Welcher Energieträger ist am günstigsten? Die Antwort in sieben Grafiken ...

Tech: Welcher Energieträger ist am günstigsten? Die Antwort in sieben Grafiken ...

von Benjamin Reuter

Was kostet Grünstrom wie entwickeln sich die Preise für die Kohlekraft? Eine aktuelle Studie fasst die Antworten zusammen.

Glaube nur einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. So ähnlich lautet ein beliebter Spruch, auch wenn es um die Kosten der verschiedenen Energieträger geht. Sei es Elektrizität aus Windkraftanlagen, Atommeilern oder Gaskraftwerken.

Und tatsächlich ist es extrem schwierig, Aussagen darüber zu treffen, wie viel eine Kilowattstunde Strom aus einem neuen Kraftwerk kosten wird. Denn dabei spielen nicht nur die Lebenszeit der Kraftwerke eine Rolle und die Kosten, um es zu errichten. Einberechnet werden müssen unter anderem auch die Preise für Brennstoffe wie Kohle und die Höhe der Zinsen auf Kredite, um den Bau zu finanzieren.

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Je nachdem, wie man die einzelnen Parameter ansetzt, verändern sich die Kosten erheblich. Läuft eine Windturbine statt der vorgesehenen 20 Jahre doppelt so lange, kostet ihr Strom nicht zehn Cent, sondern nur noch fünf. Wie unterschiedlich die Ergebnisse bei einer Kostenberechnung sein können, hat die Bloggerin Cornelia Daniel-Gruber kürzlich am Beispiel der Atomkraft gezeigt. Hier lagen die Kosten am Ende zwischen 3,5 Cent pro Kilowattstunde und 11 Cent – je nachdem, wie hoch die einzelnen Teile der Berechnung angesetzt waren.

Um Klarheit im Studien- und Statistikdschungel zu schaffen, behelfen sich Forscher und Experten häufig mit Metastudien. Dafür wühlen sie sich durch möglichst alle verfügbaren Studien zu einem Thema, um die gesamte Bandbreite der Schätzungen abzudecken.

Genau das hat jetzt die halbstaatliche Agentur für Erneuerbare Energien für die einzelnen Energieträger gemacht. Das erste Mal gibt es damit einen Überblick, wie hoch die unterschiedlichen Experten und Institute in Deutschland die Kosten der einzelnen Energieformen einschätzen, heute und in Zukunft. Das Ergebnis lässt sich kurz so zusammenfassen: Erneuerbare Energien können sich durchaus gegen herkömmliche Kraftwerke behaupten. Allerdings variieren die Schätzungen für die Kostenentwicklung teilweise stark.

Für die Solarenergie zeigt sich, dass viele Studien aus den vergangenen Jahren den massiven Preisverfall unterschätzt haben. Für das Jahr 2030 gehen aktuelle Untersuchungen von Kosten zwischen sechs und 14 Cent pro Kilowattstunde aus (zum Vergrößern Grafik anklicken).

Auch bei der Offshore Windenergie werden die Preise rapide sinken, glauben die Experten. Hier gehen die Studien von Kosten zwischen neun und 13 Cent im Jahr 2020 aus. Derzeit liegt die EEG-Vergütung zwischen 15,4 und 19,4 Cent für Strom vom Meer.

Bei der Windenergie an Land werden die Kosten bis 2020 im besten Fall auf vier bis sieben Cent sinken. Interessant ist: Im Vergleich mit der Offshore Windenergie könnte die Windenergie an Land nach 2030 schlechter abschneiden.

Bei den Kosten von Biogas und Biomasse wird sich laut den Experten nicht mehr viel tun in Zukunft. Das ist auch kein Wunder, da die größten Kostenanteile die Arbeitskraft und die verwendeten Biomasse sind, nicht die Technik der Anlagen selbst. Technische Weiterentwicklungen haben hier also keine großen Auswirkungen. Im Jahr 2020 sehen die meisten Studien die Kosten für Biostrom bei etwas über zehn Cent pro Kilowattstunde. Mit Strom aus Erdgas kann die Biomasse damit also fast mithalten.

Bei den fossilen Energieträgern sind die Kostenentwicklungen schwieriger abzuschätzen, das zeigen auch die Bandbreiten bei den Schätzungen. Das hängt damit zusammen, dass Annahmen über die Entwicklung der Kosten von Erdgas und Kohle schwierig zu treffen sind. Hinzu kommt, dass die Kosten für CO2 schwerlich für die Zukunft vorausgesagt werden können. Verpflichten sich die Regierungen beim nächsten Klimagipfel in Paris auf einen strengen Klimaschutz, dann könnte es durchaus sein, dass es die Kraftwerksbetreiber teuer zu stehen kommt, weiter Treibhausgase in die Luft zu pusten. Hinzu kommt: Wenn konventionelle Kraftwerke wegen eines höheren Anteils von Grünstrom im Netz weniger Stunden im Jahr laufen, wird ihr Strom teurer, da sie ihre Baukosten langsamer wieder einspielen.

Für Erdgas geben die allermeisten Studien im Jahr 2020 Kosten von unter zehn Cent an (Unsicherheiten sind mit den Pfeilen angegeben).

Bei der Steinkohle zeigen sich noch größere Unsicherheiten als beim Erdgas. Im besten Fall ist sie 2020 noch günstiger als die erneuerbaren Energien. Im schlechtesten Fall sehen sie einige Studien bei den Kosten aber schon teurer als Wind- und Sonnenenergie.

Braunkohle

ist derzeit bei den reinen Stromproduktionskosten die günstigste Form der Stromerzeugung – allerdings auch die klimaschädlichste. Wenn also CO2 künftig einen höheren Preis bekommen sollte, dann wird der Kohlestrom teurer. Die günstigsten Wind- und Solaranlagen könnten dann auch mit der Braunkohle mithalten. Bemerkenswert an den Studienergebnissen ist aber der vergleichsweise niedrige Preis, den sie für klimafreundliche Kohlekraftwerke ansetzen, die ihr CO2 abfangen und unter die Erde verpressen. Mit Kosten von unter 10 Cent pro Kilowattstunde wäre die saubere Kohle damit durchaus eine Option für eine saubere Stromversorgung.

(Alle Grafiken gibt es auch unter diesem Link zum Download)

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