Zwergenaufstand: Die Kleinst-Solaranlagen kommen

Zwergenaufstand: Die Kleinst-Solaranlagen kommen

von Felix Ehrenfried

Auf der Messe Intersolar überbieten sich Hersteller in Größe und Effizienz ihrer Systeme. Doch vor allem kleine Solaranlagen werden beliebter.

Die weltgrößte Solarmesse, die Intersolar in München, geht heute zu Ende. Mehr als 1300 Aussteller präsentierten in den vergangenen drei Tagen ihre Neuheiten in Sachen Sonnenenergie. Dabei geizten die Firmen nicht mit Superlativen. Gleich am Eingang der Messehalle empfing einen das "vermutlich größe Solarmodul" der Veranstaltung  und auch in Sachen Effizienz können die Hersteller mit innovativen Techniken neue Bestmarken präsentieren.

Einen Trend, der sich zunehmend durchzusetzen scheint, findet man aber abseits der riesigen Messestände von Solar- und Modulriesen wie LG oder Schüco. Kleine Solaranlagen, die man sich auf den Balkon oder in den Garten stellen kann und leicht zu installieren sind, werden immer beliebter. "Wir haben in diesem Bereich eine Nachfragesteigerung von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr", freut sich Heiner Gärtner, Geschäftsführer von Minijoule.

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Er bietet mit seinem Unternehmen eine besonders unkomplizierte Variante der Do-It-Yourself Solaranlage an. Das System besteht aus einem Solarpanel, einem Wechselrichter und einem einfachen Stecker für die Steckdose. Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom, den das Solarpanel erzeugt, in haushaltsüblichen Wechselstrom um und gibt diesen an das Hausnetz durch die Steckdose weiter. Mit diesem System lässt sich dann die Grundlast im Hausnetz verkleinern, sodass beispielsweise der Kühlschrank teilweise durch Strom aus dem eigenen Solarpanel läuft.

Die Systeme basieren also nicht auf dem üblichen Konzept, den Solaranstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen und dafür eine Vergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz zu erhalten, sondern dienen dazu, einen Teil des häuslichen Stromverbrauchs direkt durch das eigene Solarkraftwerk auf dem Balkon abzudecken.

Minianlagen sollen Solar beliebter machenDie Module sind verhältnismäßig günstig und einfach zu installieren. So kostet die Variante mit der kleinsten Leistung bei Minijoule rund 450 Euro, Konkurrent Sun Invention verlangt für die günstigste Variante rund 500 Euro. Minijoulechef Gärtner erklärt, dass es bei den Minisolaranlagen aber um mehr geht, als einfach Strom zu erzeugen: "Durch jedes dieser kleinen Systeme erhöht sich auch die Akzeptanz von Solarenergie in der Gesellschaft."

Dennoch sind die Systeme, die einfach per haushaltsüblichem Schuko-Stecker in das Stromnetz des Eigenheims einspeisen, nicht unumstritten. Der Verband der Elektrotechnik (VDE) warnte jüngst davor, dass solche Systeme zu Bränden oder gar Explosionen führen könnten. Auch wenn es keine direkte gesetzliche Regelung zum Anschluss der Anlagen direkt an das Hausnetz gibt, rät man beim Branchenverband, immer einen Fachmann zum Anschluss der Minisolaranlage zu beauftragen. So ließen sich Explosions-und Brandgefahren ausschließen.

Eines dieser Systeme, das lediglich vom Fachmann angeschlossen, nicht aber aufgebaut werden muss, kommt von der Atersa Grupo Elecnor. Frank Zenkel von Aterso erklärt, dass sie mit dem Easy Sun Kit ein System für Kunden entwickelt haben,  "die Lust haben unkompliziert ein bisschen Strom zu erzeugen". Das System lässt sich aufgrund zahlreicher kleiner Module an vielen Orten, wie auf der Garage oder auf dem Vordach über dem Hauseingang, aufstellen. Nur den Anschluss an das Hausnetz muss der Elektriker übernehmen. Das System kostet ab 700 Euro.

Strom in der WildnisDoch nicht nur für den Gebrauch im Hausnetz werden die Minisolaranlagen beliebter, auch sogenannte Off-Grid-Systeme rücken immer mehr in den Fokus. Off-Grid, zu deutsch in etwa "außerhalb des Netzes" bezeichnet Anlagen, die die Sonnenenergie nicht in ein Hausnetz einspeisen sondern in Batterien speichern. "Das ist ein ganz großer Trend dieses Jahr",  erklärt ein Manager der Astom Unternehmensgruppe.

So kann man mit den Systemen Orte, an denen sonst kein Strom vorhanden ist, elektrifizieren: Ob Gartenhäuser oder das Zelt in der Wildnis. Jedoch sind diese Off-Grid-Lösungen aufgrund der Akkus noch relativ teuer. Bei Minijoule zahlt man für solch eine Insellösung, wie die Systeme auch genannt werden, beispielsweise 1800 Euro.

Und wie sieht die Zukunft der Solaranlagen zum Selbstaufbauen aus? Gut, wie Heiner Gärtner schätzt: "Jeder Cent, um den der Strompreis steigt, erhöht die Attraktivität der Do-It-Yourself Lösung."

 

 

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