Vorbild Norwegen: Diese vier Maßnahmen machen E-Autos zu Verkaufsschlagern

Vorbild Norwegen: Diese vier Maßnahmen machen E-Autos zu Verkaufsschlagern

von Felix Ehrenfried

Noch sind Stromer Exoten auf deutschen Straßen. Norwegen macht vor, wie sich das ändern lässt.

Elektroautos werden hierzulande zwar immer beliebter, wie ein Blick in aktuelle Verkaufsstatistiken verrät. Dennoch sind Nissan Leaf, Tesla Model S und BMW i3 noch weit davon entfernt, sich auf dem deutschen Automarkt durchzusetzen.

Wie sich das ändern könnte, zeigt das Beispiel Norwegen. Hier zählen Stromer von Tesla und BMW schon zu den absoluten Topsellern auf dem Neuwagenmarkt. Warum das so ist? Wir haben vier Maßnahmen zusammengestellt, die Stromer in Norwegen zu Verkaufshits machen.

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1. SteuererleichterungenDass Elektroautos im direkten Vergleich teurer als Autos mit Verbrennungsmotoren sind, ist klar. Jedoch kann der Staat hier mit unterschiedlichen Maßnahmen den Verkauf von Stromern fördern. In Norwegen sind Elektroautos von Steuern ausgenommen, die normalerweise beim Kauf eines Neuwagens anfallen. Ebenfalls fallen Steuern weg, die der Staat normalerweise auf den Ausstoß von CO2 bei Fahrzeugen erhebt. Die Konsequenz: Stromer werden im Vergleich günstiger. So kostet das Tesla Model S rund 55 Prozent weniger, als es ohne die Steuervorteile kosten würde, rechnen die Blogger von Theenergycollective vor.

Das Kalkül der norwegischen Regierung ist einfach: Da die Ölförderung im Land seit Jahren zurückgeht, könnte man künftig stärker auf teure Importe angewiesen sein. Sauberen Strom haben die Skandinavier dagegen genug. Ähnliche Maßnahmen gibt es in den USA, wo Stromerkäufer durch Steuervorteile mehrere tausend Dollar beim Kauf sparen können.

2. Große Differenzen bei TreibstoffpreisenHier hat Norwegen einen naturgegebenen Vorteil: Während in dem skandinavischen Land Sprit so teuer ist wie nirgends sonst auf der Welt, besitzen die Norweger dank Wasserkraft elektrische Energie quasi im Überfluss. Das sorgt für eine enorme Preisdifferenz zwischen Benzin und Strom. Ein Liter Flüssigtreibstoff kostet bis zu 1,90 Euro, eine Kilowattstunde Strom an der heimischen Steckdose dagegen nur rund zehn Cent. 10.000 Kilometer mit einem Tesla kosten so knapp 180 Euro. Mit einem herkömmlichen Auto mit fünf Liter Verbrauch auf 100 Kilometer sind es knapp 1000 Euro. Für Vielfahrer kann sich der Kauf eines E-Autos also schon nach einigen Jahren rentieren.

3. Eine flächendeckende LadeinfrastrukturZwar übertrumpfen sich Batteriehersteller immer wieder mit Ankündigungen, neue Batterien mit mehr Leistung und Reichweite entwickelt zu haben. Trotzdem ist eine relativ geringe Reichweite von Stromern heute noch Realität. Mehr als 150 Kilometer ohne Ladepause schaffen nur die wenigsten.

Um hier potenziellen Käufern die Angst vor der leeren Batterie im Nirgendwo zu nehmen, müssen Ladepunkte in regelmäßigen Abständen bereit stehen. Auch hier ist Norwegen Ländern wie Deutschland einen Schritt voraus: Die Planung von Fahrtrouten entlang von Ladepunkten und eine einfache Bezahlung klappt hier schon verhältnismäßig gut. Rund 5000 Ladestationen gibt es im Land, 500 davon allein in Oslo.

In Deutschland sind es gerade mal rund 3000 Stationen. Hinzu kommt: Unterschiedliche Bezahlsysteme sorgen für Verwirrung beim Kunden. Das könnte sich allerdings bald ändern. So will ein deutsches Startup Laternenmasten zu Ladepunkten umrüsten und auch Tesla-Chef Elon Musk plant einen umfangreichen Ausbau seines Schnellladenetzes hierzulande. Das Berliner Startup Plugsurfing will zudem die Zahlung an allen Stationen vereinheitlichen.

4. Privilegien für StromerfahrerMit dem Elektroauto auf der Busspur unterwegs zu sein, das ist in Norwegen schon länger Realität. Doch auch in Deutschland tut sich in Sachen Privilegien für E-Autos etwas. So soll es das sogenannte Elektromobilitätsgesetz Kommunen in Zukunft ermöglichen, Elektroautos von bestimmten Regelungen der Straßenverkehrsordnung zu befreien. So könnte die Busspur für Stromer in Zukunft freigegeben werden, aber auch das Befahren von Zonen, die sonst wegen Umweltauflagen gesperrt sind. Auch die Kennzeichnung spezieller E-Autoparkplätze ist denkbar. Experten rechnen damit, dass solche Privilegien für bis zu 200.000 Elektroautos zusätzlich auf deutschen Straßen sorgen könnten.

Das Beispiel Norwegen zeigt also: Es sind nicht einzelne Maßnahmen, sondern eine Kombination vieler kleiner Anreize, die für mehr Stromer auf den Straßen sorgen. Die Frage ist am Ende, ob diese Anreize überhaupt nötig sind? Denn E-Autos haben gegenüber Benzinern einen ganz entscheidenden Vorteil: Den Fahrspaß. Rücken sie in Preis und Reichweite den herkömmlichen Autos also nahe, könnte das schon reichen, um Kunden von dem neuen Antrieb zu überzeugen.

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