Umweltverbände streiten: Zoff um Bayerns Energiewende

Umweltverbände streiten: Zoff um Bayerns Energiewende

von Wolfgang Kempkens

Im Umweltverband BN knirscht es: Grünenpolitiker Hans-Josef Fell tritt aus und kritisiert den Verband scharf. Grund ist die bayerische Energieinfrastruktur.

Krach in den deutschen Umweltverbänden: Hans-Josef Fell, bis 2013 auch Bundestagsabgeordneter der Grünen, ist aus dem Bund Naturschutz (BN) ausgetreten. Das Kündigungsschreiben (pdf) garnierte er mit massiven Vorwürfen gegen die einstigen Mitstreiter.

"Bund Naturschutz gefährdet Atomausstieg und behindert Klimaschutz" überschreibt er die Information über seinen Austritt. "Mit der Forderung des dezentralen Aufbaus einer regionalen Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien opponiert der BN zusammen mit CSU und SüdLinkgegnern gegen die neue Höchstspannungsleitung durch die Rhön", klagt er. Diese soll Windstrom aus den Windparks des Nordens nach Bayern transportieren, als Ersatz für den in spätestens sieben Jahren wegfallenden Atomstrom.

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Auf diesen Vorwurf geht Hubert Weiger, in Personalunion Vorsitzender des BN und des BUND, nur indirekt ein: "Die Kernzone des Biosphärenreservats Rhön muss aus unserer Sicht frei von Technologiebauten bleiben, jeglicher Art." Das steht in seinem Antwortbrief.

Damit bleibe die windreichste Region Bayerns ungenutzt, so Grünenpolitiker Fell, heute Präsident der Energy Watch Group, die er 2006 als "als internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern" gegründet hat.

Landschaftsschutz oder Atomausstieg?

"Der BN gefährdet mit seiner Verhinderung des regionalen und dezentralen Ausbaus der Erneuerbaren Energien, wichtiger Pumpspeicherprojekte und der neuen Stromleitungen den Atomausstieg in Bayern" schreibt Fell. Völlig offen unterstütze der BN die Anti-SüdLink- und Anti-Erneuerbare-Energien-Politik der CSU. Der BN dürfe sich nicht wundern, wenn der bayrische Ministerpräsident irgendwann verkünden werde, dass der Atomausstieg bis zum Abschalten des letzten Kernkraftwerks nicht mehr zu machen sei.

Weiger wiederum beteuert: "Ohne Dezentralität, so unsere Einschätzung, wird die Energiewende scheitern. Das wollen wir nicht!" Offenbar befindet er sich hier in einem Konflikt. Auf der einen Seite will der BN den Bau von Windenergieanlagen in schutzwürdigen Landschaften verhindern, wobei er zu keinen Kompromissen bereit ist. So lehnt er auch ein "Zonierungskonzept" für das Kerngebiet der Rhön ab, das einen Teil des Gebiets als Standort für Windenergieanlagen ausweisen würde.

Andererseits habe der BN mit der Aktion "Rückenwind für Bayern" versucht, den Anteil der Windenergie im größten deutschen Bundesland zu erhöhen. Daher habe er die 10H-Abstandregelung bekämpft, die die bayrische Landesregierung beschlossen hat. Diese besagt, dass neue Windenergieanlagen nur errichten werden  dürfen, wenn sie von der Wohnbebauung den zehnfachen Abstand ihrer Höhe haben. Die größten Anlagen kommen, einschließlich Rotor, locker auf 200 Meter, müssen also einen 2000-Meter-Abstand einhalten. Damit könnten in Bayern allenfalls noch 20 neue Standorte für Windenergieanlagen ausgewiesen werden.



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