Unternehmens-Ethik: Was die Ratingagenturen zeigen

Unternehmens-Ethik: Was die Ratingagenturen zeigen

Korruption, Umweltzerstörung, miese Arbeitsbedingungen: Ratingagenturen schauen Unternehmen auf die Finger. Wir stellen die wichtigsten in einer Serie vor.

Die heutige Mittagskolumne stammt von dem Autor Werner Schwanfelder, der sich in seinem neuen Buch “Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern. Gewinnbringend und nachhaltig investieren” mit den Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage auseinandersetzt. Er stellt in mehreren  Folgen die Rolle der Ratingagenturen bei der Bewertung von Nachhaltigkeit bei Unternehmen vor. Dies ist die erste Folge.

Wenn man den Wirtschaftsteil der Zeitung und die Meldungen über Datenschutzverstöße, Schmiergeldzahlungen, Stellenabbau oder die aktuelle Finanzkrise liest, so kann man durchaus zu der Ansicht gelangen, dass Wirtschaftethik nicht viele überzeugte Anhänger hat.

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Wenn ein Unternehmen in Schlagzeilen vorkommt wie »Spitzelskandale bei Bahn und Telekom« oder »Siemens versinkt im Korruptionssumpf« wird der öffentliche Ruf lauter, Manager in die gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen. Auf der anderen Seite sehen viele Unternehmen dadurch ihre Attraktivität als Arbeitgeber gefährdet. Es ist verständlich, dass man in Krisenzeiten Schuldige sucht. Aber sind die Manager wirklich an allem schuld?

Die Manger genießen den Ruf, Ausbeuter zu sein, die als Angestellte selbst kein Risiko eingehen, aber gründlich absahnen. Der schlechte Ruf der Manager als Berufsgruppe fällt natürlich zurück auf die Unternehmen, für die sie verantwortlich sind. Viele Unternehmen versuchen allerdings, dies zu ändern, indem sie ein Wertemanagement einführen. Eigentlich keine große Neuerung oder Überraschung. Aber um welche Werte handelt es sich, und wie werden sie gelebt?

Was bei mittelständischen Unternehmen noch relativ einfach ist – der Chef und Eigentümer bestimmt die Werte – ist bei Großunternehmen schwierig darzustellen. Wer ist in einem DAX-Unternehmen für die Werte zuständig? Große Konzerne kommen bei der praktischen Umsetzung ihrer Werte nicht weiter. Die Manager wissen nicht, wie sie jeden einzelnen Mitarbeiter erreichen können.

Ethik - für Unternehmen nur lästiges Beiwerk?Eine Antwort auf diese Probleme und eine Veränderung erwartet man sich vom neu geschaffenen Wertemanagement. Viele Unternehmen greifen auf externe Dienstleister zurück und bauen eine eigene Abteilung auf. Dennoch setzen viele Unternehmen noch nicht mit aller Überzeugung ein Wertemanagement um.

»Es ist naiv zu glauben, große Unternehmen würden sich freiwillig für die Umwelt oder die Interessen der betroffenen Menschen einsetzen. Hauptziel der Konzerne ist und bleibt die Profitmaximierung. Um Konzerne weltweit zu verantwortungsvollem Handeln zu bringen, braucht es daher international verbindliche Regeln«, sagte Miriam Behrens von Pro Natura auf der fünften »Public Eye on Davos«-Konferenz im Jahr 2004.

Die Globalisierung der Märkte und die Organisation weltweiter Wertschöpfungsketten durch global agierende Unternehmen haben ganz neue, moralisch sensible Fragen aufgeworfen. Aus der Globalisierung der Arbeitsmärkte ergeben sich Fragen, die nicht mehr nur unternehmenspolitischer, sondern auch moralischer Natur sind. Welche Steuern bezahlt ein Unternehmen, und in welchem Land entrichtet es sie? In welchen Ländern und zu welchen Bedingungen lässt ein Unternehmen seine Produkte fertigen?

Die Öffentlichkeit will Werte, auch in der WirtschaftViele Pressemeldungen und Diskussionen über die Habgier des Topmanagements oder die angebliche Notwendigkeit von Korruption belegen die Werte-Sensibilität in der Wirtschaft. Es besteht die Gefahr, dass ganze Branchen und Wirtschaftszweige ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

Seitdem negative Schlagzeilen die Medien bestimmen, stellt man in der Öffentlichkeit auch eine Meinungsänderung fest. Werte haben wieder eine Bedeutung. Die Unternehmen versuchen, sich darauf einzustellen. Dabei ist die Fähigkeit von Topmanagern und Mitarbeitern gefragt, mit Kooperation und Wettbewerb gleichzeitig umzugehen. So kann es vorkommen, dass zu einer bestimmten Zeit dieselbe Firma Lieferant, Partner und Wettbewerber ist, was ganz neue Verhaltensweisen erfordert. Ohne gelebte Werte wie Fairness, Verantwortung und Vertragstreue ist eine solche Situation nicht beherrschbar

Wie aber kann man als Geldanleger wissen, welches Unternehmen ethisch handelt und welches nicht? Ethisches Handeln wird mittlerweile genauestens überprüft. Federführend sind sogenannte Ethik-Ratingagenturen, die die Nachhaltigkeit von Unternehmen überprüfen. Wie der Geldanleger vom Wissen sowohl der Finanz- als auch der Ethik-Ratingagenturen profitieren kann, erfahren Sie in meiner nächsten Kolumne.

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