Wärme: Deutschland bei Heizungen Entwicklungsland

Wärme: Deutschland bei Heizungen Entwicklungsland

von Wolfgang Kempkens

Eine neue Studie zeigt: Die Deutschen verschwenden mit ihren hornalten Heizungsanlagen massenhaft Energie. Besserung ist kaum in Sicht.

Alle reden von der Energiewende - und tatsächlich gehört Deutschland, was die Gewinnung von Strom aus Windkraft- und Solaranlagen angeht, zu den internationalen Vorreitern. Beim Thema Wärme und Heizung sind wir aber immer noch Entwicklungsland.

Das zeigt eine aktuelle Studie mit dem Titel „Klimaschutz im Wohnungssektor - Wie heizen wir morgen?”, die der Gasmulti Shell und der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) in Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und dem Institut für Technische Gebäudeausrüstung (ITG) erarbeitet haben.

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Demnach haben nur 22 Prozent der 5,85 Millionen Ölheizkessel in deutschen Häusern einen akzeptablen Wirkungsgrad. Diese Brennwertkessel nutzen den Energieinhalt des Öls zu mehr als 90 Prozent. Die verbleibenden 4,5 Millionen Kessel müssten eigentlich ausgetauscht werden. Obwohl die Heizkosten um bis zu 35 Prozent sinken würden, zögern die Besitzer.

Bei Gasgeräten sieht es deutlich besser aus. 59 Prozent der Kessel arbeiten bereits nach dem Brennwertprinzip. Andererseits verbleiben gut fünf Millionen Kessel, die den Schornstein als Geldvernichtungsmaschine benutzen. Ganze 20 Prozent der insgesamt mehr als 21 Millionen Kessel entsprechen dem Stand der Technik, so das strenge Urteil der Experten.

Methusalem-Heizungen werden immer mehrPro Jahr würden nur drei Prozent aller Kessel ausgetauscht, beklagt die Studie. Die Folgen der wenig ausgeprägten Investitionsbereitschaft: Im Jahr 2030 werde ein großer Teil der Kessel 30 oder gar 40 Jahre auf dem Buckel haben – wenn sie denn bis dahin durchhalten und nicht zwangsstillgelegt werden, weil sie die Abgaswerte überschreiten. Heute seien mehr als zehn Prozent aller Kessel bereits 25 Jahre oder älter.

„Ohne Effizienzgewinne im Hauswärmebereich können die Energie- und Klimaziele nicht erreicht werden und ist die Energiewende nicht zu schaffen“, sagt Jörg Adolf, Chefvolkswirt bei Shell Deutschland. Denn mehr als 20 Prozent der gesamten Primärenergie, die in Deutschland verbraucht wird, geht fürs Beheizen von Wohnungen und die Warmwasserbereitung drauf.

Für 2030 sagen die Autoren der Studie immerhin eine Verdoppelung der Heizungsanlagen voraus, die regenerative Rohstoffe wie Holz und andere Biomasse oder Erdwärme nutzen. Zu den dann 6,3 Millionen umweltverträglichen Wärmeerzeugern zählen die Experten auch Anlagen, die gleichzeitig Strom erzeugen, also die Kraft-Wärme-Kopplung nutzen.

Mit entsprechender staatlicher Förderung könnte der für 2030 prognostizierte Anteil der Erneuerbaren von 24 auf gut 30 Prozent ansteigen. Der Anteil der Ölheizungen wird weiter zurückgehen. Den Hauptanteil werden künftig – wie schon heute – Gasheizungen haben.

Wenn der jetzige Trend anhält, wird der Energieverbrauch im Heizsektor 2030 lediglich um rund 15 Prozent geringer sein als heute. Mit zusätzlichen staatlichen Finanzhilfen könnte immerhin ein Minus von 23 Prozent erreicht werden. Die Kohlendioxid-Emissionen werden um 22 Prozent sinken. Im günstigsten Fall könnten 36 Prozent erreicht werden, heißt es in der Studie. Bedenkt man, dass bis dahin der Großteil des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen stammen wird, sieht die Heiztechnik dann im wahrsten Sinne des Wortes alt aus.

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