Verkehr: Sensor meldet freie Parkplätze ans Smartphone

Verkehr: Sensor meldet freie Parkplätze ans Smartphone

von Andreas Menn

Die Parkplatzsuche verursacht 30 Prozent des Spritverbrauchs in Städten. In Hamburg leitet ein neuartiger Sensor Autofahrer zur nächsten Lücke.

Thomas Hohenacker kennt die Nöte der Autofahrer in Großstädten nur zu gut. Oft genug kurvt der Chef des Starnberger Medien-Unternehmens Maltemedia durch seine Heimatstadt München und späht verzweifelt nach einem Parkplatz. "Im Schnitt verbringen Autofahrer in Städten 20 Minuten damit, einen Stellplatz zu suchen", sagt er. "Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven und Sprit."

Und das, findet der Unternehmer, sei in Zeiten, in denen sogar Autos mit dem Internet vernetzt sind, nicht mehr akzeptabel. "Wir fahren ja auch nicht von Hotel zu Hotel, um ein freies Zimmer zu suchen."

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Seit ein paar Tagen testet Hohenacker am Ballindamm in Hamburg eine Erfindung, die dem Gekurve durch die Stadtviertel ein Ende bereiten kann: Einen Sensor, der die freien Parkplätze in einer ganzen Straße erkennt und via Internet auf eine Smartphone-App meldet. Autofahrer finden damit jederzeit die nächstgelegene Lücke - und die App navigiert sie dorthin. "Bisher ist die Parkplatzsuche ein Glücksspiel", sagt Hohenacker. "Wir machen sie vorhersehbar."

Die Innovation, die Hohenacker am Dienstag auf der TEDx Hamburg erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, ist eine besonders spannende Idee unter vielen, mit denen Straßen schlau werden und die helfen, Mobilität cleverer und umweltfreundlicher zu organisieren.

Schon seit mehreren Jahren versuchen sich Startups und Erfinder an Techniken, die das urbane Parken effizienter machen sollen. So fuhr Daimler einen Tag lang mit einem Konzeptfahrzeug durch Stuttgart, das mit einem Sensor Parklücken erkannte und auf Twitter meldete. Apps wie iSpotSwap setzen dagegen auf die Fahrer selbst, die einen Parkplatz als frei markieren, sobald sie ihn verlassen. Und das US-Startup Streetline hat in San Francisco Tausende Parkplätze mit Sensoren ausgestattet, die freie Stellplätze an eine App melden.

Hohenacker glaubt, dass sein neuer Sensor diese Ideen aussticht. Denn das Gerät kann, hoch an einer Hauswand montiert, eine ganze Straße überwachen - auf beiden Straßenseiten. Ein optischer Sensor erfasst dazu die Konturen von Fahrzeugen und freie Parkplätze. Das Gerät ähnelt äußerlich einer Überwachungskamera - Kennzeichen, Personen oder gar Gesichter kann es aber nicht aufzeichnen.

Die neue Kamera erkennt aber nicht nur freie Parkplätze, sondern auch ihre Größe. Sogar in 500 Metern Entfernung vermisst sie freie Flächen auf fünf Millimeter genau. Autofahrer können sich in der App darum auch gleich anzeigen lassen, welche Parklücken groß genug für ihr eigenes Fahrzeugmodell sind.

Noch dieses Jahr werden ganze Stadtviertel vernetztGegenüber Sensoren im Asphalt soll Hochenackers Stellplatz-Späher in Installation und Betrieb weniger als 20 Prozent der Kosten verursachen. "Wir müssen keine Löcher in den Asphalt bohren", sagt Hohenacker, "keine Funkverstärker installieren und auch nicht regelmäßig die Batterien der Sensoren wechseln." Zudem müssen die Parkplätze nicht eigens markiert werden, wie es bei den Asphalt-Messfühlern der Fall ist.

Die App für Autofahrer muss noch programmiert werden. Aber schon im Herbst will Hohenacker ganze Stadtvirtel deutscher Großstädte flächendeckend mit seinem System ausstatten. Entsprechende Gespräche, sagt er, führe er bereits. Schlauer Parken soll sein Startup heißen, das den deutschen Stadtverkehr revolutionieren könnte.

Es ist nicht das erste faszinierende Projekt, das der Unternehmer gestartet hat - im Jahr 2001 gründete er den Livevideo-Anbieter earthTV, der Fernsehsendern weltweit Livebilder aus Städten rund um den Globus verkauft. Nun sollen seine neuartigen Kameras helfen, den Verkehr zu optimieren. Für viele Kommunen, glaubt er, könnte das der preiswerteste Weg sein, die verschärften Luftreinhaltevorschriften der EU zu erfüllen.

Freuen dürften sich auch die Kämmerer. "50 bis 80 Prozent der Fahrer zahlen heute ihre Parkgebühren nicht", sagt er. "Unser System lässt sich mit dem Parkscheinautomaten verbinden und erkennt Schwarzparker sofort." Eine Software erfasst sogar, wie lange ein Auto auf einem Parkplatz bleibt. Autos, die ihre Parkzeit überziehen, werden auf dem Bildschirm rot markiert.

Politessen können Knöllchen also viel schneller verteilen als bisher. Hohenacker glaubt, dass Autofahrer künftig auch viel stärker bereit sind, für das Parken zu bezahlen - wenn ihnen die App dafür die Parkplatzsuche erspart.

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