Unterirdische Riesenbatterie: US-Unternehmen plant Testanlage in Bayern

Unterirdische Riesenbatterie: US-Unternehmen plant Testanlage in Bayern

von Julia Schulte

Bisher gibt es Pumpspeicher nur in den Bergen. Das Unternehmen Gravity Power plant einen Prototypen unter der Erde.

Stromspeicher werden künftig unerlässlich für den Erfolg der Energiewende sein. Ohne sie kann es keine gleichmäßige Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien geben, die auf Sonneneinstrahlung oder bestimmte Windverhältnisse angewiesen sind.

Besonders günstig sind dabei Pumpspeicherkraftwerke, die Wasser in höher gelegene Becken drücken, das bei Bedarf abfließen und dabei Turbinen antreiben kann. Das Modell ist aber nicht bei allen beliebt: Anwohner und Umweltschützer kritisieren den Eingriff in die Ökosysteme und das Landschaftsbild durch die riesigen Becken.

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Stromerzeugung mithilfe der SchwerkraftAbhilfe will nun das US-Unternehmen Gravity Power schaffen. Statt zwei Becken wie bei den bisher bekannten Pumpspeichern sollen Bohrer einen 500 Meter tiefen und bis zu 80 Meter breiten Schacht in den Boden treiben, in dem ein Kolben steckt. In den Schacht drücken Pumpen von unten Wasser, wenn gerade zuviel Strom produziert wird. Das schiebt den Kolben nach oben.

Bei Strombedarf öffnen die Betreiber die Ventile am unteren Ende des Schachts. Aufgrund der Schwerkraft sinkt der Kolben laut Gravity Power mit einer Geschwindigkeit von zwei Zentimetern pro Sekunde ab und drückt das Wasser wieder aus dem Schacht, das so die Turbinen zur Energieerzeugung in Gang setzt (über die Technologie haben wir schon im vergangenen September berichtet).

Nun hat das US-Unternehmen, das einen Ableger in Hofheim am Taunus in Hessen hat, einen Ort für die weltweit erste Testanlage ausfindig gemacht: nämlich Kochel am See. Eine endgültige Zusage der Gemeinde fehlt zwar laut Bürgermeister Thomas Holz noch. Gravity Power plant aber noch dieses Jahr mit dem Bau der Pilotanlage zu beginnen, die mit 140 Metern Tiefe und 8 Metern Durchmesser eine Leistung von einem Megawatt haben soll. Die Bauzeit soll 12 bis 14 Monate betragen.

"Der genaue Standort in Kochel wird noch gesucht", sagt Clemens Martin, Geschäftsleiter von Gravity Power in Bayern.

Geräuschfrei und beinah unsichtbarAnders als beim Bau konventioneller Pumpkraftwerke rechnet Martin bei seinen Schächten nicht mit Widerstand der Bevölkerung. Denn die Anlagen arbeiteten nach Fertigstellung nicht nur geräusch- und erschütterungslos, sondern seien auch kaum sichtbar.

"Mit unseren Speichern gibt es keine Verschandelung der Landschaft. Wir können dahin gehen, wo sie benötigt werden und wo die Infrastruktur, zum Beispiel ein Netzanschluss, schon vorhanden ist", sagt er.

Auch das ist ein Vorteil gegenüber den Pumpspeicherkraftwerken, die für die Becken auf eine bestimmte Topologie wie Hügel oder Berge angewiesen sind. Ein Loch in den Boden zu bohren, ist eigentlich überall möglich.

Zweifel an der MachbarkeitSelbst der Bund Naturschutz des Landkreises hatte die Anlage zunächst auf seiner Seite aufgeführt. Mittlerweile hält man dort aber dagegen. Die Anlage sei nichts für Kocheln, sagte jüngst Kreischef Friedl Krönauer. Einen Grund nennt er allerdings nicht.

Kritiker bezweifeln zudem, ob große Anlagen, wie Gravity Power sie mit einer Leistung von bis zu 300 Megawatt plant, überhaupt realisierbar sind. Friedrich Häfner, Professor an der TU Bergakademie Freiberg etwa verweist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darauf, dass es an entsprechenden Maschinen zum Schachtbau fehle.

Martin hält das für abwegig: "Diverse Machbarkeitsstudien von renommierten Experten haben das Gegenteil bewiesen. Hier wird wahrscheinlich von Tunnelbau-Maschinen ausgegangen. Wir wollen die Schächte aber im Tagebau ausheben. Das sind bewährte Technologien." Selbst für den Erdaushub hat er eine Verwendung: "Damit kann man die Stahlbetonhülle befüllen, die später den Kolben bildet."

Zehn Millionen Euro für die TestanlageDer Bau der Testanlage könnte durch Fördermittel des Bayerischen Wirtschaftsministeriums unterstützt werden, hofft Martin - dafür müsste das Unternehmen wohl seinen Sitz nach Bayern verlegen und eine Restfinanzierung nachweisen. Der Bau der gesamten Anlage soll 10 Millionen Euro kosten. Ein Viertel davon könnte das Land Bayern zuschießen.

Interesse an einer Beteiligung bei dem Projekt haben laut Clemens Martin außerdem eine Gruppe Tegernseer Investoren und ein Bauunternehmen als strategischer Geldgeber. Zur Not bleibe die amerikanische Muttergesellschaft, die in den kommenden Monaten eine kräftige Kapitalspritze erhalten werde, sagt er. Denn auch in den USA hat man das Thema der unterirdischen Pumpspeicher entdeckt.

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