Hörhilfen: Hörgeräte-Miniaturisierung sorgt für Revolution im Ohr

Hörhilfen: Hörgeräte-Miniaturisierung sorgt für Revolution im Ohr

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Die legendäre Rockband The Who - Pete Townshend, zweiter von links, warnt heute Jugendliche vor zu lautem Musikgenuss

Schwerhörigkeit ist ein Tabuthema. Das hat fatale Folgen: Wer sich zu spät behandeln lässt, wird nie wieder gut hören. Dabei sind die neuesten Hörgeräte so klein, dass man sie kaum sieht. Sie sind zu winzigen Hochleistungscomputern geschrumpft, die per Funk auch Musik und Telefongespräche direkt ins Ohr übertragen können.

Christian Elger ist ein gefragter Mann: Der 59-jährige Hirnforscher leitet die Bonner Universitätsklinik für Epileptologie, forscht über Neuro-Ökonomie und referiert auf den wichtigen Kongressen seiner Zunft. Mehrere Jahre lang redete er gelegentlich aber recht wirres Zeug. Vor allem auf konkrete Fragen gab er völlig unpassende Antworten.

Für Menschen, die ihn näher kannten, war klar: Nicht der Geisteszustand des Professors war das Problem, sondern sein Hörvermögen. Irgendwann fassten Freunde sich ein Herz und sagten ihm: „Christian, du brauchst ein Hörgerät.“ Dem Hirnforscher war seine Hörschwäche längst selbst aufgefallen, aber er glaubte, sie kompensieren zu können: „Ich drehte mich zu meinen Gesprächspartnern hin und las von ihren Lippen ab“, erzählt Elger. Doch in Fremdsprachen oder vor großem Publikum versagte die Strategie. Heute ist Elger mit einem Top-Hörgerät versorgt und gibt zu: „Die Sache hat mich mindestens fünf bis sechs Jahre lang massiv behindert.“

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Immer mehr junge Menschen hören schlecht

Warum zieren sich selbst intelligente Menschen so lange, Schwerhörigkeit zuzugeben und behandeln zu lassen? Ganz anders als eine Brille, die als Zeichen von Reife, Weisheit und Autorität gedeutet und heute als selbstverständliches modisches Accessoire getragen wird, gelten Hörhilfen noch immer als ein Makel, als Zeichen von Schwäche und Alter.

Dabei ist die Angst vor Stigmatisierung heute völlig unbegründet, denn die neuesten Hörgeräte sind so klein, dass man sie kaum noch sieht. Sie sind zu winzigen Hochleistungscomputern geschrumpft, die einen fast normalen akustischen Eindruck ermöglichen und außerdem per Funk Musik und Telefongespräche direkt ins Ohr übertragen.

Mit solchen neuen Angeboten wollen die großen Hersteller Siemens, Phonak, Oticon, GN Resound, Starkey und Widex, die derzeit 92 Prozent des weltweit 3,5 Milliarden US-Dollar großen Markts für Hörgeräte beherrschen, in den nächsten Jahren ihr Image völlig umkrempeln. Hörhilfen, die sich nun Hörsysteme nennen, sollen künftig als moderne, attraktive und trendige Kommunikationsmittel verkauft werden.

Die Marktchancen sind gut. Schon heute leiden weltweit 500 Millionen Menschen unter Hörverlust, allein in Deutschland liegt die Zahl bei etwa 16 Millionen. Nach Schätzungen des Instituts für Hörforschung am britischen Medical Research Council werden im Jahr 2015 weltweit 700 Millionen Menschen wenigstens an einem leichten Hörverlust leiden. Und 2025 sollen es bereits 900 Millionen sein.

Was Wissenschaftler besonders erschreckt: Immer mehr junge Menschen hören schlecht. 60 Prozent der jungen Männer in Deutschland wird heute bei der Musterung für den Wehrdienst ein Hörverlust attestiert. Acht Prozent der Jugendlichen hören bereits so schlecht, dass sie ein Hörgerät tragen müssen. Einen Grund dafür sehen viele Mediziner in der Dauerbeschallung, der viele Ohren ausgesetzt sind. Seit den Fünfzigerjahren hat beispielsweise der Musikkonsum bei den unter 20-Jährigen stetig zugenommen. Und die Verbreitung tragbarer Abspielgeräte sorgt dafür, dass die Musik über Ohrhörer inzwischen direkt aufs Trommelfell erfolgt.

Nach einer Studie von Henning Wiegels, ehemals Chefarzt an der Helios-Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Schwerin, hören 80 Prozent der Jugendlichen im Durchschnitt täglich zwei bis drei Stunden laute Musik, sei es in der Diskothek oder per MP3-Player. Zehn Prozent der Jugendlichen setzen sich laut Wiegels Studie sogar fünf Stunden täglich sehr lauter Musik aus.

Unstrittig ist dabei unter Hörforschern: Die Dauerbeschallung bei Werten um 85 Dezibel ist ebenso schädlich wie kurzzeitig sehr hohe Werte um 120 Dezibel, wobei sich die Maßeinheit Dezibel aus der in Phon gemessenen Lautstärke und dem Schalldruckpegel zusammensetzt. Zu viel von beiden ruiniert die Haarsinneszellen im Innenohr. Sie nehmen den Sinnesreiz auf und leiten ihn an das Gehirn weiter.

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