Wasserkraft: Neue Turbine nutzt Energie der kleinen Wasserstrudel

Wasserkraft: Neue Turbine nutzt Energie der kleinen Wasserstrudel

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Miroslav Sedláček vor seinem kleinen Wasserkraftwerk, mit dem er für den European Inventor Award 2016 nominiert ist. (Foto: EPO)

von Hendrik Bensch

Ein tschechischer Erfinder hat ein Kleinst-Kraftwerk entwickelt - und damit sogar das Europäische Patentamt begeistert.

Als der tschechische Erfinder Miroslav Sedláček beim Spaziergang in Prag in die Moldau schaute, war er fasziniert. Er sah die schnellen Drehungen der Wasserstrudel im Fluss und fragte sich: Wie lässt sich die Kraft der kreisenden Bewegung nutzen, um elektrische Energie zu gewinnen?

Das ist zwölf Jahre her – in dieser Zeit tüftelte er gemeinsam mit Kollegen der Tschechischen Technischen Universität. Nun hat er eine Flüssigkeitsturbine mit einer besonderen Eigenschaft entwickelt: Sie produziert auch bei sehr langsamen Fließgeschwindigkeiten Strom.

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Die Turbine ist gerade mal so groß wie eine Mikrowelle. Durch einen Turbinenschacht fließt Wasser in sie hinein. Im Schacht befindet sich ein Rotor, an dem durch eine schmale Öffnung Wasser vorbeifließen kann. Unter dem Rotor verwirbelt das Wasser – was den Rotor in Bewegung versetzt. Diese Drehung erzeugt über einen Generator Strom.

Das Besondere an dem kleinen Wasserkraftwerk: Es funktioniert auch dann, wenn weniger als zwei Liter pro Sekunde hindurchfließen. Dadurch kann die Turbine auch in Bächen und kleinen Flussläufen Strom erzeugen. Bis zu zehn Kilowattstunden pro Tag lassen sich so gewinnen. In weniger entwickelten Regionen mit niedrigem Stromverbrauch könnte sie mehrere Haushalte versorgen. In Deutschland würde die Energie für einen 3-Personen-Haushalt reichen.

Turbine bereits ausgezeichnet

Mit seiner neuen Technologie hat es Sedláček ins Finale des Europäischen Erfinderpreises des Europäischen Patentamts (EPA) geschafft. "Die Erfindung von Miroslav Sedláček könnte einen Paradigmenwechsel im Bereich der zur sauberen Stromerzeugung aus Wasserkraft verfügbaren Ressourcen bedeuten", so EPA-Präsident Benoît Battistelli. "Sie könnte dem Anteil der Wasserkraft im Gesamt-Energie-Mix einen gewaltigen Schub verleihen, um auf diese Weise dem wachsenden Energiebedarf mit Ressourcen aus erneuerbaren Energien angemessen zu begegnen."

In der EU liegt der Anteil der Wasserkraft an der Nettostromerzeugung bei rund 13 Prozent. Um das Potenzial weiter auszuschöpfen, haben in den vergangenen Jahren einige Start-ups an kleinen Wasserkraftwerken getüftelt. So haben die Gründer von Aquakin ein tragbares Wasserkraftwerk entwickelt. Die Österreicher von Aqua Libre haben eine Stromboje auf den Markt gebracht.

Wie die Turbine funktioniert, kann man in folgendem Video sehen:

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