Verkehr: Bis 2030 kosten Staus 520 Milliarden Euro

Verkehr: Bis 2030 kosten Staus 520 Milliarden Euro

von Andreas Menn

Teures Rumstehen: Vergeudeter Sprit, Zeitverlust und CO2-Ausstoß durch Staus kosten deutsche Haushalte laut einer neuen Studie Milliardenbeträge.

Abertausende Pendler erleben das Übel Tag für Tag: Plötzlich geht auf der Autobahn nichts mehr, dicht an dicht stehen die Autos hintereinander. Staus zehren an den Nerven und stehlen wertvolle Freizeit. Aber sie kosten auch Geld - und schaden massiv der Umwelt.

Wie hoch die Belastung für Volkswirtschaft und Natur genau ist, zeigt nun eine neue Studie. Sie stammt von der Londoner Beratung Centre for Economics and Business Research im Auftrag des Navigationssystem-Herstellers Inrix. Die Forscher addieren zum einen Kosten für verschwendetes Benzin und vergeudete Arbeitszeit; zum anderen Mehrkosten für Unternehmen, die durch Staus mehr Geld für Gütertransporte oder geschäftliche Treffen ausgeben müssen.

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Londoner stehen zwölf Tage im StauDas Ergebnis: Im Jahr 2030 kosten Staus und dichter Verkehr deutsche Verbraucher 33 Milliarden Euro - 31 Prozent mehr als heute. Insgesamt summieren sich Ausgaben für Staus allein in Deutschland bis 2030 auf 520 Milliarden Euro. Nimmt man Frankreich und Großbritannien hinzu, steigt die Summe sogar auf 1,2 Billionen Euro.

Natürlich sind die Zahlen auch gute PR für das Unternehmen Inrix, das uns per Kartensoftware den schnellsten Weg durch verstopfte Straßen weisen will. Zudem sollen der Studie zufolge vor allem die Menschen in Großbritannien künftig immer länger in Staus stehen - in London etwa im Jahr 2030 ganze 300 Stunden, also zwölfeinhalb Tage.

In Deutschland dagegen steigt die Zahl der Stillstand-Stunden pro Kopf und Jahr nur leicht von heute 38,2 Stunden auf 39 Stunden im Jahr 2030. Der Grund ist die hierzulande sinkende Bevölkerungszahl. Die Kosten für den stockenden Verkehr nehmen darum zumindest in Deutschland nicht in erster Linie durch mehr Stau zu, sondern beispielsweise durch steigende Spritpreise.

Doch unabhängig davon sollte die Studie Verbraucher und Verkehrsplaner aufhorchen lassen. Denn weltweit steigen die Kosten für den Verkehrskollaps - und auch für die Umwelt. Darum hier weitere wichtige Ergebnisse der Studie:

  • Die Zahl der Autos auf deutschen Straßen nimmt weiter zu - von heute 43,4 Millionen auf 45,1 Millionen im Jahr 2030.
  • Deutsche Autofahrer verschleudern im Stau jährlich knapp 1,2 Milliarden Liter Sprit - 69 Liter pro Fahrzeug. Allein auf den Straßen Stuttgarts sind es 27 Millionen Liter - und in London 113 Millionen.
  • Die CO2-Emissionen, die Autos in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA im Stau verursachen, steigen bis 2030 um 16 Prozent - auf rund 18 Millionen Tonnen. Das entspricht dem Jahresausstoß des Braunkohlekraftwerks Weisweiler, das im Jahr weit mehr Strom erzeugt, als ganz Berlin verbraucht.

Was tun? Die Studienautoren empfehlen, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, um die Straßen zu entlasten. Sie räumen aber ein, dass es schwer sein dürfte, genügend Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen, da das Auto meist immer noch das bequemste Verkehrsmittel sei. Darum sei Carsharing eine ebenso wichtige Maßnahme. Die Forscher fordern eigene Straßenspuren für Autos, die Mitfahrgelegenheiten bieten. Und auch schlaue Echtzeit-Navigation könne helfen sowie Apps, die verschiedene Verkehrsmittel kombinieren, um die beste Route zum Ziel zu ermitteln – statt vergeudeter Sprit also Umsatz für die Navigationshelfer. Der Umwelt soll es recht sein.

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