Zu hohe Kosten: Scheitert Bau von Mega-Stromtrasse nach Norwegen?

Zu hohe Kosten: Scheitert Bau von Mega-Stromtrasse nach Norwegen?

von Jan Willmroth

Sie soll Ökostrom aus dem Norden bringen, aber die Stromtrasse zwischen Norwegen und Deutschland lohnt sich wohl gar nicht.

Wenn in acht Jahren das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz geht, sollen nicht nur Kohlekraftwerke die Rolle der nuklearen Meiler übernehmen.

Dann soll auch Grundlaststrom aus Skandinavien nach Deutschland fließen – unter anderen über „Nord.Link“, die erste Direktverbindung zwischen Deutschland und Norwegen, die überschüssigen Strom aus den dortigen Wasserkraftwerken durch die Nordsee transportieren soll. Umgekehrt stünde sie bereit für den Export von deutschem Offshore-Windstrom in den Norden.

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Das rund zwei Milliarden Dollar teure Kabel gilt als wichtiges Element, um das Netz trotz der schwankenden Strommengen aus Windkraft- und Solaranlagen flexibel zu halten.

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg könnt das Projekt nun aber ins Stocken geraten: Der norwegische Staatskonzern Statnett sei besorgt, das Projekt könne sich nicht lohnen. Norwegen wolle deshalb Zusicherungen der deutschen Regierung, die Trasse in einen Kapazitätsmarkt zu integrieren.

Bei Kapazitätsmärkten werden Kraftwerksbetreiber dafür bezahlt, eigentlich nicht profitable Kraftwerkskapazitäten bereitzuhalten, um bei Bedarf das Netz zu stabilisieren. Derzeit plant die Regierung keinen solchen Markt. Mittelfristig sei die Idee aber noch nicht vom Tisch, zitiert Bloomberg Experten aus dem deutschen Wirtschaftsministerium.

Noch keine endgültige Entscheidung über den Bau„Wir haben den deutschen Behörden sehr klar gemacht, dass es für die Profitabilität des Projekts sehr wichtig ist, es in einen Kapazitätsmarkt einzubeziehen“, sagte ein Sprecher von Statnett zu Bloomberg.

Das norwegische Öl- und Energieministerium prüfe den Antrag zum Bau der Verbindung derzeit, und die Entscheidung hänge davon ab, ob das Projekt profitabel sein könne. Das deutsche Wirtschaftsministerium erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur, man stehe mit der norwegischen Regierung „in engem Kontakt“.

Noch hätten die beteiligten Unternehmen aber keine endgültige Entscheidung über ihre Investitionen getroffen. Die könnte nun von dem Versprechen abhängen, das Kabel in einen Kapazitätsmarkt zu integrieren.

Nord.Link soll eine Stromleistung von 1,4 Gigawatt pro Stunde aufnehmen können (was der Stromproduktion eines großen Atomkraftwerks entspricht) und sollte nach den ursprünglichen Plänen 2018 fertig sein. An dem Projekt ist zu 50 Prozent der norwegische Statnett-Konzern beteiligt, sowie zu je 25 Prozent der Netzbetreiber Tennet und die deutsche Staatsbank KfW.

Am Freitag wird der norwegische Energieminister Tord Lien zu einer Konferenz in Berlin erwartet, auf der auch das Seekabel ein Thema sein wird.

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