Warentransport: Car-Sharing als Inspiration für Unternehmen

Warentransport: Car-Sharing als Inspiration für Unternehmen

von Nora Marie Zaremba

Konkurrenten im Regal, Partner auf der Straße – in den USA teilen sich Unternehmen Züge und LKW, um ihre Produkte in die Supermärkte zu bringen.

In Supermärkten in den USA entscheiden sich die Kunden meistens entweder für einen Fruchtsaft von Ocean Spray oder für einen von Tropicana. Die beiden Firmen sind eiserne Rivalen. Seit einiger Zeit aber kooperieren sie vorbildlich miteinander. Nämlich dann, wenn es um den Transport ihrer Ware geht.

Die Idee dieser ungewöhnlichen Partnerschaft entstand, als Ocean Spray seine Produkte möglichst günstig in den US-Bundesstaat Florida liefern wollte. Ein externes Logistikunternehmen riet der Firma: Kooperiert am besten mit dem größten Safthersteller aus Florida - mit Tropicana. Denn die Züge, mit denen Tropicana seine Ware wiederrum vom Süden aus in den Rest der USA liefert, waren auf ihrem Rückweg nach Florida bis dahin zumeist komplett leer.

Anzeige

Wie Car-Sharing, nur im GüterverkehrNun sind sie mit den Saftkartons des großen Konkurrenten gefüllt. Das erinnert an Car-Sharing, nur eben für den Güterverkehr auf der Schiene. Ist es verrückt, einem Marktrivalen bei der Ausfuhr seiner Ware zu helfen?

Tatsächlich verschafft die Kooperation beiden Firmen Vorteile, wie eine Studie des amerikanischen IT Centers für Logistik in Massachussetts zeigt. Die beiden Safthersteller konnten ihre Transportkosten um 40 Prozent senken und 20 Prozent an klimaschädlichen CO2-Emissionen einsparen. Von dieser Erfolgsgeschichte inspiriert, beginnen jetzt auch beispielsweise die großen Schokoladenhersteller Hershey und Ferrero mit dem Waggon-Teilen.

Jedoch müssen sich die Firmen gegenseitig vertrauen, weiß der Logistikexperte Chris Kane. "Die Firmen denken oft, dass der Konkurrent nur seinen eigenen Vorteil im Blick hat", sagt er. Eine Trägheit der Firmen und das Festhalten an alten Transportstrukturen sieht Kane, der auch ein Buch über die Transport-Partnerschaften (hier als PDF) verfasst hat, als weitere Haupthindernisse. Seine Firma Kane is able ist darauf spezialisiert, Firmen auf diesem Feld zu beraten und Vorurteile abzubauen.

Auch die LKW-Ladefläche teilenGroßes Potential zum Teilen bietet auch der Güterverkehr auf der Straße. Der US-Umweltorganisation Environmental Defense Fund zufolge fahren 15 Prozent der LKW auf amerikanischen Straßen entweder auf dem Rück- oder Hinweg zu einem Kunden vollkommen ohne Ladung. Und die übrigen 85 Prozent seien oft nur zum Teil beladen. Für die Umwelt ist das ein Graus: Denn die Brummis schlucken in den USA immerhin zwei Millionen Barrel Treibstoff pro Tag – das entspricht rund 80 Prozent des deutschen Ölverbrauchs.

In Deutschland werden die meisten Güter auf der Straße transportiert, erst danach kommen Züge und Schiffe zum Einsatz. Der LKW-Verkehr werde bis 2030 jährlich sogar um rund drei Prozent wachsen, prognostiziert die Unternehmensberatung McKinsey. Auch würden die Transportstrecken immer länger. Derzeit suchen Forscher aus ganz Europa in einem gemeinsamen Projekt nach Wegen, wie sich in der EU Leer- und Halbleerfahrten künftig vermeiden lassen. Das würde weniger klima- und gesundheitsschädliche Emissionen bedeuten.

Im Vergleich mit einem Güterzug stößt ein LKW pro bewegter Tonne auf einem Kilometer mehr als drei mal so viel Treibhausgase und Feinstaub aus. Für jene Unternehmen, die auch langfristig weiter auf die Straße setzen, könnte das Prinzip des LKW-Sharings eine Möglichkeit sein, etwas umweltfreundlicher zu transportieren.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%