Wärme aus Abwasser: In Aachen entsteht die größte Anlage Europas

Wärme aus Abwasser: In Aachen entsteht die größte Anlage Europas

von Wolfgang Kempkens

Auch im Winter erreicht Abwasser eine Temperatur von bis zu 20 Grad Celsius. In Aachen sollen Mieter mit der Wärme heizen.

Tief unter der Erde im Aachener Norden plätschert es. Dort verläuft ein großer Kanal, über den die Abwässer von rund 150 000 Aachenern entsorgt werden. Durch den Kanal fließen mindestens 300 Liter pro Sekunde.

Was viele nicht wissen: Abwasser hat ganzjährig eine Temperatur von zehn bis 20 Grad Celsius. Das liegt am Zufluss aus Wasch- und Spülmaschinen, Badewannen, Duschen und Küchen. Diese Wärmeenergie blieb bislang ungenutzt.

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Abwasser soll 120 Wohnungen beheizenDas wird sich ändern. Denn in Aachen entsteht jetzt die europaweit größte Anlage, die die Wärme von Abwasser zum Heizen und zur Warmwasserbereitung nutzt. Dort hat das Abwasser eine Temperatur von etwa 15 Grad. Das reicht, um Wärmepumpen mit Energie zu versorgen.

Die Stadtwerke Aachen STAWAG und die Wohnungsgesellschaft gewoge AG möchten mit der Anlage testweise nun rund 120 Wohnungen in vier Häusern mit Heizwärme und warmem Wasser versorgen.

Dafür installierten sie in einem der größten Abwasserkanäle der Stadt einen Wärmetauscher, der mit einem separaten Wasserkreislauf die Wärme für die Wärmepumpen liefert. Mit Hilfe eines Wärmetauschers kann man Energie von einem Material zum anderen übertragen.

Das Abwasser wird in zwei Wärmepumpen geleitet, die in einem der vier Wohnblöcke untergebracht sind. Sie erwärmen das Wasser auf 50 Grad Celsius. Ein Nahwärmenetz verteilt es in die Wohnungen.

Pufferspeicher sorgen dafür, dass immer genug Wasser zum Duschen und Heizen vorrätig ist. Das Abwasser  liefert bis zu vier Fünftel des Energiebedarfs, den Rest steuert Strom bei.

Das Potenzial für Energie aus Brauchwasser in Deutschland ist gewaltig.

Abwasserwärme könnte vier Millionen Wohnung versorgenDie Deutschen Bundesstiftung Umwelt schätzt, dass diese Form der Wärmeenergie zwei bis vier Millionen Wohnungen versorgen könnte. Bisher gibt es in Deutschland allenfalls vier Anlagen, die die Wärmeenergie des Abwassers nutzen.

Bei weiter steigenden Strompreisen kann Energie aus Abwasser allerdings teuer werden, zumal eine Anlage deutlich mehr kostet als ein Gas- oder Ölkessel. Abhilfe könnte eine Photovoltaikanlage in Verbindung mit einem Pufferspeicher für elektrische Energie schaffen.

Das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund unterstützten das Aachener Projekt finanziell. In die Wärmeversorgung wurden laut den Aachener Nachrichten rund 700.000 Euro investiert.

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