Zweirad contra Hügel: Der Fahrradlift aus Norwegen hilft

Zweirad contra Hügel: Der Fahrradlift aus Norwegen hilft

von Marius Hasenheit

In der norwegischen Stadt Trondheim tut seit mehr als 20 Jahren ein Fahrradlift seinen Dienst – bisher fehlen aber die Nachahmer. Warum nur?

Hügelige Städte sind denkbar ungeeignet für Fahrradfahrer. Denn wer kommt schon gern verschwitzt an den Arbeitsplatz oder zu einer Verabredung? Würden die Hügel ihren Charakter als Hindernis verlieren, dann würden auch mehr Menschen mit dem Rad fahren, könnte man meinen.

Genau dieser Ansicht war auch Jarle Wanvik aus der norwegischen Stadt Trondheim. Der Industriedesigner wollte sich nicht von den Trondheimer Hügeln abschrecken lassen und dennoch Fahrrad fahren. Von dem System der Skilifts inspiriert, entwarf er deshalb 1992 einen Fahrradlift.

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Just zu der Zeit beschloss die Stadt Trondheim 20 Millionen Norwegische Kronen (heute rund 2,3 Millionen Euro) in den Ausbau von Fahrradwegen zu investieren. Wanvik konnte die Stadt von seiner Entwicklung überzeugen und bereits im November 1992 begann der Bau eines Fahrradlifts an einem der städtischen Hügel. Auf einer Länge von immerhin 125 Metern sollten die Bewohner Trondheims die durchschnittliche Steigung von 18 Prozent mühelos überwinden.

Als der Lift 1993 eröffnet wurden, kamen 2000 Anwohner zur Eröffnungszeremonie und testeten den Lift. Anders als im Winterurlaub sitzt man nicht bequem, sondern stellt seinen Fuß auf eine Fußhalterung, die dann von einem Stahlkabel auf den Hügel gezogen wird. Das sieht durchaus wackelig aus, schließlich befindet sich der Rest des Körpers balancierend auf dem Fahrrad.

Knapp 20 Jahre nach seiner Eröffnung wurde der Lift im Jahr 2013 saniert und sollte danach eigentlich zu einem Exportschlager für hügelige Städte weltweit (z.B. San Francisco) werden. Nachahmer hat das Projekt aber bis heute nicht gefunden. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Mit etwa 1,5 bis 2 Meter pro Sekunde ist der Lift nicht übermäßig schnell. Wanvik und sein Team betonen aber, dass es während der ganzen Betriebszeit seit 1993 und den insgesamt 220.000 Liftfahrten keinen einzigen Unfall gab.

Hat der Fahrradlift eine Zukunft?Der Lift ist außerdem nicht gerade ein Schnäppchen für eine Kommune. Etwa 2.000 bis 2.300 Euro kostet die Technik pro Meter. Die Installation lohnt sich also nur bei einem sehr stark frequentierten Hügel. Allerdings können beim Lift in Trondheim maximal fünf Menschen gleichzeitig gezogen werden.

Undenkbar war 1992 wohl auch der Siegeszug des E-Bikes. Viele machen sich inzwischen überhaupt keine Gedanken mehr, ob sie jeden Hügel erklimmen können und stellen einfach den Motor an.

All diese Aspekte haben das Kabeltransportunternehmen Poma Group nicht davon abgehalten, vor ein paar Jahren die Lizenz für den Fahrradlift zu kaufen.

Poma Groups französisches Tochterunternehmen Skirail entwickelte Wanviks Fahrradlift seitdem weiter und nennt das Produkt jetzt CycloCable. Eben dieser Fahrradlift der zweiten Generation ersetzt seit 2013 den ursprünglichen Lift in Trondheim. Die Hoffnung von Skirail, den Lift auch in anderen Städten einzusetzen, hat sich bisher aber nicht erfüllt.

Damit bleiben die Norweger Fahrradlift-Pioniere und profitieren indirekt von der kuriosen Idee. Denn der Lift ist heute in erster Linie ein Tourismusmagnet. Vielleicht wird er gerade deshalb künftig auch für andere Städte interessant.

Hier noch ein Video zum Fahrradlift:



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