Wellenkraftwerk 2.0: Bayern bauen Grünstrom-Generator auf Kreta

Wellenkraftwerk 2.0: Bayern bauen Grünstrom-Generator auf Kreta

von Wolfgang Kempkens

Die Firma Sinn Power testet derzeit vor Kreta ein neuartiges Wellenkraftwerk.

Nahe der Hafenmauer von Heraklion auf Kreta tanzt ein orangefarbener Schwimmkörper auf den Wellen. Eine daran befestigte Hubstange bewegt sich im gleichen Rhythmus durch ein Rohr. Ein Wellenkraftwerk, das künftig zuverlässig grünen Strom liefern soll.

Die Hubstange und das Rohr sind Teile eines Gleichstrom-Generators, der die mechanische Energie in elektrische Umwandeln soll. Das Jungunternehmen Sinn Power aus dem bayrischen Gauting hat diese Konstruktion angebracht. Der Schwimmkörper hat einen Durchmesser von zwei Metern und ist sechs Meter hoch. Das Ganze ist der erste Baustein eines neuartigen Wellenkraftwerks.

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Noch in diesem Jahr soll eine komplette Anlage gebaut werden. Der Standort steht noch nicht fest, doch "Kreta gilt als Favorit", sagt Rieke Brand von Sinn Power. Im Gegensatz zu früheren, gescheiterten Entwicklern setze man auf modernste Simulationssoftware für ein smartes 'Wellenkraftwerk 2.0'. "Das Konzept ist ein völlig neues: So können wir nicht nur günstiger Strom erzeugen, sondern kommen auch viel schneller ans Ziel“, erklärt sie.

Ein komplettes Wellenkraftwerk besteht im Normalfall aus 35 Schwimmkörpern, die an einem massiven metallischen Rahmen befestigt sind. Die benötigte Fläche beträgt 48 mal 72 Meter. Die Konstruktion wird nur so weit vertäut, dass sie nicht davonschwimmen kann. Dennoch liegt der Rahmen relativ unbeweglich im Wasser, weil der Abstand zwischen den Schwimmkörperreihen an den Rhythmus der Wellen am jeweiligen Standort angepasst ist.

Wellenkraftwerk liefert Öko-Strom ohne SchwankungenJedes der 35 Module schafft je nach Wellengang zwei bis drei Kilowatt, und das, im Gegensatz etwa zu Wind- und Sonnenkraftwerken, nahezu kontinuierlich. Der Strom wird per Kabel an Land transportiert. Ein elektronischer Umformer verwandelt den Gleichstrom in Wechsel- oder Drehstrom mit einer beliebigen Spannung.

Das Kraftwerk soll so robust sein, dass es Wellen bis zu einer Höhe von sieben Metern schadlos übersteht. Und so wild ist das Mittelmeer vor der Küste der südgriechischen Insel nun nicht.

Als Kunden haben die Bayern aber vielmehr Dörfer in der Dritten Welt im Visier, die keinen Stromanschluss haben oder elektrische Energie mit Dieselgeneratoren erzeugen. Das ist nicht nur teuer – je nach Transportaufwand kann der Preis bei einem Euro pro Kilowattstunde liegen – es belastet auch die Umwelt vor allem mit Kohlendioxid.

Wie teuer der Strom ist, den das Wellenkraftwerk produziert, ist noch nicht klar. Auf alle Fälle soll er billiger als Dieselstrom sein. Das gelingt durch weitgehenden Einsatz von Standardkomponenten, die in Serie gefertigt werden können. Entscheidend dürften aber auch Wartungsintensität und Lebensdauer sein.

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