Untersuchung: Synthetische Kraftstoffe aus CO2 haben gute Umweltbilanz

Untersuchung: Synthetische Kraftstoffe aus CO2 haben gute Umweltbilanz

von Wolfgang Kempkens

Sunfire erzeugt Treibstoff aus CO2 und Strom. Eine gute Idee - solange man nicht den deutschen Strom-Mix dazu nutzt.

Über synthetische Kraftstoffe wird viel diskutiert. Auch wir haben schon über eine Fluggesellschaft, die mit Sprit aus Biomüll fliegt, geschrieben. Power-to-gas ist ein Konzept, dem Experten sogar eine wichtige Rolle bei der Energiewende zutrauen - hier wird mit zu viel produziertem Öko-Strom Gas aus Wasser gewonnen.

Auch Diesel lässt sich auf so eine synthetische Weise herstellen, also ohne Erdöl. Wer damit fährt, erspart der Umwelt bis zu 85 Prozent des Kohlendioxids, das bei der Nutzung von mineralischem Sprit frei würde. Das geht aus dem Ökobilanzbericht hervor, den die Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung am Lehrstuhl für Bauphysik der Universität Stuttgart jetzt vorgelegt hat.

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Konkret untersuchten die Wissenschaftler die Umweltauswirkungen von "Blue Crude", einem Dieselkraftstoff, den das Dresdner Unternehmen Sunfire aus Wind- und Solarstrom sowie aus Kohlendioxid herstellt.

Blue Crude habe "unter bestimmten Bedingungen erhebliche Vorteile für die Umwelt", sagt Aleksandar Lozanovski, der das Bilanzierungsteam leitet. Der Prozess, den die Dresdner entwickelt haben, benötigt Energie für die Wasserspaltung, um Wasserstoff zu gewinnen, und für die Beheizung des Reaktors, in dem Wasserstoff und Kohlendioxid mit Hilfe eines Katalysators und Wärme in unterschiedliche Treibstoffe verwandelt werden. (Mithilfe des sogenannten Fischer-Tropsch-Verfahrens.)

Deutscher Strommix erzeugt schmutzigen KraftstoffZu den entscheidenden Kriterien für die Reduzierung der Umweltbelastung gehört die Herkunft der Energie, die für die beiden Prozesse benötigt wird. Wird sie mit der in Deutschland produzierten Energie mit einem hohen Anteil Kohlestrom erzeugt, belastet Crude Fuel die Umwelt weit mehr als mineralischer Diesel. Die höchsten Einsparungen verspricht die Nutzung von Windstrom. Ähnlich sieht es bei Wasserkraft aus. Solarstrom schneidet von den Erneuerbaren am schlechtesten ab.

Wichtig ist auch die Herkunft des Kohlendioxids. Sunfire nutzt eine Technik des Schweizer Unternehmens Climeworks. Das Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich gewinnt das Klimagas direkt aus der Luft. Es hat ein Filtermaterial entwickelt, das ausschließlich Kohlendioxid zurückhält. Alle anderen Moleküle passieren es ungehindert. Mit diesem Verfahren zur Kohlendioxid-Gewinnung ist der positive Effekt für die Umwelt am größten, vorausgesetzt, die Pumpen, die die Luft durch den Filter pressen, werden mit Windstrom betrieben.

Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen schneidet nicht so gut ab, weil bei der Abtrennung Energie verbraucht wird, sodass sich der Wirkungsgrad des Kraftwerks deutlich verschlechtert.

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