Greentech-Abenteurer: Spritlos um die Welt: Monsieur Piccards Solarflieger-Traum

Greentech-Abenteurer: Spritlos um die Welt: Monsieur Piccards Solarflieger-Traum

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Bertrand Piccard vor dem Prototypen des Solarflugzeug HB-SIA

von Sebastian Matthes

Bertrand Piccard hat mit Heißluftballons Rekorde gebrochen. Nun will er als Erster die Erde in einem Solarflugzeug umrunden. Das macht ihn zum Popstar der Greentech-Bewegung.

Es wird kein Spaß da oben: Fünf Tage festgeschnallt in einem schulterbreiten Cockpit, nur durch eine daumendicke Scheibe von den 40 Grad unter null getrennt, die in 8500 Meter Höhe herrschen, und nichts als die Gewissheit, dass jede Minute Schlaf zu viel tödlich sein kann: Neigt sich der Flieger zu sehr, er würde -unaufhaltsam in die Tiefe trudeln.

Für die meisten Menschen wäre allein die Vorstellung, so zu reisen, ein Horror. Für Bertrand Piccard ist es ein Lebenstraum. Er will 2013 schaffen, was vor ihm keiner gewagt hat: die Welt in einem Solarflugzeug umrunden – in fünf Etappen, ohne einen Tropfen Kerosin. Diesen Sommer hat sein Testflieger den ersten Nachtflug absolviert. Theoretisch, sagt Piccard, könne er unendlich lange in der Luft bleiben. „Limitierender Faktor ist der Mensch.“ Der muss sich bewegen, schlafen, essen. An Bord sind den Bedürfnissen enge Grenzen gesetzt: Das Cockpit bietet nur Platz für den Piloten, ein paar Wasserflaschen und einige Dutzend Sandwiches.

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Das Fluggerät ist dennoch eine Sensation, der Beginn eines neuen Kapitels in der Luftfahrtgeschichte. Schon einmal hat Piccard das scheinbar Unmögliche geschafft: 1999 umrundete der Schweizer als erster Mensch in einem Heißluftballon die Erde. Danach schrieben Reporter, er habe das letzte Abenteuer der Menschheit bezwungen. Sein Ballon bekam einen Ehrenplatz in der Galerie der Pioniertaten im Washingtoner Luft- und Raumfahrtmuseum – nicht weit vom Flugzeug der Gebrüder Wright und der Apollo-11-Kapsel.

Bisschen spektakulär sein

Aber das soll es nicht gewesen sein. Die Fliegerjacke gegen einen Smoking eintauschen und sich als Dinner-Redner durch die feine Gesellschaft reichen lassen: Andere können das. Piccard würde es depressiv machen. Er ist nicht der Typ dafür. Mit seinen kurzrasierten, dunkelblonden Haaren und seinem kantigen Gesicht sieht er auch mit 52 Jahren noch aus wie ein junger Armee-Pilot, einer von der Sorte, für die es keine Grenzen gibt, getrieben vom Wunsch, Unmögliches zu versuchen.

Schon während er 1999 den Heißluftballon Breitling Orbiter 3 in der ägyptischen Wüste landet, ist ihm klar, dass er die Welt wieder umrunden wird – ohne Treibstoff, nur mit Solarenergie. Elf Jahre sind seitdem vergangen; Jahre, in denen ihm Luftfahrtexperten bescheinigten, seine Idee werde nie funktionieren. Das war ihm egal. Piccard will mit dem Flieger nicht die Luftfahrtindustrie neu erfinden. Zu genau weiß er, dass es Jahre dauern wird, bis solarbetriebene Maschinen 200 Passagiere transportieren können – wenn überhaupt.

Doch dann kommt er immer wieder auf die Geschichte der Gebrüder Wright zurück: Die haben nach ihrem ersten Flug Anfang des 20. Jahrhunderts verkündet, es werde nie möglich sein, über den Atlantik zu fliegen. „Nur 50 Jahre später waren Maschinen im Linienbetrieb unterwegs“, sagt Piccard. Er hält inne und überlässt die Interpretation der Anekdote seinen Zuhörern. Er weiß: Zu schmal ist der Grat zwischen dem klugen Visionär und einem verrückten Spinner.

Offiziell macht Piccard eine andere Rechnung auf: Statt die Luftfahrt zu revolutionieren, will er zumindest das Denken verändern. Der Solarflieger soll zeigen, dass mit grüner Technologie heute schon mehr möglich ist, als viele denken – und vor allem, dass die Energiewende sexy ist. „Natürlich versuchen wir auch, ein bisschen spektakulär zu sein“, sagt er.

Was für eine Untertreibung. Piccards in Kunststoff gegossener Traum vom treibstofffreien Fliegen ist eine freche Herausforderung der Physik. Mit 1,6 Tonnen wiegt das Experimentalflugzeug nur so viel wie ein Mittelklassewagen. Doch von der einen Flügelspitze zur anderen misst es 63 Meter, so viel wie ein Jumbojet. Die Tragflächen machen fast 90 Prozent des Fliegers aus und verleihen ihm einen ungeheuren Auftrieb.

Damit das ungewöhnliche Fluggerät nicht beschädigt wird, hat Piccards Unternehmen Solar Impulse auf dem Militärflughafen Payerne bei Bern eine Halle von der Größe eines Baumarktes gemietet. Hier darf kein Lüftchen wehen. Würde der Wind durch den Hangar fegen, der Flieger höbe aus dem Stand ab. Das könnte die schwarzblauen Solarzellen auf den Tragflächen schwer beschädigen.

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