Virtuelle Speicher: Elektroautos können das Stromnetz stabilisieren

Virtuelle Speicher: Elektroautos können das Stromnetz stabilisieren

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Der Akku eines E-Autos lässt sich auch als Stabilisator für das Stromnetz nutzen.

von Wolfgang Kempkens

Lange war nicht klar, ob E-Autos einen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes leisten können. Ein erstes Projekt zeigt: Es geht, aber ist nicht ganz einfach.

Elektroautos lassen sich zu einem virtuellen Energiespeicher zusammenschließen, der Strom aufnimmt, wenn er im Überfluss produziert wird - und ihn entsprechend abgeben, wenn Mangel herrscht. Das zeigt ein einjähriger Test mit 20 Elektro-Volkswagen vom Typ up! und 40 Fahrern in Berlin, den das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) begleitet hat.

Sicher war es vor der Veröffentlichung der Studie keineswegs. Elektroautos haben schließlich nicht in erster Linie die Aufgabe, Regelenergie bereitzustellen, sondern Menschen zu transportieren. Und die Zeiten, in denen sie das tun, hängen nicht direkt mit dem Speicherbedarf des Stromnetzes zusammen.
Tatsächlich lassen sich die unterschiedlichen Aufgaben aber unter einen Hut bringen. Der Nutzer muss allerdings einiges von sich aus einbringen. Während er normalerweise sein Auto nur dann ans Ladegerät hängt, wenn die Batterien schwächeln, muss das Regelstrom-Auto so oft wie möglich ans Netz, damit ein Stromaustausch über einen möglichst langen Zeitraum möglich ist. Lange Spontanfahrten sind dadurch schwieriger.

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Der up!-Besitzer kann allerdings vorgeben, wann er das Fahrzeug wieder benutzten und wie weit er fahren will. Dann bleibt genügend Energie in der Batterie. Der Fahrer darf von seinem Plan allerdings nicht entscheidend abweichen. Sonst bleibt er mit leerem Akku liegen.

Anreize für weniger Flexibilität

Damit die Fahrzeugbesitzer mitmachen, soll es ein Anreizsystem geben. Da Regelenergie sehr wertvoll ist – die Kilowattstunde kostet schon mal einen Euro und mehr – sollen die Teilnehmer Prämien bekommen beziehungsweise besonders günstig Strom tanken können. Außerdem können sie das System nutzen, um den Innenraum ihres Fahrzeugs vor Fahrtantritt zu temperieren. Dann geht weniger Batteriestrom während der Fahrt drauf.

Den virtuellen Energiespeicher mit 40 Autobatterien hat der Hamburger Stromanbieter LichtBlick eingerichtet, der bereits stationäre Batterien zu virtuellen Pufferspeichern zusammengefasst hat. Dazu hat er eine Software namens SchwarmDirigent entwickelt, der sämtliche Lade- und Entladevorgänge steuert.

Die Ladestationen steuerte SMA Solar Technology in Neumarkt in der Oberpfalz. Volkswagen schließlich rüstete die Testfahrzeuge mit einem System aus, das das Laden und Entladen der Fahrzeugbatterien ermöglich. Das Mobilfunknetz dient als Medium für den Datenaustausch zwischen Fahrzeugen und dem SchwarmDirigenten.

Für ernsthaften Einsatz braucht es mehr E-Autos

Die derzeit geringe Zahl an Elektrofahrzeugen in Deutschland könnte nicht wirklich zur Netzstabilisierung beitragen. Wären es aber hunderttausende oder gar Millionen, dann könnten sie einen wesentlichen Betrag leisten. Die Batterien von einer Million Fahrzeugen haben eine Gesamtkapazität von 25.000 Megawatt. Alle Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland kommen auf gut 7000 Megawatt.

Auch wenn niemals die gesamte Kapazität als Regelenergie zur Verfügung steht – Fahrzeuge, die unterwegs sind, fallen ebenso weg wie die, deren Besitzer zu bequem sind, sie auch für eine kurze Zeit ans Ladegerät zu hängen – würde die Pufferspeicherkapazität leicht verdoppelt. Hier finden Sie den Abschlussbericht des Forschungsprojekts INEES.

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