Winterresevere: Betreiber schalten wegen Windenergie-Peaks Uralt-Kraftwerke zu

Winterresevere: Betreiber schalten wegen Windenergie-Peaks Uralt-Kraftwerke zu

von Wolfgang Kempkens

Die stürmischen Tage haben für einen Überschuss an Windenergie gesorgt.

Fast dreimal so viel Strom wie alle deutschen Kernkraftwerke zusammen erzeugten die Windenergie-Anlagen in den vergangenen stürmischen Tagen – und doch mussten die Netzbetreiber, die dafür sorgen, dass deutschlandweit stets genügend Strom zur Verfügung steht, die so genannte Winterreserve angreifen. Das sind meist Uraltkraftwerke, die mit Kohle, Öl und Gas befeuert werden. Bis zu 2200 Megawatt, fast ein Drittel der Gesamtleistung, die im Notfall mobilisiert werden kann, mussten die Netzbetreiber in Anspruch nehmen. Dabei handelte es sich ausschließlich um Anlagen im Süden des Landes. Gleichzeitig mussten Kohlekraftwerke im Norden abgeschaltet oder gedrosselt werden.

So paradox es klingt: Schuld daran waren eben jene gigantische Mengen an Windstrom, die an den stürmischen Tagen der letzten Zeit ins Netz drängten. In Spitzenzeiten lag die Leistung aller produzierenden Windenergieanlagen bei 32.600 Megawatt - zum Vergleich: Die Gesamtleistung aller deutschen Kernkraftwerke liegt bei 11.357 Megawatt. Das Problem ist, dass die Netzkapazität nicht ausreicht, um die erzeugte Energie dahin zu bringen, wo sie gebraucht wird. Stattdessen überlastet sie die Stromtrassen.

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Es fehlen Stromautobahnen im SüdenHätten sich ältere Anlagen bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht selbstständig abgeschaltet, um Schäden zu verhindern, und die Betreiber regionaler und überregionaler Betreiber nicht zusätzlich ganze Windparks vom Netz genommen, wäre das Problem noch größer gewesen.Schuld an der Misere sind vor allem fehlende Stromautobahnen zur Versorgung des Südens. Die vorhandenen Leitungen wurden zwar bis an die Kapazitätsgrenze gefahren. Doch der Strom kam im Süden nicht an, weil er vorher beispielsweise durch Exporte abgezweigt werden musste, um einen Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes in Deutschland zu verhindern,

„Die Lage des Höchstspannungsnetzes bleibt angespannt“, sagt Urban Keussen, Vorsitzender der Geschäftsführung des niederländisch-deutschen Netzbetreibers TenneT. „Das zeigen diese Tage mit einer sehr hohen Windeinspeisung besonders deutlich.“ Er hält den Ausbau der Nord-Süd-Verbindungen für „unerlässlich“. Verbraucher und Wirtschaft müssten bei einer Verzögerung hohe Kosten für Notmaßnahmen tragen. Zudem stiegen die Risiken für die Versorgungssicherheit. Die Kosten für Notmaßnahmen allein im TenneT-Bereich beziffert Keussen für dieses Jahr auf 500 Millionen Euro. TenneT ist einer von vier großen Netzbetreibern, die in Deutschland tätig sind.

Nachdem der Freistaat Bayern eine neue Lösung akzeptiert hat, bei der die Hochspannungsleitungen streckenweise in Tunneln verschwinden, sind zwar nicht alle Hindernisse für den Bau ausgeräumt. Es dürfte noch lokale Widerstände geben. Ob sich die Stromautobahnen bis 2022 realisieren lassen – dann wird das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet – ist fraglich. Das würde vor allem den Süden in Bedrängnis bringen, denn dort befinden sich fünf der acht noch laufenden Kernkraftwerke.

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