USA: "Barack Obama meint es ernst mit dem Klimaschutz"

USA: "Barack Obama meint es ernst mit dem Klimaschutz"

von Benjamin Reuter

Wohin steuert die USA in der Umwelt- und Klimapolitik? Wir haben darüber mit Jason Bordoff gesprochen, bis vor kurzem Obamas Berater für Energie.

Wohin steuert die USA in der Klima- und Umweltpolitik? Und wie hält es die Regierung von Barack Obama mit dem umstrittenen Fracking von Gas und Öl aus Schiefergestein? Wir haben über diese Fragen mit Jason Bordoff gesprochen, der zwischen 2009 und 2013 einer der wichtigsten Berater von Barack Obama in Energiefragen war. Bordoff arbeitete als "Special Assistant" für den US-Präsidenten und leitete mehrere Expertenausschüsse im Weißen Haus. Aktuell leitet Bordoff das neu gegründete Center on Global Energy Policy an der Columbia University in New York.

Herr Bordoff, wie grün ist US-Präsident Barack Obama eigentlich?

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Jason Bordoff: Obama meint es mit dem Umwelt- und Klimaschutz durchaus ernst, wenn Sie das meinen.

Manchmal scheint aber das Gegenteil der Fall – immerhin ist Obama auch ein großer Freund des umstrittenen Fracking, um Gas und Öl zu fördern.

Bordoff: Wir fracken in den USA schon seit Jahrzehnten. Die Technologie ist also nichts neues. Die Obama-Administration hat sich aber sehr gut überlegt, wie man auf den aktuellen Boom reagiert. Die Regierung hat Experten und Umweltschützer konsultiert und Studien in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war die Erkenntnis: Wenn wir Umweltstandards einhalten, eröffnet Fracking riesige Chancen für das Land.

Und die wären?

Bordoff: Wir haben in den letzten Jahren zum Beispiel sehr viel günstigere Gaspreise gehabt als der Rest der Welt und unsere Handelsbilanz durch weniger Importe von Rohstoffen verbessert. Außerdem haben wir umweltschädliche Kohle in Kraftwerken durch Erdgas ersetzt und damit unsere Klimabilanz deutlich verbessert.

Aber ist es nicht zu kurz gegriffen, auf Schiefergas zu setzen, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen?

Bordoff: Natürlich tut die Obama-Regierung mehr. Zum Beispiel versucht sie im Kongress mit dem Clean-Air-Act eine strengere CO2-Politik durchzusetzen. Die Vorgaben sollen die Emissionen aus fossilen Kraftwerken drastisch reduzieren.

Das klingt alles schön, aber Umweltschützer in den USA beklagen, dass Schiefergas der Umwelt und dem Klima mehr schadet als nützt. Ein Grund sind die mangelnden Auflagen.

Bordoff: Die Regulierung der Energieproduktion obliegt den einzelnen Bundesstaaten. Und manche Staaten regulieren die Öl- und Gasförderung auch erfolgreich. Manche Staaten wie Pennsylvania, die von Gasboom überrascht wurden, hatten ohne Zweifel Nachholbedarf. Sicher, vielerorts sind die Vorgaben weit davon entfernt perfekt zu sein. Aber angesichts der Ausmaße des Öl- und Gas-Booms ist die Umwelt vergleichsweise wenig geschädigt worden.

Also hat Obama gar keinen Einfluss darauf, wie Öl und Gas gefördert werden?

Bordoff: Doch, aber nur indirekt durch Vorgaben wie den Clean-Air-Act. Außerdem hat zum Beispiel die Umweltbehörde in Washington vorgeschrieben, dass künftig  kaum mehr klimaschädliches Methan beim Fracken austreten darf.

Bisher wird noch kein Schiefergas exportiert. Ändert sich das in Zukunft und wird die USA damit zu einem wichtigen Spieler auf dem Weltmarkt?

