoffen und Biomasse mit der Abtrennung und Speicherung von Kohlenstoffdioxid (CCS). Beim sogenannten CCS-Verfahren (kurz für Carbon Capture and Storage) werden Treibhausgase schon im Kraftwerk abgefangen und in unterirdische Lagerstätten gepresst.

„Gräser und Bäume, die zur Energiegewinnung aus Biomasse genutzt werden, binden beim Wachsen CO2 – kombiniert mit CCS kann so der Atmosphäre wieder Kohlendioxid entzogen werden, um Emissionen auszugleichen“, sagt Leitautor Elmar Kriegler vom PIK.

Doch CCS hat in Deutschland einen schweren Stand. Pilotprojekte im ganzen Land werden von massiven Bürgerprotesten begleitet, die meisten liegen inzwischen auf Eis.

Ohne CCS kein effektiver Klimaschutz„Bedenken zu Bioenergie und CCS sind höchst relevant, dennoch zeigt die potenzielle Wichtigkeit dieser Technologien, wie dringend es nötig ist, Chancen und Risiken noch genauer zu untersuchen“, hält Kriegler den Bürgerbedenken entgegen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die für den Klimaschutz notwendigen Emissionsminderungen ohne den Einsatz von Bioenergie in Kombination mit CCS überhaupt nicht erreichbar sind. Die Kosten für den Klimaschutz in Szenarien ohne CCS waren außerdem im Schnitt mehr als doppelt so hoch.

In der Stahlindustrie könne etwa die Verbrennung von Steinkohlekoks in Hochöfen mit CCS kombiniert und im Transportsektor fossile Treibstoffe durch Biokraftstoffe ersetzt werden, empfehlen die PIK-Forscher.

Weniger wichtig ist der Studie zufolge die Verfügbarkeit einzelner emissionsarmer Technologien im Stromsektor, denn der macht nur einen vergleichweise geringen Anteil an der gesamten Energieversorgung aus. Ob Kernenergie, Gas oder Kohle – sie seien austauschbar. Ohne CCS an anderer Stelle jedoch wenig effektiv.

Ob sich die CO2-Speicher doch noch durchsetzen können, ist ungewiss. Der einflussreiche Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung berät, sieht die Technologie kritisch. Auch Umweltverbände und Bürgerinitiativen sind gegen CCS.

Als umweltschonende Alternative könnten zudem Wälder aufgeforstet und Moore renaturiert werden. Das würde CO2 aus der Atmosphäre dauerhaft binden. Auch eine weitere Verbreitung der Elektromobilität hätte einen klimaschützenden Effekt – vorausgesetzt, die Wagen fahren mit Grünstrom.

Befürworter der CCS-Technologie halten das für zu wenig. Auch das PIK bleibt dabei: Um die Emissionen zu mindern, komme die Klimaschutzpolitik nicht an CCS vorbei.

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