USA: Millionen Schweine liefern Biogas

USA: Millionen Schweine liefern Biogas

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Mit der neuen Mega-Biogasanlage in Missouri soll Strom für tausende Haushalte erzeugt werden. (Foto: Youtube/Roeslein Alternative Energy)

von Wolfgang Kempkens

Tausende Haushalte in den USA könnten demnächst mit grünem Strom beliefert werden. Möglich machen sollen das zwei Millionen Schweine.

Schweinefarmen stinken zum Himmel. Kaum ein Geruch ist unangenehmer als der von Schweinegülle, besonders schlimm ist das bei Massentierhaltung. In den USA haben mehrere Unternehmen für das Problem jetzt eine Lösung gefunden: Gemeinsam wollen sie Gülle in Biogas umwandeln – und zwar im großen Stil.

Am 24. August geht im Norden des US-Bundesstaats Missouri eine neue Biogasanlage in Betrieb, mit der aus Schweinegülle Erdgas erzeugt wird. Die Jauche kommt von mehreren Farmen, die jährlich zwei Millionen Schweine züchten. Während deren Gülle früher als Dünger auf den Feldern verteilt wurde, wird sie nun zu Strom gemacht.

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Dazu sammeln die Landwirte die Gülle in riesigen Senken, die jeweils 50 Millionen Liter fassen. Die Seen werden mit Folien abgedichtet. So wird nicht nur verhindert, dass der Gestank oder das Gas nach außen dringen – es kann auch kein Regenwasser hineintropfen. 1,5 Milliarden Liter pro Jahre fließen dann einfach ab, ohne verunreinigt zu werden und gehen dem natürlichen Kreislauf nicht verloren.

850.000 Tonnen CO2 sollen eingespart werden

88 dieser Sammelbecken gibt es. Durch das Abdecken mit Folien dringt kein Sauerstoff ein, wodurch die Biomasse von Mikroorganismen abgebaut wird. So entsteht aus der Gülle Biogas, das abgesaugt und in die neue Reinigungsanlage transportiert wird.

Anstatt es, wie bisher passiert, einfach zu verbrennen, wird es hier von Schwefelverbindungen und anderen Verunreinigungen befreit. Heraus kommt Methan, also Erdgas mit einer Reinheit von 98 Prozent, das ins Netz eingespeist wird. Der Kompost, der nach der Vergärung der Gülle unter Sauerstoffabschluss übrig bleibt, lässt sich weiterverwerten, etwa als Dünger oder im Landschaftsbau.

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Das Biogas, das in den riesigen Senken entsteht, wird nach der Reinigung in das normale Netz eingespeist. (Foto: Youtube/Roeslein Alternative Energy)

Abnehmer des Schweine-Erdgases ist unter anderem Duke Energy in North Carolina. Der Energieversorger will so seine Umweltbilanz aufbessern – denn die Nutzung des Methans erspart der Atmosphäre jährlich 850.000 Tonnen Kohlendioxid. „Unser Projekt ist wirtschaftlich sinnvoll und gut für die Umwelt“, sagt Rudi Roeslein, dessen Unternehmen Roeslein Alternative Energy (RAE) an dem 120 Millionen Dollar teuren Projekt beteiligt ist.

Nur 240 Biogasanlagen in den USA

Momentan sind 41 Güllebecken für die Biogaserzeugung nutzbar, am Ende soll das für alle 88 Senken der Fall sein. Pro Jahr sollen sie dann 30 Millionen Kubikmeter Methan erzeugen. Das reicht für eine Stromproduktion von 180 Millionen Kilowattstunden, was dem jährlichen Stromverbrauch von 45.000 deutschen Durchschnittshaushalten entspricht. Damit ist das Projekt das größte seiner Art in den USA.

Energiespeicherung Methan aus Bioabfall und Windstrom

Methan kann chemisch erzeugt werden - das braucht viel Energie. Es gibt aber auch Mikroorganismen, die das Gas produzieren. Diese konnten dabei helfen, Windstrom zu speichern.

Lockenwickler-ähnliche Füllkörper im Festbettreaktor, auf denen sich die Mikroorganismen ansiedeln können.

Doch damit nicht genug: In einem zweiten Schritt soll die Gülle in den Seen mit Präriegras angereichert werden, das im Umland der Farmen in großen Mengen zur Verfügung steht. Die Methanausbeute soll so noch höher ausfallen. „Das ist nichts Neues“, sagt RAE-Mitarbeiter Sheldon Ripson. „Vor allem in Deutschland wird das schon lange gemacht. Dort gibt es 7000 Biogasanlagen, in denen unter anderem Biomasse in Gas verwandelt wird.“ Das funktioniere genauso gut mit Präriegras. In den USA gibt es erst 240 dieser Anlagen - es könnten 8000 sein, schätzt Ripson.

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