Weniger Kohle für die Kohle: Axa zieht Investitionen von 500 Millionen Euro ab

Weniger Kohle für die Kohle: Axa zieht Investitionen von 500 Millionen Euro ab

von Nora Marie Zaremba

Der Versicherungsriese Axa will nicht mehr in Kohle investieren; und auch Norwegens Staatsfonds sagt adé.

"Wenn wir denken, wir könnten gut in einer Welt leben, in der die Erdtemperatur um mehr als zwei Grad gestiegen ist, dann halten wir uns selbst zum Narren."

Dieser Satz stammt nicht etwa von Klimawissenschaftlern oder Umweltverbänden, sondern von Henri de Castries, Chef des internationalen Versicherungskonzerns Axa

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Raus aus der KohleAuf einer Konferenz zum Thema Klima und Wirtschaft vergangene Woche in Paris verkündete de Castries dann auch, dass Axa seine Beteiligungen an Kohleunternehmen verkaufen wird - die haben ein Volumen von 500 Millionen Euro.

Lieber wolle man in Erneuerbare Energien investieren, sagte der Firmenchef. Bis 2020 sollen rund drei Milliarden Euro in den Ausbau alternativer Energiequellen fließen, versprach de Castries.

Was auf den ersten Blick nach viel klingt, ist für Axa aber lediglich ein Klacks: Der Weltkonzern mit Sitz in Paris verwaltet ein Vermögen von rund 1000 Milliarden Euro.

Dennoch ist de Castries überzeugt, einen Paradigmenwechsel in seiner Branche einleiten zu können. "Wenn wir als Branchenführer diesen Weg gehen, setzen wir Impulse", so der Axa-Chef.

Die Hochfinanz reagiert (noch) nichtImmerhin ist Axa die erste globale Finanzinstitution, die sich der Divestment-Bewegung anschließt und ihre Investitionen aus Unternehmen abzieht, die ihr Geld mit fossilen Rohstoffen verdienen – Divestment steht dabei für de-investieren.

Bei der deutschen Allianz-Versicherung heißt es hingegen, man verfolge die Debatte aufmerksam. Mutiges Handeln sieht anders aus.

Eine akute Gefahr, ihr Geld mit Investitionen in fossile Rohstoffe zu verlieren, sehen bisher die wenigsten großen Investoren und Vermögensverwalter.

Die Nachfrage nach Kohle, vor allem in energiehungrigen Schwellenländern wie China und Indien, werde in den nächsten Jahren um drei Prozent zunehmen, schätzt die Internationale Energieagentur (IEA). Wem der Klimaschutz zweitrangig ist, für den verspricht Kohle demnach auch in Zukunft ein sicheres Geschäft.

Divestment-Vorbilder finden sich daher vor allem in der Nicht-Finanzwelt. Mittlerweile “säubern” bereits ein Dutzend Universitäten, rund 30 Städte, darunter San Francisco und Seattle, sowie fast 50 religiöse Institutionen, etwa der Weltkirchenrat, ihre Portfolios – auch aus Imagegründen.

Druck auf Norwegens StaatsfondsReine Lippenbekenntnisse bleiben derweil die Divestment-Bemühungen des Norwegischen Pensionsfonds. Dessen Investitionen allein in die Kohleindustrie summieren sich auf mehr als zehn Milliarden Euro, wie ein neuer Report von Umweltschutz-NGOs zeigt. Das sind sogar rund drei Milliarden Euro mehr als noch vor zwei Jahren.

Zwar sind die direkten Beteiligungen in Kohleminen zurückgegangen. "Aber jetzt fließt das Geld vom Bergbau zu den Versorgungsunternehmen, also von der Gewinnung hin zu den Emissionen", erklärt Heffa Schücking von der deutschen Organisation Urgewald.

Allein die elf chinesischen Kohle-Unternehmen, in die der Fonds investiert, verbrennen rund 424 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Das verursacht CO2-Emissionen, die 19 Mal höher liegen als der jährliche Ausstoß von Treibhausgasen in Norwegen, heißt es in der Studie.

Zudem hat der auch als "Ölfonds" bezeichnete Pensionsfonds seine Anteile an Öl- und Gasunternehmen in aller Welt im vergangenen Jahr um rund 28 Milliarden Euro aufgestockt, geplant war aber eine Verringerung.

Per Petition und unter #DivestNorway haben tausende Klimaaktivisten in den vergangenen Tagen dafür gekämpft, dass der größte Staatsfonds der Welt der Kohle nun endgültig der Rücken kehrt.

Mit Erfolg: Der norwegische Wirtschaftsausschuss hat dem Fonds nun ganz offiziell empfohlen, seine Anteile an jenen Firmen abzustoßen, die mehr als 30 Prozent ihrer Einkünfte mit Kohle generieren oder deren Stromproduktion einen Kohleanteil an 30 Prozent überschreitet. Das würde dann zum Beispiel auch den deutschen Energieversorger RWE treffen.

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