Henning Kagermann : "Die Märkte funktionieren heute anders"

Henning Kagermann : "Die Märkte funktionieren heute anders"

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Henning Kagermann

von Dieter Dürand

Der Chef der Deutschen Technikakademie über die Defizite in der deutschen Innovationskultur.

WirtschaftsWoche: Herr Kagermann, haben wir Deutschen mit unserer Fixierung auf Technik noch einen zeitgemäßen Innovationsbegriff?

Kagermann: Die Stärke der deutschen Industrie ist das Lösen komplexer technischer Probleme. Da ist es nahe liegend, sich erst einmal darauf zu konzentrieren. Leider bleibt darüber manchmal etwas das Kreative und Spontane auf der Strecke. Neue Marketingideen und Geschäftsmodelle lassen sich aber nur am Markt und nicht im Labor erproben. Da muss man den Mut haben, mit Konzepten rauszugehen und auch mal einen Flop zu riskieren, anstatt zwei Jahre über die Erfolgsaussichten nachzudenken.

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Die Unternehmen sagen sich: Warum etwas riskieren, am Ende setzt sich unsere überlegene Technik schon durch.

Die Märkte funktionieren heute aber immer öfter anders. Kunden haben ein Problem und suchen dafür eine schnelle Lösung. Ob das mit alter oder neuester Technologie geschieht, ist für viele zweitrangig; Hauptsache, ihnen wird geholfen. Wer diese Flexibilität mitbringt, kann viel Geld verdienen, ohne vorher große Summen in technische Entwicklungen stecken zu müssen.

Der Technik-Zentrierte ist der Dumme?

Das will ich damit nicht sagen. Gute Technik bleibt ein wichtiges Verkaufsargument. Aber die Differenzierung findet verstärkt über Design, Service und maßgeschneiderte Kundenlösungen statt. Umgekehrt gilt: Wer eine neue Technologie in den Markt puscht, muss den Kunden erst einmal von ihren Vorteilen überzeugen.

Warum tun sich deutsche Unternehmen bei konsumnahen Angeboten schwer, Begeisterung und Kauflust zu wecken?

Gerade da ist das richtige Geschäftsmodell entscheidend. Es kommt darauf an, bei Käufern Emotionen zu wecken: Das fällt uns schwerer als etwa US-Unternehmen. Da müssen wir uns dringend etwas einfallen lassen. Denn in immer mehr Bereichen treibt heute der Konsument die Entwicklung.

Haben Sie ein Beispiel?

Denken Sie nur an das mobile Internet oder Smartphones. Nicht Technik ist hier der Erfolgsfaktor, sondern die Dienste, die darauf laufen. Das iPhone etwa verkauft sich deshalb so gut, weil Apple in jedem Land für jede Käufergruppe passende Angebote hat. Damit haben sie einen Nerv getroffen.

Sind Deutsche schlechte Verkäufer?

Wir können da viel von den Amerikanern lernen. Ein Grundübel ist, dass das Denken in neuen Geschäftskonzepten in der Ausbildung an Universitäten viel zu wenig eingeübt wird.

Setzt die Bundesregierung die richtigen Akzente in der Innovationsförderung?

Das geschieht meines Erachtens zu zögerlich. Wir geben nur 30 Millionen Euro zur Förderung neuer Dienstleistungen aus. Dabei sind sie ein Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg.

Wir verschenken also große Potenziale?

Würde uns die Kombination aus Produkt-, Geschäftsmodell- und Serviceinnovation gelingen, wären wir am Weltmarkt fast unschlagbar. Unsere Wettbewerbsfähigkeit, mithin auch Wachstum und Beschäftigung, bekämen noch einmal einen ganz anderen Schub.

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