Uran: Abnehmende Vorräte verhindern Renaissance der Kernkraft

Uran: Abnehmende Vorräte verhindern Renaissance der Kernkraft

von Benjamin Reuter

Länder wie China, Indien und England wollen die Kernkraft massiv ausbauen. Dabei wird der Brennstoff Uran knapp.

Fast jeder hat schon einmal von Peak-Oil gehört - dem Moment, an dem die weltweite Nachfrage nach Öl schneller wächst, als neue Reserven entdeckt werden. Aber Peak-Uran? Genau den sagt eine aktuelle Studie der renommierten ETH-Zürich für das Jahr 2015 voraus. Demnach können in diesem Jahr weltweit noch 58 Kilotonnen Uran abgebaut werden. Im Jahr 2025 sind es schon vier Tonnen weniger, bevor der Wert im Jahr 2030 auf 41 Kilotonnen sinkt.

Die Schlussfolgerung des Physikers Michael Dittmar, dem Autor der Studie: "Diese Menge genügt nicht, um die existierenden und geplanten Kernkraftwerke in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren zu betreiben." Seine Empfehlung deshalb: Weil damit die Kosten für Kernenergie steigen, sei ein gradueller weltweiter Atomausstieg nötig.

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Der Forscher berechnete die künftigen Erträge bestehender Minen anhand von Daten aus Kanada und Australien. Derzeit planen und diskutieren Länder wie Indien, China, England und die USA einen massiven Ausbau der Kernenergie.

Ein möglicher Ersatz für die zurückgehenden Fördermengen des Urans könnten die Lager der Militärs in den USA, Russland und China sein. Alle drei Länder haben beträchtliche Reserven für ihr Arsenal an Atomwaffen angelegt. Aber selbst wenn man diese Reserven in den zivilen Sektor überführt, würde sich der Brennstoffmangel in den Kernkraftwerken nur um einige Jahre verschieben. Um wie viel die Preise für Atomstrom in den kommenden Jahren durch Lieferengpässe beim Uran genau steigen, beziffert die Studie allerdings nicht.

Sie sagt nur so viel: "Wir glauben, dass das Ende des billigen Urans zu einem chaotischen Atomausstieg in vielen Ländern führen wird und Preisexplosionen, Lieferengpässe und Stromausfälle die Folge sind."

Aber nicht alle Forscher teilen die düsteren Prognosen von Michael Dittmar. So kam eine Studie des renommierten MIT in den USA zu dem Ergebnis, dass es in den kommenden Jahrzehnten keine Uran-Klemme geben wird. Kernkraftbefürworter verweisen zudem auf neue Quellen für Uran, wie Meerwasser oder auf Reaktorkonzepte der 4. Generation, die Energie aus Atommüll produzieren - bis diese Technologien allerdings ausgereift sind, könnten Jahrzehnte vergehen.

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