Unternehmen: Der McDonald's Nachhaltigkeits-Check

Unternehmen: Der McDonald's Nachhaltigkeits-Check

In Deutschland gibt es alle 16 Kilometer eine Filiale des Fast-Food-Riesen McDonalds. Aber wie nachhaltig arbeitet das Burger-Imperium eigentlich?

Frank Wiebe ist Autor des kürzlich erschienenen Buches “Wie fair sind Apple & Co? – 50 Weltkonzerne im Ethik-Test”. Wiebe ist Redakteur und Kolumnist des “Handelsblatts” und lebt in New York. Bei WiWo Green lesen Sie Auszüge aus seinem Buch. Darin wird der Text ergänzt durch Kennzahlen, ein exklusives Rating von Oekom Research und andere Einschätzungen sowie eine eigene Bewertung des Autors nach einem fünfstufigen System.

Im Schlaraffenland wächst den Menschen das Essen in den Mund. Das war eine Vision hungriger Jahrhunderte. Fast Food wächst zwar nicht von allein in den Mund hinein. Meist muss man sogar eine Weile dafür anstehen, bis man dran ist an der Theke.

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Aber dann geht alles ganz leicht: Man hat nichts zu schneiden, keine Gabel zu benutzen, nicht einmal richtig zu kauen. Man muss nur den Mund ganz weit aufmachen können. Und der Geschmack ist dank eindeutig definierter Soßen aus der Fabrik auch garantiert. Was soll das Schlaraffenland noch mehr bieten?

Ein bisschen Unterhaltung vielleicht. Aber die gibt es bei McDonald’s auch. Jedenfalls für Kinder – die wichtigste Zielgruppe. Denn wer früh das Schlaraffenland kennenlernt, möchte, so hofft der Konzern, nie mehr ganz darauf verzichten. Als vor Jahrzehnten die ersten McDonald’s-Filialen in Europa eröffnet wurden, befürchteten viele, damit werde der Niedergang guter Restaurants eingeleitet.

Das hat sich nicht bestätigt – es gibt heute in den meisten Städten mehr feine Restaurants als je zuvor. Aber Fast Food – und niemand steht so sehr für dieses Prinzip wie McDonald’s – hat schon die Esskultur verwandelt. McDonald’s versucht nach eigener Darstellung immerhin seit 2011, systematisch den Anteil von Gemüse und Früchten in den verkauften Mahlzeiten zu erhöhen.

In Schwellenländern boomt das Fast FoodHeute haben wir das umgekehrte Problem wie die Menschen, die den Traum vom Schlaraffenland ausgesponnen haben. Wir essen heute nicht zu wenig, sondern zu viel, vor allem zu viel vom Falschen. Und das gilt gerade für ärmere Leute in reichen Ländern – und zunehmend auch für die Schwellenländer.

Die »VDI nachrichten« zitieren im Oktober 2011 Philip James, den Präsidenten des Internationalen Netzwerks zur Erforschung des Übergewichts: »China ist überzogen von Kentucky Fried Chicken und McDonald’s.« Er wirft den Fast-Food-Anbietern und Teilen der Nahrungsmittelindustrie vor, die Menschen krank zu machen. Die Zeitung schreibt weiter: »Nie war kalorienreiches und übersüßtes Essen in den Städten der Schwellenländer derart breit und preiswert verfügbar.«

Und sie zitiert auch andere Experten wie den Briten David Barker, der festgestellt hat, dass gerade dann, wenn unterernährte Menschen sich sehr plötzlich auf ein Übermaß an schlechtem Essen umstellen, die Gefahr von Übergewicht und den damit verbundenen Krankheiten besonders groß ist.

Denn oft werden Babys von hungrigen Eltern sehr klein geboren, dafür mit einem biologischen Mechanismus, der sie befähigt, Nahrung sehr effizient zu verwerten – und so im Zweifel aber auch Überreserven anzulegen. Im Oktober berichtet das Portal Daily Finance sogar, ein brasilianischer Richter habe einem langjährigen McDonald’s-Mitarbeiter zugebilligt, seine Gewichtszunahme um 30 Kilo sei eine Berufskrankheit, bedingt vor allem durch die kostenlose Verköstigung mit der hauseigenen Ware. Alles in allem zeigt sich daher: Die Nähe zum Schlaraffenland ist heute keine Verheißung mehr, sondern ein riesiges Problem.

