Zweiradstaus: Sind bald zu viele Radler in Städten unterwegs?

Zweiradstaus: Sind bald zu viele Radler in Städten unterwegs?

von Felix Ehrenfried

In Amsterdam kommt es neuerdings zu Staus durch Fahrradfahrer. Dennoch: Kein Grund, wieder aufs Auto umzusteigen.

Es klingt verrückt: Das Fahrrad, von vielen als städtisches Verkehrsmittel Nummer Eins in Sachen Geschwindigkeit und Flexibilität gepriesen, sorgt für Staus. So geschehen in einer der internationalen Fahrradmetropolen, im niederländischen Amsterdam. Hier werden einer aktuellen Untersuchung zufolge 30 Prozent der Alltagswege auf dem Drahtesel erledigt. Auch wenn Amsterdam damit hinter anderen Fahrradmekkas wie Kopenhagen oder Münster liegt, gibt es hier das Problem, dass Fahrradfahrer für verstopfte Straßen sorgen. Aber nicht nur in den Niederlanden: Auch in Berlin wird es derzeit an schönen Sommermorgen eng auf den Radwegen in Richtung Innenstadt.

Ein weiteres Problem: Die Stellplätze für Fahrräder werden knapp. Muss man sich also in Zukunft auch auf dem Fahrrad Sorgen machen, zu spät zu kommen weil man im Stau stand oder eine Viertel Stunde um den Block geradelt ist, um einen Parkplatz zu finden? Oder einfacher gefragt: Kann es in einer Stadt zu viele Fahrräder geben? Nochmal Amsterdam: Hier kommen auf 800 000 Einwohner Schätzungen zufolge 881 000 Fahrräder.

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Mit Sicherheit kann eine große Anzahl von Fahrrädern dafür sorgen, dass man auf dem Drahtesel nicht ganz so schnell unterwegs ist, wie man es eigentlich gerne wäre. Dennoch: Dass eine Stadt zu viele Fahrräder hat, ist eher ein Luxusproblem, dem es mit einer besseren Infrastruktur zu begegnen gilt. Radeln ist umweltfreundlich, gelenkschonend und stärkt das Herz-Kreislaufsystem. Einer aktuellen Untersuchung zur Folge sparen so Fahrradfahrer jährlich rund 2000 Euro an Gesundheitskosten ein.

Fahrradfahren spart viel GeldSomit bringt eine radelnde Stadtbevölkerung viele Vorteile mit sich. Jedoch sollte fehlenden Parkplätzen mit neuen Abstellmöglichkeiten begegnet werden. Fahrradstaus lassen sich vermeiden, indem man Radwege verbreitert und das Wege-Netz weiter ausbaut. Das ist zwar mit Kosten verbunden. Doch Alternativen, wie der Umstieg der Fahrradfahrer auf öffentliche Verkehrsmittel oder das private Auto, kosten wesentlich mehr, wenn auch diese an eine steigende Nachfrage angepasst werden müssen. In München kostet eine neue U-Bahnstrecke mindestens 50 Millionen Euro - je Kilometer! (Für die Radler gab man in der bayerischen Metropole nur insgesamt 32 Millionen Euro aus)

Da lohnt es sich doch in die Fahrradinfrastruktur zu investieren. Bestes Beispiel: London. Hier will man in den nächsten zehn Jahren eine Milliarde Euro für Fahrradfahrer ausgeben. Mit diesem finanziellen Einsatz dürfte auch der steigende Anteil der Londoner, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, kein Problem sein. Aktuell nutzt schon ein Viertel der Bevölkerung in der britischen Bankenmetropole den Drahtesel im Alltag.

Und wenn es dann trotz breiteren Fahrradwegen und mehr Abstellmöglichkeiten zu Parkproblemen kommt, können die Amsterdamer sich überlegen, ihr Fahrrad mit Freunden zu teilen. Systeme, mit denen das unkompliziert möglich sein soll, gibt es bereits.

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