Windenergie: Neue Turbine soll konkurrenzlos billig Grünstrom liefern

Windenergie: Neue Turbine soll konkurrenzlos billig Grünstrom liefern

von Benjamin Reuter

General Electric rüstet Windräder mit Batterien aus und erhöht ihre Effizienz. Die Folge: ein Preissturz bei Windenergie.

Unternehmen, die Windräder bauen, unterscheiden sich nicht unbedingt von Autokonzernen. Auch sie kündigen ihre neuen Modelle mit viel Tamtam als Innovation an, die das Bestehende neu erfinden: Mit mehr Effizienz, verlässlicherer Performance und höherer technischer Raffinesse.

Das ist auch der Fall bei einer neuen Windanlage mit dem sprechenden Namen "Brilliant", die der Siemens Konkurrent General Electric (GE) aus den USA entwickelt hat (wir haben schon über einige Features der Anlage berichtet). Jetzt mögen manche denken: Windräder, gähn!

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Und tatsächlich sehen die Kraftwerke auf Stelzen, die sich mittlerweile in Deutschland tausendfach drehen, nach nicht viel aus. Auch technische Innovationen, ganz im Gegensatz zur Solarenergie, kamen bei Windanlagen bisher nur in Trippelschritten.

Aber mit der Windturbine von GE könnte sich das jetzt tatsächlich ändern: Denn die neue Mühle hat das Potenzial, den Energiemarkt aufzumischen. Denn neben einer verbesserten Nutzung von schwachem Wind ist sie mit einer eingebauten Batterie ausgerüstet, die Strom speichert und so Lieferung von Windstrom verstetigt. All das soll dazu führen, dass das Windrad an guten Standorten konkurrenzlos günstig Grünstrom liefert.

Technik gegen die FlauteWarum die Akkus so wichtig sind? Bisher ist einer der entscheidenden Vorwürfe an Wind- und Solaranlagen, dass sie nicht wie Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke durchgehend Strom liefern. Bei Selbstversorgern, die nur auf Wind und Sonne setzen, geht eben Nachts und bei Flaute das Licht aus. Dann müssen die fossilen Kraftwerke einspringen.

GE behauptet nun, mit seiner "Brilliant" dieses Problem zumindest lindern zu können. Denn die Turbinen sind mit Akkus ausgerüstet, die eine Kapazität von 20 bis 70 Kilowattstunden haben. Akkus für den Keller die Solarenergie speichern, nehmen bis zu 13 Kilowattstunden Strom auf.

Für eine Windturbine von über 100 Metern Höhe scheint das ersteinmal nicht viel. Aber GE geht es weniger darum, einige Tage ohne Wind zu überbrücken, sondern kurzfristige Schwankungen in der Windstärke ausgleichen zu können. Damit wird die Stromproduktion verstetigt und vorhersagbar. Auch wird für den Fall vorgesorgt, dass zu viel Wind weht und die Netze all den Strom nicht aufnehmen können. Denn dann werden künftig einfach die Batterien geladen.

Da General Electric mit seiner neuen Turbine auch Schwachwind einfangen will, haben die Mühlen einen Effizienzgrad von rund 50 Prozent erreicht. Das bedeutet, dass sie über ein Jahr die Hälfte der im Wind "versteckten" Energie in Strom umwandeln können. Lange galt für Turbinen an Land eher ein Wert von 35 Prozent.

Strom für unter vier CentAber die installierten Kleinbatterien haben noch einen weiteren Vorteil: Mit der in ihnen gespeicherten Energie, können auch Netzschwanken ausgeglichen werden. Und dafür zahlen Netzbetreiber wie Tennet oder Amprion viel Geld. Im Großen betreibt der Norddeutsche Energieversorger Wemag schon eine solche Batterie, die sogenannte Regelenergie liefert - und das laut dem Unternehmen sogar wirtschaftlich.

Durch die bessere Windausbeute bei Schwachwind und die Batterien kann die Turbine an guten Standorten (in den USA - Nachtrag der Redaktion) laut General Electric Strom für unter vier Eurocent liefern. Bisher sind eher fünf bis sieben Cent die Regel. Neue Kohlekraftwerke liegen bei rund sechs Cent pro Kilowattstunde.

Derzeit werden die ersten neuen Windräder mit einer Leistung zwischen 1,6 und 2,5 Megawatt installiert. Halten sie im Praxisbetrieb, was der Hersteller verspricht, wäre das tatsächlich ein Fortschritt, der alles andere als zum Gähnen ist.

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