Zitronen im Tank: Forscherin entdeckt nachhaltigen Flugzeugtreibstoff

Zitronen im Tank: Forscherin entdeckt nachhaltigen Flugzeugtreibstoff

von Charlotte Zink

Die Chemikalie Limonen riecht nicht nur gut – sie taugt auch als umweltschonender Flugzeugtreibstoff, wie Testflüge zeigen.

Schwimmen Zitronen in Flugzeugen zukünftig nicht mehr nur in den Drinks der Business-Class-Reisenden, sondern füllen sie auch den Tank? Diese Frage würde eine Forscherin des Australischen Instituts für Bioingenieurwesen und Nanotechnologie (AIBN) am liebsten schon bald mit „Ja“ beantworten:

Claudia Vickers forscht derzeit an einem sauberen und erneuerbaren Flugzeugkraftstoff auf Basis der Chemikalie Limonen, die in Zitrusfrüchten enthalten ist. „Es hört sich vielleicht unwahrscheinlich an, aber eines Tages könnte Limonen eine erneuerbare, saubere Quelle von Flugbezin sein“, sagt die Wissenschaftlerin auf der Internetseite der Universität von Queensland.

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„Limonen ist eine flüchtige Chemikalie, die am bekanntesten für ihren Beitrag zum Geruch von Zitrusfrüchten ist“, erklärt Vickers. Um das Limonen künstlich zu gewinnen, nutzt die Forscherin Hefe. Denn große Mengen des Stoffes aus den Schalen von Zitrusfrüchten zu pressen, sei unmöglich.

"Denkbar wäre, dass ein Liter Benzin 250 Milliliter Limonen enthält"Noch reicht die aus Hefe gewonnene Menge an Limonen nicht aus, um es kommerziell nutzbar zu machen. Deswegen arbeitet Vickers an einer Perfektion der Methode. Wann es endlich soweit ist, dass der Zitronen-Kraftstoff auf den Markt kommt, kann sie nur mutmaßen: "Die Wissenschaft ist unvorhersehbar", sagt sie zu Wiwo Green. "Optimistisch geschätzt würde ich jedoch sagen ist es innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre soweit." Dass die duftende Geheimzutat durchaus vielversprechend ist, steht bereits fest: Erste erfolgreiche Testflüge haben gezeigt, dass Limonen als Bestandteil von Flugzeugkraftstoff eingesetzt werden kann.

Dafür muss es jedoch zunächst in sogenannten aliphalischen Kohlenwasserstoff umgewandelt werden, indem ihm Wasserstoff zugefügt wird. Danach wird das veränderte Limonen mit den Stoffen Farnesen und Cymol gemischt – dieses Gemisch ist die Grundlage für den nachhaltigen Treibstoff. Das Zitronen-Benzin, das letzendlich im Flugzeug-Tank landen könnte, ist jedoch nicht nur eine Mischung aus dem veränderten Limonen, Farnesen und Cymol, sondern ähnlich wie auch bei Ethanol-Kraftstoffen werden neben Bio-Zutaten auch Erdölchemikalien enthalten sein. Eine denkbare Zusammensetzung eines Zitronen-Krafstoffes könne etwa 25% Limonen enthalten, erklärt Vickers Wiwo Green. Pro Liter Flugzeugbenzin wären dann 250 Milliliter aus der Hefe gewonnenes Limonen.

„Beim Start einer 747 macht das Benzin fünfzig Prozent des Gewichts aus“, sagt die Wissenschaftlerin. Das Modell Boing 747-8 beispielsweise wiegt beim Start bis zu 442 Tonnen. Wenn man sich alle Flugzeuge, die in der Welt herumfliegen, vorstelle, komme sehr viel nicht-erneuerbarer Brennstoff zusammen, der in die Atmosphäre gelange.

Teller, Tank oder Tonne?Unterstützung erhält Vickers Forschung nicht nur vom Flugzeugbauer Boeing, sondern unter anderem auch von der Fluggesellschaft Virgin Autralia. Jedoch nicht nur den Luftfahrtsektor könnte Limonen nachhaltig beeinflussen. Auch umweltverträgliches Gummi, Plastik oder Farben könnten basierend auf dem Stoff hergestellt werden. Derzeit wird die Chemikalie noch hauptsächlich als Aroma oder Duftstoff in Haushaltsprodukten eingesetzt.

Doch wie immer, wenn Essbares den Weg in den Tank findet, wird wohl auch diese neuartige Methode Kritiker auf den Plan rufen. Bereits bei Themen wie Biokraftstoffen haben sich die Gemüter in einer Teller-Tank-Diskussion erhitzt. Die Benzinbranchen der Wohlstandsstaaten dürften nicht die Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt in die Höhe treiben, lautete einer der Kritikpunkte.

In abgeschwächter Form könnte diese Kritik auch Vickers hefebasierten Limonen-Kraftstoff treffen. Zwar würde die wachsende Hefenachfrage Bäcker und Bierbrauer wohl kaum in missliche Lagen bringen, dennoch reagieren viele zunächst empfindlich, wenn Nahrung in Zapfsäulen landet. Dabei sollten Teller und Tank jedoch erst einmal getrennt betrachtet werden – denn nicht zuletzt die Verschwendung von Lebensmitteln nimmt Einfluss auf den Weltmarktpreis. Natürlich sollte im Zweifel gelten: "Teller vor Tank". Wenn aber jeder nur so viel kaufen würde wie er tatsächlich isst, könnte das, was sonst im Müll landet, problemlos zur Kraftstoff-Herstellung genutzt werden. Einem Bericht des "Sterns" zufolge schmeißt die Weltbevölkerung jährlich vier Milliarden Tonnen Lebensmittel weg. "Tank statt Tonne" wäre da eindeutig besser.

Wie das Verfahren zur Gewinnung im Detail funktioniert und wie sie ihren Wunderstoff fand, erklärt Vickers in diesem Video:

http://vimeo.com/73666820

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