Weniger Treibhausgase: Importierte Pellets sind umweltfreundlicher als Kohle

Weniger Treibhausgase: Importierte Pellets sind umweltfreundlicher als Kohle

von Lisa Hegemann

Pellets verursachen weniger Treibhausgase als Kohle. Doch gilt das auch, wenn der Transport berücksichtigt wird?

Wer die Treibhausgase von Holz-Pellets und Kohle vergleicht, erhält ein klares Ergebnis: Die Pellets sind bei der Stromproduktion deutlich umweltfreundlicher. Sie erzeugen 74 bis 85 Prozent weniger CO2 und andere umweltschädliche Gase als Kohle. Holz-Pellets sind im Prinzip sogar klimaneutral, weil sie nur so viel Kohlendioxid bei der Verbrennung ausstoßen, wie die Bäume vorher aufgenommen haben.

Doch die Pellets, die wir in der Europäischen Union verwenden, haben einen langen Weg hinter sich: Nahezu ein Drittel des Brennstoffs kommt laut Eurostat aus den USA. Das wirft die Frage auf: Wie umweltfreundlich sind die Pellets tatsächlich noch, wenn wir sie importieren, wenn also auf die CO2-Rechnung noch der Transport hinzuaddiert werden muss?

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Dieser Frage sind Forscher der University of Illinois in den USA nachgegangen. Die Wissenschaftler haben untersucht, ob ein erhöhter Anbau von Bäumen zu mehr Emissionen führt – beispielsweise bei der Produktion oder beim Transport –, als die klassische Kohleindustrie auf dem alten Kontinent erzeugt.

Mehr Bäume, besser für die Umwelt?Das Ergebnis ist eindeutig: Nein. Egal, ob die Europäer viele oder wenige Pellets nachfragen, bleibt der hölzerne Brennstoff umweltfreundlicher als Kohle. Die Treibhausgase sind der Studie zufolge selbst dann niedriger, wenn man Produktion, Transport und die veränderte Nutzung des Waldes miteinbezieht.

Bedeutet konkret: Wenn Waldbesitzer ihre Bäume nicht mehr in traditionelle Produkte wie Papier, Kaffeebecher oder Pappkartons umwandeln, sondern verstärkt in Pellets, ändert sich die Nutzung der Bäume. Dadurch werden möglicherweise mehr Pflanzen abgeholzt. Das würde zwar bedeuten, dass Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt. Doch die erhöhte Nachfrage nach Pellets würde auch dazu führen, dass mehr Bäume auf Flächen gepflanzt werden, wo heute noch keine stehen, so die Forscher.

Wenn Waldbesitzer jetzt mit einer robusten Nachfrage an Holz-Pellets für die nächsten 25 Jahre rechnen könnte, würden sie ihr Land (vermutlich) keinem anderen Zweck unterordnen. Zudem würden einige Forstbetriebe ihre Wälder beibehalten und zusätzlich Bäume pflanzen. „Der Grund [auf dem die Bäume wachsen] speichert Kohlenstoff und das wiederum reduziert die Treibhausgas-Intensität von Holz-Pellets weiter“, sagt Forscherin Madhu Khanna.

Warum der industrielle Anbau von Bäumen allerdings auch kritisch zu betrachten ist, hat der Förster Peter Wohlleben dem „Bayerischen Rundfunk“ einmal so erklärt: „Tote Bäume verrotten nicht vollständig, sondern reichern über Jahrhunderte den Boden mit Kohlenstoff an. So sind ja auch unsere fossilen Energieträger entstanden. Werden die Bäume verbrannt, fällt dieser Speichereffekt weg.“ Auf diesen Aspekt geht die Studie leider nicht näher ein.

„Holz-Pellets sehen neben Kohle ziemlich gut aus“Die Forscher argumentieren stattdessen: Wenn die Waldbesitzer noch weiter im Voraus planen, könnten die Holz-Pellets sogar noch umweltfreundlicher werden. Gehe man von einem Planungshorizont von 15 bis 50 Jahren aus, so lägen die Treibhausgase bei 15 Jahren sehr viel höher als bei 50 Jahren. Trotzdem sparen die Pellets auch bei einem Planungshorizont von 15 Jahren noch Treibhausgase im Vergleich zu Kohle.

„Man erreicht immer noch Emissionen, die zwischen 74 und 85 Prozent niedriger liegen als Kohlestrom“, sagt Forscherin Madhu Khanna gegenüber „Science Daily“. „Grundsätzlich gilt: Holz-Pellets sehen ziemlich gut neben Kohle aus, selbst wenn man alle anderen Faktoren miteinbezieht.“

Um die Nachfrage befriedigen zu können, müsste die Industrie allerdings zusätzlich Faserholz ernten. Das führe dazu, dass andere Holzprodukte wie Papier, Pappkartons oder ähnliches weniger produziert und somit teurer würden. Doch weil die Wirtschaft mehr Bäume abholzen müsste, müsste sie auch mehr Bäume pflanzen. „Netto verschwinden viele indirekte Effekte“, so Khanna.

Die Studie mit dem Titel „Carbon Savings with Transatlantic Trade in Pellets: Accounting for Market-Driven Effects“ erscheint in dem wissenschaftlichen Journal Environmental Research Letters.

 

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