Bordoff: Bisher hat die Regierung vier Vollmachten erteilt, das Gas zu exportieren. Es könnten aber durchaus noch einige mehr werden. Ob die Unternehmen die benötigten Export-Terminals auch wirklich bauen, ist eine andere Frage. Derzeit befindet sich nur eines in Konstruktion.

Wie würde sich der Weltmarkt für Erdgas dadurch verändern?

Bordoff: Wenn wir einige der Terminals wirklich bauen, dann hätte das durchaus das Potenzial den Gasmarkt aufzumischen. Vor allem in Asien werden die Preise sinken, denn dort kostet Erdgas fünf Mal mehr als in den USA. Es wäre auch gut für das Klima, wenn Japan und China mehr Gas nutzen.

"Unsere Abhängigkeit vom Öl muss sinken"Zum Thema Öl: Glauben Sie auch, dass die USA in naher Zukunft unabhängig von Importen werden?

Bordoff: Nein, das glaube ich nicht. Aber laut der Internationalen Energieagentur könnte Nordamerika, also die USA und Kanada, ölautark werden. Schon heute ist Kanada unser größter Öllieferant. Sicher ist aber jetzt schon, dass wir die Öl-Importe aus anderen Staaten reduzieren werden. Vor einigen Jahren mussten wir noch 60 Prozent unseres Öl einführen. Künftig könnten es 20 Prozent sein. Das wiederum wäre gut für unsere Handelsbilanz, für die Wirtschaft und es würde Arbeitsplätze schaffen.

Würde sich die Außenpolitik der USA entscheidend ändern, wenn das Land weniger auf Öl-Importe angewiesen ist?

Bordoff: Ich glaube nicht, dass sich die USA zum Beispiel aus dem Nahen Osten verabschiedet. Wir haben in der Gegend auch viele andere Interessen. Außerdem: Öl ist ein globales Gut. Wenn es im Nahen Osten Unruhen gibt, dann hat das Auswirkungen auf den Ölpreis überall auf der Welt. Unser strategisches Interesse bleibt also.

Aber ist die Zeit des billigen Öls vorbei?

Bordoff: Preise von 20 Dollar für das Barrel Öl kommen definitiv nicht wieder. Aber ob der Preis bei weit über 100 Dollar bleibt, wie derzeit, ist auch fraglich. Ich rechne eher damit, dass der Wert sinkt. Wenn demnächst Öl aus Brasilien, Irak und Afrika auf den Markt kommt, könnten wir Preise von 80 Dollar pro Barrel bekommen.

Aber könnte nicht auch das Gegenteil passieren und die Preise steigen weiter? Man stelle sich nur einmal vor, in Saudi Arabien gibt es eine Revolution wie in Ägypten.

Bordoff: Das Problem ist durchaus real. Wir haben jetzt schon ziemlich starke Störungen im globalen Ölmarkt. Und wir haben kaum noch Kapazitäten, um weitere Lieferengpässe auszugleichen. Der Markt ist also derzeit ziemlich sensibel.

Was wären die Folgen eines solchen Ölschocks?

Bordoff: Ökonomen rechnen damit, dass eine Erhöhung des Ölpreises um zehn Dollar das Bruttosozialprodukt um bis zu 0,3 Prozent senkt. Hier ist aber eine Unterscheidung ganz wichtig. Wenn die Ölpreise steigen, weil die Wirtschaft wächst und damit die Nachfrage, dann ist das weniger ein Problem, weil das Wachstum dadurch nur gebremst wird. Schwächelt die Wirtschaft ohnehin und es kommt eine Lieferkrise beim Öl dazu, können die Folgen gravierend sein.

Wie reagiert die US-Regierung darauf?

Bordoff: Auch Obama weiß, dass Öl künftig teuer bleibt und wir deshalb den Verbrauch weiter reduzieren müssen, um weniger abhängig von Preisschwankungen zu sein. Deshalb hat die Regierung auch strengere Verbrauchs-Richtlinien für Autos erlassen. Uns allen ist klar: Insgesamt muss die Abhängigkeit unserer Wirtschaft vom Öl sinken.

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