US-Ölboom: Die neue Supermacht im Energiesektor

US-Ölboom: Die neue Supermacht im Energiesektor

von Benjamin Reuter

An diesem Freitag treffen sich in Wien die ölexportierenden Staaten der OPEC. Nicht nur sie, sondern auch das Klima hat ein Problem: die USA

Wenn sich an diesem Freitag in Wien die Vertreter der erdölexportierenden Staaten (kurz OPEC) zum 163. Mal treffen, dann wird vieles anders sein als in den Vorjahren. Denn statt immer weiter steigenden Ölpreisen – und damit hohen Gewinnen – wird es vor allem ein Thema geben: die Ölbonanza in den USA. Denn der weltweit wichtigste Importeur des schwarzen Rohstoffes droht sich aus dem Welthandel auszuklinken.

Grund dafür ist ein unverhoffter Ölboom durch neue Fördermethoden wie Fracking, der seit einigen Monaten die Hoffnung befeuert, das Land könne sich künftig unabhängig von Ölimporten machen.

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Aber schon jetzt stellt die Entwicklung in den USA viele OPEC-Länder vor Probleme. Denn sie sind auf die Exporte in die USA und die Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesen, um teure soziale Förderprogramme für Wohnraum und Nahrungsmittel zu unterhalten. Fallen die weg, drohen in den Staaten Unruhen.

Deshalb werden am Freitag Staaten wie der Iran, Nigeria, Algerien, Angola wohl versuchen die Förderraten in den Mitgliedsstaaten abzusenken, um die Ölpreise stabil zu halten. Niedrige Preise auf dem Weltmarkt sind Gift für den inneren Frieden. Einige afrikanische Staaten haben jetzt schon Probleme, ihr Öl in den USA abzusetzen.

Wie das Wall Street Journal zusammenfasst: „Der Iran braucht hohe Preise, um den Verlust von geschätzten 26 Milliarden Dollar Öl-Umsatz wieder gutzumachen, der ihm durch Export-Sanktionen westlicher Staaten entstanden ist. Das Gleiche gilt für Venezuela. Algerien braucht sogar einen Ölpreis von 121 Dollar pro Barrel, um für die eigenen inländischen Ausgaben aufzukommen, schätzt der Internationale Währungsfonds.“

Nach außen hin ruhigBisher bleiben die OPEC-Staaten in der arabischen Region vergleichsweise ruhig. Aber auch das könnte sich ändern. Denn die USA müssen wohl laut jüngsten Schätzen ab 2020 kein Erdöl mehr von außerhalb Nordamerikas importieren. Das würde dann auch Länder wie Saudi Arabien treffen. Nach Kanada ist das Land derzeit der größte Lieferant für Erdöl in die USA. Hinzu kommt: In den USA sinkt wegen der Wirtschaftskrise seit 2005 auch die Nachfrage nach dem Rohstoff.

Ob für die OPEC ein Anstieg der Nachfrage zum Beispiel in Asien die sinkende Nachfrage in den USA ausgleichen kann, ist dabei fraglich. Denn auch Staaten wie Russland und Argentinien sitzen auf riesigen Schieferölfeldern und könnten in den kommenden Jahren den internationalen Energiemarkt aufmischen. Die OPEC-Staaten würden damit an politischer Relevanz verlieren – und vor allem: Sie könnten die Ölpreise nicht mehr wie in der Vergangenheit durch ihre Förderraten diktieren.

Dabei kündigt sich der Abstieg des bis vor kurzem wohl mächtigsten Kartells der Welt heute schon an. Denn bis 2018, so schätzte die Internationale Energieagentur kürzlich, würde die steigende weltweite Öl-Nachfrage vor allem durch die neu angezapften Vorkommen in Nordamerika gedeckt. Experten sprechen schon von einem "Ölschock".

Aber auch auf Europa hat der Frackingboom Auswirkungen. So wird derzeit soviel Kohle wie nie von Nordamerika an die europäischen Küsten verschifft – denn Schiefergas ersetzt in den USA im großen Stil die Kohle. Das verhagelt nicht nur Europa die Klimabilanz gewaltig. Greenpeace warnte kürzlich in einer Studie: Allein die derzeit in 14 Staaten laufenden Projekte, unkonventionelle Rohstoff-Reserven wie Schieferöl anzuzapfen, bergen genug klimaschädliche Gase, um die Erderwärmung endgültig über die Klippe von zwei Grad zu schieben.

Das Fazit: Zwar dürften die Benzinpreise künftig nicht mehr allzu stark steigen - ein gutes Zeichen ist das aber nicht.

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