Ein anderes Thema im Zusammenhang mit Hamburgern ist der Verbrauch an Rindfleisch. Es hängt natürlich von den individuellen Essgewohnheiten ab, wie viel davon ein einzelner Mensch zu sich nimmt und ob er durch Fast Food zusätzlich Fleisch konsumiert oder nicht. Aber man darf wohl unterstellen, dass das Aufblühen des Hamburger-Kults den Konsum von Rindfleisch eher gesteigert hat.

Burger und Co. machen nicht nur dick, sondern auch armNun ist aber gerade dieses Fleisch, weil es einen hohen Einsatz von Futtermitteln voraussetzt und weil Kühe viel Methan als »Abluft« von sich geben, in größerem Volumen ein ökologischer Sündenfall. Die schädliche Wirkung auf das Klima ist, gemessen am Fleischvolumen, um ein Mehrfaches höher als zum Beispiel bei Schweinefleisch, ganz zu schweigen von einer vegetarischen Ernährung (bei der allerdings Hartkäse auch mit hohem Klimaschaden verbunden ist, wenn auch deutlich weniger als Rindfleisch).

Auch der Vorwurf, dass für die Futtermittel Naturflächen gerodet werden müssen, liegt beim Fleischkonsum nah, weil bei einer fleischlosen Ernährung vergleichsweise viel weniger Pflanzen angebaut werden müssen – der Umweg übers Tier ist extrem ineffizient.

Kritik gab es auch immer wieder an McDonald’s als Arbeitgeber. Zum Beispiel wird in einem ARD-Bericht vom Januar 2012 ein Fall genannt, bei dem Unstimmigkeiten in der Kasse mit Lohnabzügen bestraft wurden. In einzelnen Fällen verweist der Konzern auf die Franchisenehmer als Verantwortliche und räumt ein, dass er die nur bedingt unter Kontrolle hat. Das wirft die Frage auf: Wie stark ist ein Konzern für diese Franchisenehmer verantwortlich?

Es liegt nahe, diese Verantwortung mindestens so hoch anzusetzen wie die für Zulieferer. Denn Franchisenehmer betreiben ihre McDonald’s-Filialen zwar als selbstständige Geschäftsleute, aber doch in enger Abhängigkeit vom Konzern, nach dessen Konzept und unter dessen Marke.

Immerhin: Ställe werden kontrolliertIm Januar 2010 berichtet das »Handelsblatt« über Vorwürfe, das Unternehmen setze die Franchisenehmer stark unter Druck, ihr Geschäft auszuweiten, und versuche »schwache« Geschäftspartner hinauszudrängen. McDonald’s streitet dies allerdings ab. Man darf aber auch nicht übersehen, dass der Konzern im Rahmen dessen, was sein Geschäftsmodell erlaubt, um vernünftige Standards bemüht ist.

So reagiert er 2006 sofort auf Kritik von Greenpeace am Raubbau im Amazonasgebiet und stoppt die Lieferung von Fleisch von dort. Gemeinsam mit dem WWF analysiert er 2010 die Zulieferketten. Es gibt die Vorgabe, dass jede Fleisch oder Geflügelfabrik einmal im Jahr kontrolliert wird, um den Tierschutz zu garantieren, über diese Audits wird auch Buch geführt und berichtet.

Das Unternehmen erläutert auch sehr genau, wie Tiere getötet und zum Teil vorher mit Gas betäubt werden, und erklärt die Vor- und Nachteile der Methoden. Esverteidigt allerdings die Käfighaltung von Geflügel, weil die angeblich die Ausbreitung von Krankheiten verhindert. Wer einmal Bilder von Bodenhaltung gesehen hat, wo Tausende von Vögeln dicht an dicht hocken, fragt sich allerdings auch, ob das gegenüber Käfigen für die Tiere ein großer Fortschritt ist.

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