HTC-Chef Peter Chou: "Die waren stinksauer"

HTC-Chef Peter Chou: "Die waren stinksauer"

Bild vergrößern

Peter Chou, HTC

HTC-Chef Peter Chou über das Handy der Zukunft, das Internet für unterwegs und die Partnerschaft mit erbitterten Konkurrenten.

WirtschaftsWoche:  Herr Chou, wie halten Sie es eigentlich mit der Polygamie?

Chou: Du lieber Himmel. Das hat mich ja noch niemand gefragt. Wie kommen Sie denn darauf?

Anzeige

HTC ist gleich mit mehreren Wettbewerbern der Smartphone-Welt verbandelt. Sie sind größter Hersteller von Handys mit Microsofts Betriebssystem Windows Mobile. Daneben stammen Telefone wie das G1 mit Googles-Softwareplattform Android aus Ihrer Produktion. Sie fertigten Smartphones für Palm. Und parallel investieren Sie massiv in die eigene Marke.

Ja, wir tanzen auf einigen Hochzeiten. Wirtschaftlich betrachtet ist das tatsächlich so etwas wie eine Vielehe. Und es geht uns sehr gut damit.

Befinden Sie sich nicht in einem konstanten Zielkonflikt? Wie bringen Sie die Interessen aller Spieler unter einen Hut?

So schwer ist das gar nicht. Wir erleben gerade ganz massiv den Trend, dass das Internet sich von der klassischen PC-Welt löst und immer mobiler wird. Insofern bewegen sich alle Beteiligten in die gleiche Richtung, auch wenn jeder das Thema etwas anders interpretiert.

Dass das Mobiltelefon zum Internet-Terminal wird, haben uns die Handyhersteller seit Jahren versprochen. Doch ausgerechnet der Computerhersteller Apple musste der Branche zeigen, wie man es richtig macht. Warum?

Der Grund ist, glaube ich, ein tief greifendes Missverständnis bei den Telefonherstellern. Wir Ingenieure haben uns viel zu sehr auf technische Details oder ellenlange Funktionslisten konzentriert – aber die Masse der Benutzer hat das wenig geschert. Apple hat es als Erster mit einem ganz neuen, ganz anderen Geräte- und Bedienkonzept versucht. Und Erfolg gehabt.

Nicht umsonst finden sich viele Ideen aus Apples iPhone-Steuerung auch in der Benutzerführung Ihrer HTC-Smartphones.

Der Eindruck täuscht. Als wir begonnen, an Konzepten wie unserer TouchFlo-Handysteuerung zu arbeiten, wusste niemand außerhalb von Apple, wie das iPhone einmal aussehen wird. Apple kann man nicht kopieren. Das ist ein tolles Unternehmen, das ich sehr bewundere, aber wir würden sie nicht mal kopieren, wenn davon unser Fortbestand abhinge. Wir müssen aus eigenen Ideen heraus innovativ sein, faszinieren und begeistern.

HTC und das Verhältnis zu Microsoft

Das ist nicht leicht, wenn man ausgerechnet auf eine Technik setzt wie Microsofts Handybetriebssystem Windows Mobile. Das wurde lange zu Recht lahm und komplex gescholten.

HTC gehört zu den ältesten Unterstützern von Microsoft im Smartphone-Geschäft – und zu den ältesten Kritikern von Windows Mobile. Microsoft hat früher als viele andere den Internet-Zugriff ins Handy integriert. Aber mir war bald klar, dass das besser und bequemer klappen müsste, als es Windows Mobile anfangs getan hat. Das Konzept, Internet-Seiten in Briefmarkengröße auf das Handydisplay zu bringen, konnte es nicht sein. Darum habe ich vor Jahren mit dem späteren Android-Gründer Andy Rubin gegrübelt, wie das mobile Web aussehen müsste. Als er sich dann bei Android an die Arbeit gemacht hat, war klar, dass wir ihn bei HTC unterstützen.

Jetzt gibt es die ersten Android-Handys. Warum konzentrieren Sie sich nicht darauf, sondern setzen weiter auch auf Microsoft?

