Weltgrößtes Solar-Projekt: Indien baut 4.000-Megawatt-Anlage

Weltgrößtes Solar-Projekt: Indien baut 4.000-Megawatt-Anlage

von Jan Willmroth

Indien macht Tempo mit seiner Weltrekord-Solaranlage. Die wird den Kohlehunger des Landes aber nicht bremsen.

In Sachen Klimaschutz taugt Indien nicht als positives Beispiel. Das 1,24-Milliarden-Einwohner-Land dürfte in diesem Jahr China als größten Kohle-Importeur der Welt ablösen – obwohl unter indischer Erde die drittgrößten Kohlereserven der Welt liegen. Hunderte Kohlekraftwerke liefern Strom, um den Energiebedarf des rasant wachsenden Landes zu knapp einem Drittel zu decken.

Und mit dem Bau der zurzeit mehr als 450 geplanten neuen Kraftwerke kommen die Inder kaum hinterher. Die Nachfrage nach Kohle steigt derzeit so schnell wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

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Die Energiepolitik Indiens hat aber noch eine andere Seite: Der Staat will künftig nicht mehr nur auf Kohlekraft setzen. Die Sonneneinstrahlung ist in fast allen Landesteilen hervorragend, um kostengünstige Solaranlagen zu bauen (siehe Karte). 20.000 Megawatt (MW) an Photovoltaik-Kapazität will Indien bis 2022 gebaut haben. Anfang 2011 war diese Zahl noch kaum messbar.

Um das Ziel zu erfüllen, schmiedet die Regierung ambitionierte Ausbau-Pläne. Während sich in den vergangen Jahren weltweit  Investoren und Staaten mit riesigen Solarprojekten überboten haben, sprengt der neue Plan der Inder jede bislang dagewesene Dimension: In sieben bis acht Jahren wollen sie eine 4.000-Megawatt-Anlage in der Provinz Rajasthan im Westen des Landes fertigstellen. Auf unglaublichen 76.900 Quadratkilometern werden dann Photovoltaik-Paneele auf dem sandigen Boden stehen.

Mit Abstand größte Einzelanlage der Welt

„Ultra Mega Solar Power Plant“, so der vielsagende Name des Projekts, über das wir schon im vergangenen Jahr berichteten. Wenn keiner schneller ist, wird es die mit Abstand größte Einzelanlage der Welt. Derzeitiger Rekordhalter ist der Westlands Solar Park in Kalifornien mit einer geplanten Maximalleistung von 2.700 MW.

Jetzt hat das Projekt eine wichtige Hürde genommen. Die indische Regierung und ein Konsortium aus sechs öffentlichen Unternehmen haben vergangene Woche einen Vertrag über den Bau der Rekord-Anlage unterzeichnet. „Das Land ist schon da und die nötige Infrastruktur steht bereits in Grundzügen. Wir hoffen, dass wir nach der Zustimmung im Parlament sofort loslegen können“, sagte der Minister für Schwerindustrie und Staatsunternehmen Praful Patel.

Wie bei solchen Projekten üblich, soll die Anlage nach und nach ans Netz angeschlossen werden. In der ersten Phase kämen schon 1.000 MW zusammen, sagte der Chef des staatlichen Energiekonzerns Bharat Heavy Electricals. Umgerechnet rund 890 Millionen Euro soll der erste Abschnitt kosten. Wenn die Anlage fertig ist, könnte sie umgerechnet rund vier Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Minenbetreiber kommen nicht hinterherDas hat Indien auch bitter nötig. Oft wird die chinesische Hauptstadt Peking genannt, wenn es um schmutzige Metropolen. Die Luftverschmutzung in Neu Delhi sei um einiges schlimmer, hieß es kürzlich in Medienberichten – nur sei das eben nicht so bekannt.

Derzeit können die Inder nur hoffen, dass sich die Lage bessert. Im Vergleich zum Vorjahr hat Indien in 2013 nach Zahlen des Ölkonzerns BP 34 Prozent mehr Kohle importiert, weil die indischen Minenbetreiber die rasant steigende Nachfrage nicht decken konnten. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert aktuelle Schätzungen des Staatskonzerns Coal India, wonach dem Land in 2016-17 sogar 350 Millionen Tonnen Kohle fehlen könnten. Das wäre beinahe die Hälfte des dann erwarteten Kohlebedarfs.

Ganz abgesehen vom Klimaschutz dürfte es den Indern um die Gesundheit der eigenen Bevölkerung gehen. Einem Greenpeace-Report zufolge sind die indischen Kohlekraftwerke für den Tod von rund 120.000 Menschen pro Jahr verantwortlich. Und trotzdem müssen noch mehr als 300 Millionen Menschen in dem Land ohne Strom leben.

 

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand im letzten Absatz die Zahl von rund 300.000 Menschen, die ohne Strom leben müssen. Das ist natürlich falsch - es sind nach UN-Schätzungen mehr als 300 Millionen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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