Wegen Ökostrom: AKW in Grafenrheinfeld geht vom Netz

Wegen Ökostrom: AKW in Grafenrheinfeld geht vom Netz

von Wolfgang Kempkens

Der Betrieb von Kernkraftwerken lohnt sich im Zuge der Energiewende immer weniger. E.ON nimmt in Grafenrheinfeld nun seinen ältesten aktiven Meiler vom Netz.

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld in der Nähe von Schweinfurt war jahrzehntelang ein zuverlässiger Stromlieferant. Pro Jahr erzeugte es stets rund zehn Milliarden Kilowattstunden. Auch 2013. Diese Mengen sind heute nicht mehr gefragt. Immer häufiger muss Strom zum Spottpreis ans Ausland verkauft werden, weil gewaltige Mengen an Wind- und Solarstrom auf den Markt drängen.

Betreiber E.On hat jetzt die Konsequenz gezogen. Ende Mai 2015 geht das älteste noch laufende Kernkraftwerk Deutschlands vom Netz. Die Bundesregierung hatte dem Kraftwerk bei der Energiewende nach der Katastrophe von Fukushima noch eine Gnadenfrist bis Ende 2015 eingeräumt.

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Kernkraftwerke laufen rund um die Uhr. Sie liefern, wie Braunkohlekraftwerke, Grundlast, wie Experten sagen. Das ist die Strommenge, die rund um die Uhr benötigt wird. Steinkohle- und Gaskraftwerke laufen nur zeitweise, eben dann, wenn zusätzlicher Strom gebraucht wird. Heute läuft das anders.

Nicht mehr der Strombedarf regelt die Produktion, sondern das Wetter. Am 27. März 2014 etwa lieferten Windkraftwerke rund um die Uhr, also in Konkurrenz zu den Grundlastkraftwerken, so viel Strom wie fünf große Kernkraftwerke. Manchmal ist es erheblich mehr, manchmal sind es nur Bruchteile davon.

Atomkraft kommt mit neuen Bedinungen nicht zurechtSolarstrom steuerte die gleiche Menge bei, allerdings nur zwischen sieben und 17 Uhr. Auch hier ist die Schwankungsbreite enorm, bis hin zur Nullproduktion. Die Stromlücken füllen mittlerweile im wesentlichen Steinkohlekraftwerke.

Das Ungleichgewicht von Strombedarf und -nachfrage wird mit der voranschreitenden Energiewende immer größer, sodass Grundlastkraftwerke, einst die Gelddruckmaschinen der Konzerne, immer unrentabler werden. Die Konsequenz daraus ist die Entscheidung gegen Grafenrheinfeld. Tatsächlich begründet E.On den Schritt damit, dass der Weiterbetrieb unwirtschaftlich wäre. Allerdings: Da das Kraftwerk mit dem Baujahr 1981 abbezahlt ist, bedeutet die Schließung für den Konzern keinen Verlust.

Mit der Abschaltung von grundlastfähigen Kraftwerken entsteht aber ein Problem: Strom muss für gespeichert werden für Zeiten, wenn Wind und Sonne keine Energie liefern. Bisher gibt es lediglich vergleichsweise kleine Projekte, die nur lokale Bedeutung haben. Die Thyssen Vermögensverwaltung, die über Großgrundbesitz sowie Steinsalz- und Steinkohlerechte am Niederrhein verfügt, plant das bisher größte: einen Druckluftspeicher in einem Salzstock am Niederrhein.

Die dazu nötigen Hohlräume, Kavernen genannt, müssen noch ausgespült werden. Sie sollen jeweils 100 Meter hoch werden und einen Durchmesser von 80 Meter haben. Das Volumen, das zur Verfügung steht, liegt bei 1,5 Milliarden Liter. Das Erdgaskraftwerk, das aus den drei Speichern mit Verbrennungsluft versorgt wird, erzeugt bis zu 7,2 Millionen Kilowattstunden in einem Zeitraum von 24 Stunden. Dann muss der Speicher mit dem Namen „Energiespeicher Niederrhein“ erneut mit Druckluft gefüllt werden.

Das besorgen Hochdruckpumpen, die mit überschüssigem Wind- und Solarstrom gespeist werden. Die Initiatoren des „Energiespeichers Niederrhein“ erwarten einen Wirkungsgrad von 55 bis 60 Prozent. Genauso viel schaffen moderne Erdgaskraftwerke.

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