Warum sollten wir eine Plattform aufgeben? Zunächst einmal ist Windows Mobile – auch dank unserer Mitarbeit – viel besser als früher. Dann profitieren doch Android und Windows auf Dauer vom Wettbewerb der Systeme. Wenn eine Fraktion einen genialen Einfall hat, dann wird der Konkurrent umso mehr Energie darauf verwenden, eine noch bessere Lösung zu finden. Und unsere Geräte werden in jedem Falle besser.

Mit Verlaub: Microsoft und Google sind erbitterte Konkurrenten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Microsofts Smartphone-Chef Robbie Bach amüsiert war, als sein engster Verbündeter angekündigt hat, Smartphones ausgerechnet für den Erzrivalen Google zu bauen.

Oh nein, als die bei Microsoft in Redmond von unserem Google-Projekt Wind bekamen, wurden sie ziemlich sauer...

...und haben HTC dennoch die Verträge nicht gekündigt. Jeder andere hätte nach so einem Affront bei Microsoft die rote Karte auf Lebenszeit. Warum Sie nicht?

Das mag gerade in einer so schnelllebigen Industrie wie der IT-Industrie ungewöhnlich klingen, aber das ist, glaube ich, eine Frage der Beziehungspflege. Ich bin da ein ziemlich altmodischer Typ und glaube an Werte wie Vertrauen und Verlässlichkeit. Und ich achte und pflege Freundschaften. Das ist in kritischen Situationen existenziell wichtig. Seit vielen Jahren bin ich mit vielen Industriegrößen befreundet, die heute quer durch die Branche in Führungspositionen arbeiten – bei Microsoft, bei Intel oder sonst wo. Das sind Technik-Liebhaber und Entwickler mit Leib und Seele, so wie ich, die wissen, dass ich ihr Vertrauen nicht missbrauche.

Bei der Vielzahl Ihrer Partner kennen Sie die Technikpläne genau. Wo sehen Sie den größten Innovationsbedarf fürs Handy der Zukunft?

Woran genau unsere Entwickler forschen, möchte ich nicht verraten. Aber sicherlich ist die Interaktion zwischen Nutzer und Technik noch immer nicht optimal. Eine wirklich intelligente Sprachsteuerung wäre ein Ansatz. Aber das erfordert enorm viel Rechenleistung, und die braucht viel Strom. Die nötigen Akkus machen die Geräte groß und schwer. Das ist eine der ganz großen Herausforderungen, nicht nur für die Handyproduzenten, sondern die gesamte IT-Branche.

Welche ist gegenwärtig die beste Software für Smartphones?

Netter Versuch! Aber die Antwort kann ich Ihnen nicht geben, denn es gibt die beste Technik nicht. Es gibt auch nicht das beste Auto. Die Kriterien der Nutzer sind viel zu unterschiedlich, als dass ein Modell für jeden passte. Bei Smartphones ist das nicht anders – und die Stärken der verschiedenen Plattformen sind zurzeit unterschiedlich verteilt: Will ich Web-Seiten bequem betrachten, brauche ich ein großes Display, will ich E-Mails schreiben, brauche ich gute Tasten. Für gute Fotos brauche ich eine erstklassige Optik. Und will ich unterwegs nur meine Termine im Blick haben, dann kann das Gerät extrem handlich sein. So etwas zählt. Der Rest – also etwa die Frage nach dem Betriebssystem, nach Android oder Windows Mobile oder was auch sonst –, der interessiert in spätestens drei Jahren niemanden mehr.

Wenn in Zukunft nur noch die Funktion zählt und nicht mehr Hersteller oder Software, welche Rolle wird HTC dann noch spielen?

Innovation zählt, und da sind wir gut. Und darum sollten wir auch zukünftig eine entscheidende Rolle im Markt spielen.

Die aktuelle Wirtschaftskrise, die ja auch die Mobilfunkbranche unsanft aus den Wachstumsträumen gerissen hat, schreckt Sie nicht?

Ich bin Techniker, kein Ökonom. Wann sich die Wirtschaft erholt, weiß keiner. Doch selbst wenn wir sehr konservativ kalkulieren, sehe ich uns weiter auf dem Wachstumspfad. Insofern bin ich für HTCs Entwicklung für das Jahr 2009 zuversichtlich.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%