Zur Netzentlastung: Pfälzer Gemeinde testet eigene Energieversorgung

Zur Netzentlastung: Pfälzer Gemeinde testet eigene Energieversorgung

von Angela Schmid

Eine regionalere Energieversorgung könnte das bundesweite Stromnetz entlasten. Eine erste Gemeinde testet das nun aus.

Windräder wachsen aus dem Boden, immer mehr Solarpanels zieren die Dächer von Häusern. Prinzipiell eine gute Sache, die allerdings auch einen Haken hat: Die Stromnetze in Deutschland sind längt überlastet.

Immer häufiger werden deshalb Windenergieanlagen abgeschaltet. Und der nicht erzeugte Strom geht ins Geld: Laut Bundesnetzagentur zahlten die Stromkunden in der ersten Jahreshälfte 2015 rund 120 Millionen Euro. Tendenz stark steigend. Denn die Herbstsaison sorgte gerade in Schleswig-Holstein für eine mehr als steife Brise, die die Windräder antrieb, und deshalb auch für massenhafte Abstellungen der Windmühlen.

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Deshalb müssen andere Lösungen her. Das Forschungszentrum KIT will das (Wind-)Rad nicht neu erfinden, hat aber eine interessante Idee. Ziel ist es, einen möglichst hohen Anteil der regional produzierten Energie auch in der Region zu verbrauchen und möglichst wenig ins Übertragungsnetz abzugeben. "Dadurch würde der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mehr den Ausbau von Stromtrassen nach sich ziehen", so Mathias Kluwe vom Institut für Regelungs- und Steuerungssysteme am KIT, der die Forschung zu RegEnKibo am KIT koordiniert.

Die Energiequellen müssen perfekt aufeinander abgestimmt seinDas Projekt RegEnKibo (eine sinnvolle Abkürzung für "Regionalisierung der Energieversorgung auf Verteilnetzebene am Modellstandort Kirchheimbolanden") besteht nicht nur aus einem bevorzugt lokalen Verbrauch, sondern auch einer Power-to-Gas-Anlage (PtG), die Strom zuerst in Wasserstoff und dann in synthetisches Erdgas umwandelt. So lässt sich die Energie langfristig speichern - kurzfristig sollen künftig Batterien einspringen.

"Die Energiewende ist nur bei genügend Speicherkapazitäten umsetzbar", ist Dr. Peter Missal, Geschäftsführer des Energieversorgers erp überzeugt. Und es müsse langfristig eben auch wirtschaftlich sei. Vorerst vermutet Kluwe, dass in den ersten Jahren wohl noch Lehrgeld gezahlt werden muss.

Über drei Jahre soll in Kirchheimbolanden daran geforscht werden. Die nur knapp 8000 Einwohner kleine Stadt in Rheinland-Pfalz eignet sich als Modellstandort, weil sie über verschiedene Energieinfrastrukturen verfügt. Neben dem gut ausgebauten Strom- und Gasnetz gibt es zahlreiche Solaranlagen, Blockheizkraftwerke, einen Windpark und einen Gasspeicher.

Um das Projekt zu realisieren, muss das regionale Netz aber weiter optimiert und die einzelnen Energielieferanten perfekt aufeinander abgestimmt werden. Erst wird das Energiesystem der Stadt in einem Computermodell abgebildet, das später alles automatisch regeln soll. Dabei helfen Daten zu Energieerzeugung, Verbrauch oder Wetter, die das System ebenfalls bekommt. Funktioniert alles wie geplant, soll das Projekt auf andere Regionen übertragen werden. Daher wird dieser erste Gehversuch einer regionalen Energieversorgung auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit 2,2 Millionen Euro gefördert.

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