Wärmeversorgung: Keine Energiewende im Heizungskeller

Wärmeversorgung: Keine Energiewende im Heizungskeller

von Ralph Diermann

Energiewende rückwärts: Gas- und Ölheizungen sind derzeit deutlich beliebter als grünere Lösungen.

Allen Klimaschutz-Bekenntnissen zum Trotz: Wenn es um das Heizen geht, zeigen die Deutschen den erneuerbaren Energien die kalte Schulter. Vier von fünf Heizungsanlagen, die in diesem Jahr neu installiert werden, arbeiten ausschließlich mit Gas oder Öl. Das geht aus einer neuen Statistik des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) hervor.

Holzkessel, Wärmepumpen und kombinierte Erdgas- oder Heizöl-Solarthermie-Anlagen haben zusammen einen Marktanteil von gerade einmal 19 Prozent – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Im Spitzenjahr 2008 nutzte noch fast jede zweite neu installierte Heizung erneuerbare Energien.

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Besonders das Heizen mit Holz hat stark an Popularität verloren. So wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres 19 Prozent weniger Holzpelletkessel verkauft als 2014. Bei den Hackschnitzel-Heizungen lag das Minus sogar bei 36 Prozent.

Düster fällt die Bilanz auch bei der Solarthermie aus. Die neu installierte Kollektorfläche ist im Jahresvergleich um 13 Prozent gesunken. Damit setzt sich ein schon länger anhaltender Abwärtstrend fort: Zwischen 2008 und 2014 verzeichnete die Branche einen Rückgang von insgesamt 57 Prozent.

Etwas besser schlagen sich die Wärmepumpen-Hersteller. Hier ging die Zahl der neuen Anlagen nur um fünf Prozent zurück. In den Vorjahren konnten sich die Unternehmen allerdings noch über Zuwächse freuen.

Das Minus bei den erneuerbaren Energien wäre wohl noch deutlich stärker ausgefallen, wenn die Bundesregierung nicht zum 1. April die Fördermittel aus dem Marktanreizprogramm (MAP) erhöht hätte. Seitdem erhalten Hausbesitzer mehr Geld vom Staat, wenn sie sich für eine Wärmepumpe, einen Holzkessel oder eine Solarthermieanlage entscheiden. Eine Statistik des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zeigt, dass im Juni, Juli und August rund vierzig Prozent mehr Anträge eingingen als 2014.

Ölrausch im HeizungskellerGroßer Gewinner auf dem Heizungsmarkt sind die Ölkessel. Im laufenden Jahr wurden bislang dreißig Prozent mehr Öl-Brennwert-Heizungen verkauft als im gleichen Zeitraum 2014. Bei den weniger effizienten Niedertemperaturkesseln beträgt das Plus sogar 33 Prozent. Grund dafür ist vor allem ist der Preisverfall beim Brennstoff. So kostet der Liter Heizöl derzeit rund ein Drittel weniger als noch vor zwei Jahren.

Auch beim Erdgas schlägt die Niedertemperatur-Technik (plus elf Prozent) die sparsameren Brennwertkessel (plus vier Prozent). Letztere nutzen den Energiegehalt von Erdgas besonders gut aus, da sie auch die Wärme im Abgasstrom verwerten. In absoluten Zahlen dominieren die Erdgas-Brennwertkessel auch nach wie vor den Markt. Mit 255.000 verkauften Stück haben sie im laufenden Jahr einen Anteil von 59 Prozent an allen neu installierten Heizungsanlagen.

Die Debatte um die Abhängigkeit Deutschlands von Erdgas-Lieferungen aus Russland scheint die Bauherren und Hausbesitzer also nicht zu schrecken. Stattdessen wiegt wohl schwerer, dass der Erdgas-Preis schon seit vier Jahren weitgehend stabil ist.

Klimaziel in weiter FerneMit dem Ausbleiben der Energiewende im Heizungskeller sind die deutschen Klimaziele für die Wärmeversorgung kaum noch zu erreichen. Derzeit stammt gerade einmal zehn Prozent der Heizwärme aus erneuerbaren Quellen – beim Strom sind es bereits über dreißig Prozent. Eigentlich sollten Biomasse, Sonne und Umgebungswärme bis 2020 insgesamt 14 Prozent des heimischen Wärmebedarfs decken. Mit den rückläufigen Installationszahlen rückt dieses Ziel jedoch immer weiter in die Ferne.

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