IBM-Deutschland-Chef Jetter im Interview: "Gehirnschmalz statt Beton"

IBM-Deutschland-Chef Jetter im Interview: "Gehirnschmalz statt Beton"

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Martin Jetter steht der deutschen IBM seit Ende vergangenen Jahres vor. Foto: Unternehmen

IBM-Deutschland-Chef Martin Jetter über die Wachstumsimpulse des Turbo-Internets für die Gesamtwirtschaft.

WirtschaftsWoche: Im Rahmen der Konjunkturpakete will die Bundesregierung 500 Millionen Euro in Informationstechnologie investieren. Reicht Ihnen das?

Jetter: Grundsätzlich begrüßen wir diese Initiative, denn IT-Investitionen sind zukunftsträchtige Ausgaben. Viele Schwerpunkte der Bundesregierung, etwa beim Umwelt- und Datenschutz oder der Sicherheit, sind Themen, die wir auch bei IBM für wichtig halten. Ich wünschte mir freilich eine andere Balance zwischen Investitionen in Beton und in Gehirnschmalz.

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Nämlich?

Ich könnte mir vorstellen, dass man nicht nur 500 Millionen, sondern durchaus auch 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro in die Hand nimmt, um nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Bereich der IT-Infrastruktur zu steigern.

Was genau meinen Sie mit „Investitionen in Gehirnschmalz statt Beton“?

Nehmen Sie etwa die Verkehrssituation in den Ballungszentren. Wir haben dort heute keine leistungsfähigen Verkehrsleitsysteme. Es wurden lediglich Umweltzonen definiert, in denen nur Autos mit bestimmten Aufklebern auf der Windschutzscheibe fahren dürfen. Dabei ließe sich schon heute mit Informationstechnologie regeln, welche Autos in welche Zone fahren dürfen.

Das müssen Sie erklären.

Mit einer Blackbox im Auto oder Kennzeichenerfassung per Kamera und dynamischer Beschilderung, die je nach Luft- und Wetterverhältnissen Zufahrt zulässt oder sperrt, ist das leicht machbar. Sie können zum Umstieg auf den Nahverkehr über dynamische Tarifierung ermuntern. Oder nehmen Sie das Gesundheitswesen: In Deutschland als einem Land mit alternder Bevölkerung, die sich zudem in Ballungszentren verdichtet, kann Informationstechnologie in Bereichen wie etwa Telemedizin und bei der Ärzteversorgung eine wichtige Rolle spielen. Über vernetzte Systeme lässt sich der Gesundheitszustand auch von weniger mobilen Menschen leicht überwachen. Und bei Bedarf kann der Arzt über Telefon- oder Videoverbindung Verhaltens- oder Medikationsempfehlungen geben. Das spart Wege und Wartezeiten in Praxen und verkürzt die Reaktionszeit bei Gesundheitsproblemen.

Die Politik hofft, dass Investitionen in die Telefon- und Internet-Infrastruktur auch Wachstumsimpulse für andere Industrien nach sich ziehen werden. Wie realistisch ist das?

Ich glaube, dass diese Strategie aufgeht. Technisch wären schon heute viel mehr IT-Dienstleistungen möglich. Denken Sie an die GPS-Versorgung sämtlicher Fahrzeuge und eine intelligente Fahrzeugführung, um Staus zu vermeiden. Aber es fehlt die IT-Infrastruktur im Hintergrund. Überdies ist die Informationstechnologie mehr und mehr zu einer Querschnittsbranche geworden, die immer mehr Industrien umfasst. Ein Beispiel: Der Anteil der Elektronik an der Gesamtwertschöpfung eines Autos ist heute größer als der des verbauten Metalls. IT-Hardware, Software und Telematikdienste werden im Verhältnis zum Gesamtwert und -nutzen des Fahrzeugs immer wertvoller, und dieser Trend nimmt weiter zu. Das belegt, wie IT-Investionen auch andere Industrien beflügeln.

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