Windkraftanlagen: Siemens baut ab 2017 erstmals in Deutschland

Windkraftanlagen: Siemens baut ab 2017 erstmals in Deutschland

von Wolfgang Kempkens

Bislang fertigte Siemens in Dänemark - nur entsteht in Cuxhaven eine Fabrik für die Gondeln von Windrädern.

Es klingt überraschend, aber bislang baute Siemens keine Windkraftanlagen in Deutschland, nur im Ausland. Ab 2017 wird sich das ändern: In Cuxhaven entsteht eine Fabrik für Maschinenhäuser, also Gondeln, in denen sich der Generator befindet.

Die Gondeln sind für Offshore-Kraftwerke gedacht, die eine Leistung von jeweils sieben Megawatt haben. Damit gehören sie zu den größten Anlagen dieser Art. Mit Baukosten von 200 Millionen Euro ist es eine der größten Investitionen des Münchner Konzerns in den vergangenen Jahren. „In der neuen Fabrik werden wir bis zu 1000 qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen“, verspricht Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser. Sie entsteht aus einer Fläche von 170.000 Quadratmetern. Das entspricht 24 Fußballfeldern.

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„Die neue Fertigung wird auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, unserem Ziel, Windstrom wettbewerbsfähig zu machen, näher zu kommen“, sagt Markus Tacke, CEO der Siemens-Windenergiesparte. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Branchenverbands Renewable UK zeige bereits Fortschritte in diese Richtung. Die Kosten für Offshore-Windenergie seien allein in den vergangenen fünf Jahren um elf Prozent gefallen.

Ein Jahr früher als die Produktionsstätte in Cuxhaven geht eine Siemens-Fabrik an der Ostküste Großbritanniens in Betrieb, die die deutsche Fertigungsstätte ergänzt. In Hull werden die gewaltigen Rotorblätter für die Hochleistungsmühlen im Offshorebereich hergestellt. Diese Anlage hat ebenfalls einen direkten Zugang zum Meer, sodass Landtransporte überflüssig sind, die mit zunehmender Leistungsfähigkeit der Windenergieanlagen immer komplizierter werden. In Großbritannien investiert Siemens 190 Millionen Euro. Vor allem im Norden des Landes gibt es zahlreiche Standorte mit sehr guten Windverhältnissen, die genutzt werden sollen, um die britischen Klimaziele zu erreichen.

Nach Deutschland und Spanien ist Großbritannien der größte Windenergienutzer in Europa. Bereits jetzt ist der Anteil von Siemens-Anlagen sehr groß. Unter anderem lieferte das Unternehmen, dessen Windenergiezentrale in Hamburg beheimatet ist, 175 Windgeneratoren für London Array, einen der weltweit größten Offshore-Windparks im Süden des Landes. Er hat eine Leistung von 690 Megawatt, also so viel wie ein mittleres Kohlekraftwerk.

Dass Siemens erst jetzt eine Windenergie-Fertigungsstätte in Deutschland aufbaut, hat historische Gründe. Der Münchner Multi gründete diese Sparte nicht selbst. Er verleibte sich stattdessen im Oktober 2004 den dänischen Hersteller Bonus ein. Das Unternehmen hatte 1991 den weltweit ersten Offshore-Windpark bestückt und seine Kompetenz ständig ausgebaut. Die Leistung der elf Turbinen lag bei heute bescheiden anmutenden 450 Kilowatt pro Stück.

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