Vorbild Maulwurf: Briten wollen Güter über unterirdische Rohrpost verschicken

Vorbild Maulwurf: Briten wollen Güter über unterirdische Rohrpost verschicken

von Andreas Menn

Ein britisches Startup arbeitet an einer Güterbahn in Tunneln, um LKW zu ersetzen.

Ein Großteil der Güter, die wir täglich konsumieren, kommt per LKW in die Läden. Dabei verursachen die Lastwagen Staus, verschmutzen die Luft und lassen den Asphalt bröckeln. Und es muss jemand am Steuer sitzen, was den Transport verteuert.

Roger Miles glaubt, dass es eine bessere Lösung gibt. Der Gründer des britischen Startups Mole Solutions (zu deutsch "Maulwurf Lösungen") will den Warentransport von der Straße holen - und unter die Erde verlagern. Wie in einer überdimensionalen Rohrpost sollen Waggons auf Schienen einzelne Paletten mit Gütern transportieren. Die Steuerung übernehmen Computer. Angetrieben werden die Waggons durch Magnetschwebetechnik, wie sie der japanische Maglev-Zug nutzt.

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Rohrpost schlägt LWKEinen Prototypen in kleinem Maßstab mit einer 100 Meter langen Schienenstrecke haben die Briten bereits entwickelt. Nun wollen sie in einem neunmonatigen Forschungsprojekt herausfinden, wie sich die Güter-Pipeline in einem urbanen Großraum sinnvoll aufbauen ließe.

Ziel ist, ein konkretes Streckennetz für die englische Stadt Northhampton zu entwerfen. "Die technischen Bausteine stehen alle bereit", sagt Gründer Roger Miles. "Nun geht es darum, sie kostengünstig zu einem System zu kombinieren."

Erste Berechnungen zeigen, dass das Rohrsystem den Gütertransport deutlich effizienter machen könnte. Die Betriebskosten sollen nur ein Fünftel von dem betragen, was der Transport per LKW kostet.

Der Grund: Die Waggons brauchen keinen Fahrer, geraten nie in einen Stau, rollen ohne Umweg zum Ziel ihrer speziellen Palette und sie fahren, anders als viele LKW, überhaupt nur los, wenn sie voll beladen sind. Obendrein ist ihr Energieverbrauch drei mal niedriger als auf der Straße, behauptet Mole Solutions.

Die Rohre ließen sich besonders gut entlang von Schnellstraßen verbuddeln, wo keine privaten Landeigentümer Einspruch erheben könnten. Allerdings lassen sich die 2,4 Meter breiten unterirdischen Pipelines nicht wirtschaftlich zu jedem einzelnen Haus verlegen. Stattdessen plant Miles, große Industriegebiete und Logistikzentren miteinander zu vernetzen. LKW könnten ihre Fracht am Rande der Stadt ausladen und in die Mole-Transportkapseln verfrachten. Von dort aus rollen sie dann unter der Stadt hindurch zum Ziel.

Noch ist unklar, ob sich eine komplett neue Infrastruktur durchsetzen kann. Die Briten sind auch nicht die ersten, die an einer unterirdischen Rohrpost arbeiten. Auch das Projekt CargoCap an der Uni Bochum hat einen Prototypen entwickelt, konnte aber bisher keinen Anwender finden.

In der Schweiz wiederum arbeitet das Unternehmen CargoTube an der Vision einer unterirdischen Güterstrecke, auf der autonome Shuttles unterwegs sind. Und gerade hat die Universität Texas ein dreijähriges Forschungsprogramm gestartet, um eine Fracht-Rohrpost zu entwickeln.

Wie das System funktionieren soll, erklärt Mole Solutions in diesem Video:

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