Zukunftsfähigkeit der europäischen Energieversorger: Deutsche sind abgeschlagen

Zukunftsfähigkeit der europäischen Energieversorger: Deutsche sind abgeschlagen

von Robert Habi

Eine Studie zeigt, welche Energieversorger fit für die Zukunft sind.

Noch qualmt und dampft es aus den Schornsteinen der großen Kohlekraftwerke von E.ON, RWE und EnBW. Noch stützt sich die öffentliche Stromversorgung der Bundesrepublik zu etwa 43,6 Prozent auf Stein- und Braunkohle. Noch.

Denn nicht erst seit den jüngsten Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für eine Kohleabgabe ist klar: Die Öfen brennen nicht ewig.

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Die erneuerbaren Energien sind auf der Überholspur – im Jahr 2014 waren sie die wichtigste Stromquelle in Deutschland, wenn man Stein- und Braunkohle separat betrachtet.

Das bringt auch die großen Energieversorger in die Bredouille. Und die Versorger reagieren: E.ON spaltet die Geschäfte mit Kohle- und Atomstrom unter dem Namen Uniper von den Erneuerbaren ab. RWE bewirbt fleißig seine finanziell durchaus erfolgreiche Grünstromsparte RWE Innogy. Und EnBW steht kurz davor, sich den insolventen Windparkbauer Prokon zu angeln, um sich Know-How für die Zukunftstechnik Windenergie zu sichern.

Doch reicht das schon, um die großen Drei fit für die Zukunft zu machen?

Diese Frage beantwortet jetzt eine Studie der NGO CDP (früher Carbon Disclosure Project), die die Geschäftsmodelle von 14 Unternehmen untersucht, die 80 Prozent des in Europa produzierten Stromes erzeugen. Die Studie dient als unabhängige Empfehlung für Investoren weltweit.

Die zentralen Fragen waren: Wie gut sind Versorger auf höhere Abgaben für CO2-Emissionen vorbereitet? Wie groß ist der Kohleanteil an der Energieerzeugung? Wie groß ist die Wassergefährdung bei der Energieproduktion? Wie gut nutzen sie die Chancen der erneuerbaren Energien?

Die letzte war die wichtigste Frage, denn die EU drängt darauf, dass in Europa bis zum Jahr 2030 40 Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen werden, als es noch im Jahr 1990 der Fall war. Bis zum Jahr 2050 sollen es sogar 80 Prozent weniger CO2 sein. Dazu soll laut der CDP-Studie Strom in 15 Jahren zu 45 Prozent aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Energiequellen stammen. Die restliche Stromerzeugung soll sich von schmutziger Kohle hin zu saubererem Erdgas verlagern.

Schmutzige Luft wird teurerUm die großen Luftverschmutzer zum Handeln zu zwingen, braucht die EU den Handel mit CO2-Emissionen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems. Jede Tonne ausgestoßenes CO2 kostet im Rahmen dieses Systems jetzt schon Geld – und die Kosten sollen steigen.

Wenig überraschend: Unternehmen, die wenig Kohlestrom produzieren und stattdessen stärker auf Erneuerbare setzen, haben in Zukunft bessere Chancen im europäischen Energiemarkt.

Mit RWE, E.ON und EnBW haben die größten deutschen Versorger aber allesamt einen hohen Kohleanteil in ihrem Kraftwerkspark und somit künftig eine hohe Belastung durch Kohlenstoffkosten – alle drei Unternehmen finden sich deshalb unter den letzten fünf in Europa wieder.

E.ON erzeugte 2013 seine Energie zu 23 Prozent mit Braun- und Steinkohle, RWE sogar zu über 75 Prozent.

Iberdrola, ein spanischer Energieversorger, hat sich bisher am besten auf die Umwälzungen am Energiemarkt eingestellt. Das Unternehmen liefert nur zu neun Prozent Energie aus Kohle, aber zu 26 Prozent Energie aus erneuerbaren Energiequellen (ohne Wasserkraft).

Das britische Unternehmen Centrica liegt auf dem zweiten und der österreichische Versorger Verbund auf dem dritten Platz. Centrica erzeugt jede fünfte Kilowattstunde aus Kohle, aber hat einen Gasenergieanteil von 31 Prozent und einen Anteil von Erneuerbaren, der bei 15 Prozent liegt.

Verbund aus Österreich versorgt seine Kunden zu 90 Prozent mit Wasserkraft und kommt komplett ohne Kohle- oder Atomenergie aus. Der hohe Anteil der aus Naturschutzgründen knapper werdenden Ressource Wasserkraft fiel bei der Bewertung aber mit ins Gewicht.

Comeback der Kohle nur vorübergehendNoch leiden die kohlelastigen deutschen Versorger allerdings kaum unter dem CO2-Handel. In den Jahren 2010 bis 2013 lagen die Preise für ein Tonne produziertes CO2 bei etwa 4,35 Euro und damit extrem niedrig. Das spielte den deutschen Versorgern in die Karten. Dennoch fielen etwa bei RWE, laut CDP, CO2-Emissionskosten von 680 Millionen Euro an.

Künftig steigende Kosten für CO2 dürften die Gewinne von Versorgern mit zu viel Kohleanteil aber kräftig drücken.

CDP ist eine internationale Organisation, die Investoren ein globales Berichtssystem zur Verfügung stellt, das den Umwelteinfluss von Unternehmen und Städten anzeigt. CDP verfügt über die nach eigener Aussage weltweit größte Datenbank mit umweltrelevanten Daten von Unternehmen.

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