Verkehr: Ein Niederländer will Straßen zum Leuchten bringen

Verkehr: Ein Niederländer will Straßen zum Leuchten bringen

von Benjamin Reuter

Gemeinden schalten wegen Geldproblemen die Straßenbeleuchtung ab - ein Designer arbeitet daran, dass wir dennoch nicht im Dunkeln fahren.

Geld ist knapp. Wer kennt das Problem nicht. Aber für viele Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien ist die Haushaltslage mittlerweile so angespannt, dass sie ihre Straßenbeleuchtung ausschalten.

Das ergab eine Umfrage der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers. Demnach greift schon jede vierte deutsche Gemeinde zu drakonischen Maßnahmen: Sie stellen die Straßenbeleuchtung nachts zeitweise komplett ab. Rund ein Drittel der Gemeinden setzt auf das Prinzip Lücke und schaltet nur jede zweite Leuchte ein.

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Zwar spart die Verdunkelungsaktion durchaus Geld - Städte mit weniger als 5.000 Einwohnern bezahlen pro Kilometer Straßenbeleuchtung im Schnitt 2.100 Euro pro Jahr - aber der Verkehrssicherheit ist das nicht zuträglich. Für Deutschland fehlen belastbare Auswertungen, aber in den Niederlanden, so erzählt es der Rotterdamer Designer Daan Roosegaarde seien die Unfallzahlen deshalb leicht gestiegen. Das will er nicht hinnehmen und hat auch schon einen Plan, der Abhilfe schaffen soll.

Roosegaarde will die Dunkelheit auf den Straßen mit selbstleuchtenden Fahrstreifen bekämpfen. Dafür hat er zusammen mit dem niederländischen Straßenbauunternehmen Heijmans eine phosphoreszierende Farbe entwickelt, die als Mittelstreifen oder Spurbegrenzung auf den Asphalt aufgemalt werden kann. Die speichert am Tag Energie des Sonnenlichts und glüht damit bis zu zehn Stunden, wenn es Dunkel wird. Auch wenn die Frontlichter der Autos auf die Farbe trifft, lädt sie sich auf.

Derzeit streichen Roosegaarde und Heijmans eine mehr als 400 Meter lange Strecke auf einer Landstraße im Süden der Niederlande mit der Leuchtfarbe an. Die Straße wird derzeit ganz neu gebaut. Es ist das erste Projekt dieser Art und soll als Prototyp Gemeinden auf der ganzen Welt von der Innovation überzeugen.

Leuchtfarbe warnt vor GlätteIn einem zweiten Schritt will der Designer dann temperaturempfindliche Farben entwickeln, die bei Minusgraden blau aufleuchten und Autofahrer vor Glatteis warnen (siehe Aufmacherbild). Auf den Straßen könnten dann Muster aufgemalt werden, die Schneekristallen ähneln. Auch an einer Farbe, die sich bei Regen aktiviert, arbeiten die Chemiker von Heijmans derzeit im Labor. Die wiederum soll Autofahrer vor glitschigen Verhältnissen auf dem Untergrund warnen.

Zwar gab es bisher schon Farben, die im Dunkeln leuchten, aber keine war für den Einsatz im Straßenbau geeignet, sagt Daan Roosegaarde zu WiWo Green am Telefon. Mit den Ingenieuren von Heijmans mischte und experimentierte er, bis eine hochkonzentrierte Leuchtflüssigkeit herausgekam, die rund zehn Jahre auf der Straße ihren Dienst tut."Als Designer hätte ich das nie hinbekommen", erzählt er. "Da brauchte ich das Know-How der Bauexperten.

Die Beteiligung von Heijmans ist dann wohl auch der beste Garant dafür, dass die Technik wirklich großflächig auf den Asphalt kommt und nicht nur die Vision eines Designers bleibt, der sein Auto vor Jahren schon verkauft hat.

Entscheidend wohl auch: Berechnungen von Roosegaarde haben ergeben, dass die Leuchtstreifen mit den Preisen für die Installation und den Betrieb von Straßenlaternen jetzt schon konkurrieren können. Mit zunehmender Anwendung sollen sie sogar noch günstiger werden - dann können auch Entwicklungsländer wie Südafrika, in Gegenden wo es keine Elektrizitätsversorgung gibt, Nachts sichere Straßen anbieten. Schon jetzt ist Roosegaarde Studio mit mehreren Botschaftern aus Entwicklungsländern im Gespräch.

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