Hirnforschung: "Das Gehirn setzt uns keine Grenzen"

Hirnforschung: "Das Gehirn setzt uns keine Grenzen"

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Ernst Pöppel

von Susanne Kutter

Der renommierte Hirnforscher Ernst Pöppel aus München stellt in seinem neuen Buch „Je älter desto besser“ eine ungewöhnliche These auf: Das Gehirn funktioniere mit zunehmenden Lebensjahren eher besser als schlechter, es müsse nur richtig trainiert werden. Wie das funktionieren soll, erläutert er im Interview mit der WirtschaftsWoche.

WirtschaftsWoche: Professor Pöppel, in Ihrem gerade erscheinenden Buch „Je älter desto besser“ behaupten Sie, das Gehirn werde im Alter eher leistungsfähiger, als dass es abbaue. Das widerspricht doch jeglicher Lebenserfahrung.

Pöppel: Nein, überhaupt nicht. Man muss sich dagegen wehren, Älterwerden unter einem pathologischen Gesichtspunkt zu sehen. Alte Menschen sind nicht krank, im Gegenteil. Menschen, die mit ungefähr 60 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, haben ja in der Regel noch 20 Jahre aktive Lebenszeit vor sich. Und die meisten von ihnen sind gesund.

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Und bauen dennoch sehr schnell ab, wenn die gewohnten Routinen des bisherigen Berufslebens oder familiären Gebrauchtwerdens fehlen. Oder wollen Sie das bestreiten?

Es ist eine Frage, wie man es angeht. Ich gebe zu, es ist eine Herausforderung, sein Leben dann neu zu gestalten und quasi ein zweites Mal erwachsen zu werden. Und es nimmt einem auch keiner ab – man muss selber aktiv angehen. Das Gehirn ist wie ein Muskel: Man muss ihn trainieren. Aber man kann im Alter noch jede Menge Neues lernen – einen neuen Beruf, eine neue Sportart, eine neue Sprache, ein neues Musikinstrument. Und jeder kann das schaffen, das Gehirn setzt uns keine Grenzen.

Wie das gelingen soll, erfahren wir in Ihrem Buch?

Genau. Es ist ein wenig wie Ratgeber aufgebaut. Er erklärt in zehn Schritten, die jeweils ein Kapitel darstellen, worauf es ankommt. Dabei werden bei jedem Schritt zunächst die neuesten Erkenntnisse und Grundlagen aus der Hirnforschung erläutert. Dann folgt eine Art Selbstreflexion – wie ich als Forscher aber nun eben auch schon 70 Jähriger Mensch das erlebt und umgesetzt habe. Darauf folgen jeweils ganz konkrete Tipps für die Leser, die Vorschläge und Übungen enthalten.

Ob Ihr Weg für jeden Leser der richtige ist?

Pöppel: Es wäre vermessen, das zu glauben. Und deshalb haben meine Koautorin Dr. Beatrice Wagner und  ich ans Ende jedes Kapitels ein Interview mit einem bekannten Schauspieler, Forscher, Politiker oder Unternehmer gestellt. Hier geht es genau darum, wie diese ganz unterschiedlichen Menschen ihrem Gehirn im Älter werden ganz neue Aufgaben gestellt und Leistungen abgefordert haben. Ich hoffe, dass jeder Leser in dieser Zusammenschau die passenden Tipps und Anregungen für sich findet.

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