Wärmewende-Studie: Deutschland heizt munter weiter

Wärmewende-Studie: Deutschland heizt munter weiter

von Ralph Diermann

Der Heizenergie-Verbrauch ist 2014 kaum gesunken - trotz Sanierungen und Informationskampagnen.

Meist bringen Nebenkostenabrechnungen ja nichts Gutes. In diesem Jahr war das aber anders: Viele Mieter konnten sich über eine kräftige Rückzahlung freuen, weil sie 2014 deutlich weniger Heizenergie verbraucht hatten als in den Vorjahren.

Geht also endlich etwas voran bei der Heizwärme, dem Stiefkind der Energiewende – zeigt das Werben um energetische Sanierungen und sparsameres Verhalten nun Erfolg? Mitnichten: Rechnet man den Effekt der vergleichsweise warmen Witterung im Spätwinter 2014 heraus, ist der Verbrauch von Erdgas, Heizöl und Fernwärme im vergangenen Jahr nahezu konstant geblieben. Das zeigt eine Studie des Energiedienstleisters Techem, der die anonymisierten Verbrauchsdaten von 1,5 Millionen Wohnungen aus 126.000 Mehrfamilienhäusern in ganz Deutschland zugrunde liegen.

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Danach haben Haushalte mit einer Erdgas- und Heizöl-Heizung ihren Brennstoff-Bedarf gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent reduziert. Bei Fernwärme betrug das Minus gerade einmal 0,1 Prozent. Diese Werte liegen damit sogar noch weit unter denen der Jahre zwischen 2008 und 2013, in denen der Verbrauch um durchschnittlich 1,6 Prozent (Erdgas) und 1,3 Prozent (Heizöl und Fernwärme) pro Jahr zurückging.

Als einen zentralen Faktor für den Heizenergieverbrauch haben die Studienautoren das Nutzerverhalten ausgemacht. Das lässt sich aus dem Vergleich von Verbrauchsdaten verschiedener Wohnungen in Mehrparteienhäusern ableiten. Trotz identischer Bausubstanz unterscheidet sich der Verbrauch der Bewohner zum Teil enorm.

Heizen mit Erdgas ist am günstigstenDarüber hinaus liefert die Studie eine Reihe weiterer interessanter Zahlen – etwa zu den Heizkosten. So zahlten die Haushalte für das Beheizen eines Quadratmeters Wohnfläche 2014 mit Erdgas nur noch 6,83 Euro, zwei Euro weniger als im Vorjahr. Mit einer Ölheizung kostete die Wärme 8,91 Euro pro Quadratmeter, ein Minus von 2,79 Euro. Dabei profitieren die Bewohner vor allem vom warmen Winterwetter. Haushalte mit Ölheizung kam darüber hinaus zugute, dass der Heizölpreis um 4,6 Prozent sank. Erdgas wurde um 1,6 Prozent günstiger.

Wie viel die Kunden für Erdgas bezahlen müssen, hängt stark von ihrem Wohnort ab. Besonders teuer ist Erdgas in Hamburg, besonders günstig in Mannheim. Bei Heizöl fallen die regionalen Unterschiede deutlich geringer aus.

Mit Kosten 9,03 Euro pro Quadratmeter war Fernwärme 2014 am teuersten. Allerdings ist dabei nicht berücksichtigt, dass hier anders als bei Gas- und Ölheizungen weder in einen Heizkessel noch in Wartung und Reparaturen investiert werden muss. Berücksichtigt man diese Ausgaben, schrumpft der preisliche Abstand zu Öl und Gas.

Erdgas: Verschwenderische SchwabenBemerkenswert sind auch die regionalen Abweichungen im Heizenergieverbrauch. Besonders hoch ist er unter anderem in Schleswig-Holstein und im Nordwesten Niedersachsens. Ob das am rauen Klima von Nord- und Ostsee liegt? Mit sehr wenig Heizwärme kommen die Ostdeutschen aus, sieht man mal von Berlin und seinem Umland ab. Grund dafür sind vor allem die vielen Sanierungsmaßnahmen nach der Wende.

So stammen die deutschen Energiesparmeister aus Frankfurt an der Oder. Nirgendwo anders wird so wenig Erdgas pro Quadratmeter Wohnfläche verfeuert wie hier. Am anderen Ende der Tabelle steht das schwäbische Heidenheim. Die gemeinhin ja als sehr sparsam geltenden Schwaben verheizen doppelt so viel Erdgas die Spitzenreiter aus Brandenburg.

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