Verkehr: London will Fahrradautobahnen auf Stelzen bauen

Verkehr: London will Fahrradautobahnen auf Stelzen bauen

von Felix Ehrenfried

London plant Fahrradhighways mit 220 Kilometern Länge. Per Bike wäre man dann schneller in der City als mit dem Auto.

Europas Bankenmetropole London entwickelt sich zunehmend zu einer Stadt die zeigt, wie nachhaltige Verkehrsplanung in Zukunft aussehen könnte. Dabei setzt sie vor allem aufs Fahrrad als Verkehrsmittel. So erklärte Londons Bürgermeister Boris Johnson vor einigen Monaten, dass er in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur ausgeben wolle.

Jetzt soll bald der nächste Streich folgen: Eine Art Fahrradautobahn, die oberhalb von dicht befahrenen Straßen und den Trassen des S-Bahn-Netzes entlang führen soll. Die Entwickler des Projekts wollen den wichtigsten Verkehrsadern der Stadt sozusagen ein Dach aufsetzen, auf dem Fahrradfahrer schnell ins Zentrum gelangen können und das ganz ohne eine Gefährdung durch Autos oder LKWs. Allein in zwei Wochen im November starben sechs Radfahrer bei Verkehrsunfällen in London.

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Das Projekt mit dem Namen SkyCycle wurde unter Federführung des Stararchitekten Norman Foster entwickelt, der nach eigenen Angaben selbst passionierter Fahrradfahrer ist. Der SkyCycle-Highway wird von den Londoner Verkehrsbetrieben unterstützt und soll eine Gesamtlänge von rund 220 Kilometern haben.

Dabei sollen mehr als 200 Zugänge dafür sorgen, dass die Radler möglichst punktgenau den Highway verlassen und hinauf fahren können. Die Zufahrten sind einfache Rampen. Befinden sich die Zugänge in größeren Höhen, wird eine Art Aufzug die Radler auf den Highway bringen. Dieser soll eine Breite von bis zu 15 Metern haben und so Platz für rund 12.000 Fahrradfahrer pro Stunde bieten.

Schneller als Auto oder BahnZehn Routen sollen die wichtigsten Punkte der britischen Metropole miteinander verbinden. Ohne Verkehrsstaus oder den Fußweg zur Bahnstation sollen die Radler außerdem bei ihren Trips, beispielsweise dem Weg zum Büro, bis zu 29 Minuten Zeit gegenüber dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr einsparen.

Norman Foster erklärt gegenüber dem britischen Guardian die Vorteile des Fahrradhighways so: "Indem wir die Korridore über den Trassen der Züge nutzen, schaffen wir ein Straßennetz von Weltklasse für Fahrradfahrer, das sicher, autofrei und ideal platziert für Pendler ist." 

Rund 20 Jahre Bauzeit planen Foster und sein Team für die zehn Routen ein - die erste soll von der Liverpool Street, einem Bahnhof im Herzen Londons nach Stratford führen, einem Vorort im Osten der Megacity. Allein dieser Bauabschnitt von 6,5 Kilometern Länge soll nach Informationen des Guardian schon mehr als 200 Millionen Pfund (rund 240 Millionen Euro) kosten.

Millionen Menschen leben im Einzugsbereich des RadhighwaysDas Team von Foster hat sich für die Errichtung der Trassen mit Roger Ridsdill-Smith, dem Entwickler der Londoner Millenium Bridge zusammengetan. Der will zum Bau ein System einsetzen, das den Zugverkehr nicht behindert. Im Prinzip sollen Pfeiler an den Seiten der Bahntrassen installiert werden, auf denen dann ein Deck aufgesetzt wird, auf dem die Fahrradfahrer später fahren.

Das System könnte, so die Entwickler, den Einzugsbereich von rund sechs Millionen Menschen abdecken. Die Hälfte von ihnen würde nicht länger als zehn Minuten zu einem der Zugänge des Highways brauchen. Allerdings sehen die Entwickler den Highway nicht nur als Verkehrsprojekt für London. Für sie ist das Konzept eine Idee für zahlreiche andere Großstädte auf der Welt.

"Der Traum ist, dass du in Paris aufwachst und zum (Bahnhof) Gare du Nord radelst. Dann nimmst du den Zug nach Stratford und radelst von dort in wenigen Minuten in die Innenstadt, ohne Angst vor Bussen und LKWs zu haben", erklärt Sam Martin, einer der Entwickler des beteiligten Architekturbüros Exterior Architecture. Gemeinsam mit dem Unternehmen von Foster arbeitete Exterior Architecture rund zwei Jahre lang an dem Konzept zu SkyCycle.

Wann das Riesenprojekt in die erste Bauphase gehen soll, ist noch nicht klar, auch steht hinter der Finanzierung ein großes Fragezeichen. So wollen die Entwickler für ihr Projekt keine öffentlichen Mittel nutzen, die für den Ausbau von Fahrradinfrastruktur und deren Sicherheit bestimmt sind. Vielmehr werde man versuchen Geld zu nutzen, das eigentlich für den Ausbau von Straßeninfrastruktur bestimmt ist. Statt Straßen für Autos zu bauen und zu sanieren, wäre das Geld für den Fahrradhighway wesentlich besser genutzt, sagt Projektentwickler Martin.

So könnte in London vielleicht schon bald das Fahrrad zum beliebtesten Verkehrsmittel werden. Denn dank des Fahrradhighways dürfte radeln dann billiger, schneller und sogar sicherer als jedes andere Verkehrsmittel sein.

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