Transparenz-Ranking: Das sind die deutschen Vorreiter beim Klimaschutz

Transparenz-Ranking: Das sind die deutschen Vorreiter beim Klimaschutz

von Benjamin Reuter

Eine NGO fordert Unternehmen auf, beim CO2-Ausstoß die Hosen herunterzulassen – für Investoren und den Klimaschutz.

Vor rund 14 Jahren verschrieb sich der Brite Paul Simpson, der bis dahin vor allem im Finanzsektor arbeitete, einer für damalige Verhältnisse exotischen Mission. Es war die Zeit, als eigentlich nur Experten über den Klimawandel sprachen. Unternehmen kümmerten sich kaum um ihren Ausstoß an Treibhausgasen. Aber Simpson wollte das ändern.

Weil er viel mit Investoren zusammenarbeitete, wusste er, dass sie alle Arten von Risikoabwägungen in ihre Investitions-Entscheidungen mit einfließen lassen. Wenn Unternehmen CO2 ausstoßen und damit die Erderwärmung anheizen, dachte sich Simpson, stellt das in Zukunft auch ein Risiko dar. Nicht nur für die Erde, sondern auch für die Unternehmen selbst.

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Der Preis des KlimawandelsDenn was wäre, wenn sich Politiker auf ein Klimaschutz-Ziel einigen und der Ausstoß von CO2 mit einem Preis belegt würde? Europa tut das mittlerweile – wenngleich auf niedrigem Niveau. Auch Kalifornien hat einen Emissionshandel, der den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen soll. Die Schweiz hat sogar eine festgesetzte Abgabe auf CO2.

Würde ein CO2-Preis weltweit und für alle Branche gelten, müssten zum Beispiel auch Autobauer künftig dafür Geld zahlen, wenn bei der Produktion der Wagen Treibhausgase entstehen. Die Produktion würde teurer, die Autos auch.

Für die Unternehmen stellt ein CO2-Preis deshalb auch ein Risiko dar. Denn wer in diesem Fall klimafreundlicher produziert, fertigt günstiger und hat auf dem Markt einen Wettbewerbsvorteil.

Mit diesen Hintergedanken gründete Paul Simpson im Jahr 2000 die Nichtregierungsorganisation Carbon Disclosure Project (CDP). Sein Ziel: Er wollte die Unternehmen dazu bringen, ihren CO2-Ausstoß zu messen und offenzulegen, so dass Investoren sehen können, welche langfristigen Risiken sie eingehen, wenn sie in diese Unternehmen investieren. Im Umkehrschluss sollte die Transparenzoffensive Unternehmen auch dazu animieren, das Risiko für die Zukunft zu minimieren – sprich, CO2 einzusparen.

800 Investoren wollen AuskunftAlso trommelte Simpson mehrere Dutzend Investoren zusammen, die eine ähnliche Neugier wie er auf die CO2-Statistiken der Konzerne hatten. Dann verschickte er Fragebögen an die Unternehmen.

Inzwischen veröffentlicht CDP jährlich seinen in der Branche viel beachteten Carbon Disclosure Report, eine Megaumfrage unter den weltgrößten Unternehmen, die haarklein aufschlüsseln sollen, wie stark und in welcher Produktphase sie das Klima schädigen – und wie sie dabei helfen, es zu schützen. Auch der Wasserverbrauch und die Auswirkungen auf Waldflächen fragt CDP mittlerweile ab. Vergangene Woche erschien nun der Report für das Jahr 2014.

In diesem Jahr standen hinter der Umfrage rund 800 Investoren, die ein Anlagevermögen von 92.000 Milliarden US-Dollar verwalten. Zum Vergleich: Das deutsche BIP lag 2013 bei 2800 Milliarden Euro. Simpson und sein Team befragten rund 5000 Unternehmen weltweit, auch aus Deutschland.

Dabei ist die Teilnahme für die Unternehmen durchaus aufwendig: Die Nachhaltigkeitsverantwortlichen müssen sich durch seitenlange Formulare graben und vor allem müssen sie die nötigen Daten ersteinmal zusammenbekommen. Denn das CDP will nicht nur die direkten CO2-Werte aus der Produktion oder späteren Nutzung der Produkte wissen (zum Beispiel den CO2-Ausstoß von Autos), sondern auch die sogenannten CO2-Werte der Materialien zum Beispiel, die in die Produktion einfließen und die der Zulieferer erzeugt.

Kritik bleibt nicht ausMit Bestnoten schmücken konnten sich in Deutschland für ihre jeweiligen Branchen in diesem Jahr BMW und Daimler bei den Autobauern, das Reiseunternehmen TUI, der Lebensmittelgroßhändler Metro, der Chemiekonzern BASF, die Generali-Versicherungsgruppe, Bayer, Siemens, das Softwareunternehmen SAP, die Deutsche Bahn und überraschenderweise der Stromversorger RWE.

Bei RWE zeigt sich allerdings auch ein wunder Punkt des Rankings, der immer wieder von Kritikern bemängelt wird. Die Bestnoten bekommen Unternehmen, wenn sie möglichst genau nachweisen können, wo ihre CO2-Emissionen entstehen und wenn sie einen gewissen Prozentsatz Treibhausgase im Vergleich zum Vorjahr einsparen. In diesem Jahr lag der Wert bei rund vier Prozent (er berechnet sich anhand der Vorgaben für einen wirksamen Klimaschutz).

Dass RWE mit einigen der klimaschädlichsten Kraftwerke in Europa alles andere als ein Vorreiter beim Klimaschutz ist, interessiert für das CDP-Ranking nicht. Auch Investoren überlegen sich derzeit wohl zweimal, ob sie noch Geld in den Konzern investieren – trotz des guten Abschneidens im Ranking. Sonderlich aussagekräftig ist der Spitzenplatz in diesem Falle also nicht.

Abgesehen davon bieten die CDP-Reports (hier die Ergebnisse für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz; hier für Unternehmen weltweit) eine Fülle an interessanten Informationen, die die Entwicklung des Klimaschutzes im Big Business sichtbar machen.

Transparenz nimmt zu – Klimaschutz auchSo schneiden klimafreundliche Unternehmen an den Börsen besser ab, als ihre schmutzigeren Konkurrenten, wie eine Auswertung der besten und schlechtesten Konzerne im CDP-Ranking ergeben hat.

Außerdem erfassen die Unternehmen heute sehr viel mehr CO2-Daten als noch vor einigen Jahren. Allerdings konnten nur 13 Prozent der Unternehmen im deutschsprachigen Raum Angaben über die CO2-Emissionen in der Vorproduktion machen. Dabei treten hier meist die größten Schäden für das Klima auf.

Insgesamt haben die teilnehmenden Unternehmen auch das erste Mal seit Jahren ihren CO2-Ausstoß absolut reduziert. Das ist insofern beachtlich, da sie auch weiter gewachsen sind. Weniger erfreulich dagegen ist: Noch haben die wenigsten Unternehmen langfristige Ziele, um ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Und die wird es brauchen, wenn der Klimawandel effektiv bekämpft werden soll.

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