IBM-Rechner in Quizshow: Menschliche Intelligenz und Dummheit

IBM-Rechner in Quizshow: Menschliche Intelligenz und Dummheit

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Jeopardy-Showmaster Alex Trebek mit den Kandidaten Ken Jennings, Brad Rutter und dem IBM-Computer Watson

von Matthias Hohensee

IBMs Supercomputer Watson tritt gegen zwei menschliche TV-Ratequiz-Superhirne an – in der Auftaktrunde am Montagabend schlug er sich besser als erwartet. Nur mit einer Figur aus Harry Potter hatte der IBM-Rechner Probleme.

Nein, verpassen konnte man das Superduell wahrlich nicht. Seit Wochen warb der US-Fernsehsender NBC für den Wettstreit Mensch gegen Maschine – IBMs Supercomputer Watson gegen zwei Rate-Champions der Fernsehquizsendung Jeopardy!. Die Show lief in der Neunziger Jahren auch in Deutschland, erst unter dem Titel "Riskant!" und später als "Jeopardy", moderiert von Frank Elstner. 

In den USA gehört sie bis heute zu den populärsten Quizshoes und Millionen Zuschauer fragten sich am Montag, ob es den menschlichen Superhirnen Ken Jennings und Brad Rutter, die bei Jeopardy! insgesamt mehr als sechs Millionen Dollar abgeräumt hatten, ähnlich gehen würde wie Schach-Weltmeister Garry Kasparow, der im Mai 1997 von Watson-Großvater Deep Blue bezwungen wurde?

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25 Wissenschaftler von IBM, auch Big Blue genannt, hatten Watson zuvor vier Jahre lang für das Match vorbereitet, dabei den Boliden aus 90 zusammengeschalteten Großrechnern  aus 2880 Prozessoren mit rund 200 Millionen Seiten Material gefüttert und über 400 spezielle Algorithmen zum Vergleichen von möglichen Antworten entwickelt. 30 Millionen Dollar verschlang das Projekt.

2007 benötigte Watson, benannt nach dem legendären IBM-Chef Thomas J. Watson, noch bis zu zwei Stunden, um eine Frage zu analysieren und die richtige Antwort zu finden.

IBM-Rechner beeindruckte auf der ganzen Linie

Am Montagabend, zum Valentinstag, 19 Uhr Westküstenzeit, gab es bei Auftaktmatch keine Zweifel, dass Watson ein ebenbürtiger Herausforderer ist. In Sekundenschnelle analysierte der Superrechner die Fragen und blendete drei mögliche Antworten ein, geordnet nach der Wahrscheinlichkeit ihrer Richtigkeit. In rund achtzig Prozent der Fälle lag der Computer richtig. Der Computer zog am ersten Tag mit Quiz-Rekordrater Rutter gleich und verwies Jennings auf den dritten Rang.

Während Moderator Alex Trebek den menschlichen Kandidaten die Fragen vorlas, bekam Watson sie per Texteingabe gefüttert. Seine Stärken demonstrierte er beim Identifizieren von Songs der Beatles anhand von Bruchstücken der Liedtexte. Allerdings hatte er Schwierigkeiten, literarische Charaktere, wie Harry Potter-Bösewicht Lord Voldemort zu erkennen.

Eine weitere Schwäche zeigte sich, als Jennings eine Frage falsch beantwortete und Watson stur dieselbe falsche Antwort wiederholte. Anscheinend hatten seine Schöpfer ihn auf ein solches Szenario nicht vorbereitet.

Trotzdem – Watson beeindruckte auf der ganzen Linie. Zumal die Fragen im typischen Jeopardy! Stil ziemlich verklausuliert waren.

Und es sieht ganz so aus, also ob der Supercomputer eine reale Chance hat, seine Mitbewerber in den nächsten zwei Runden auszustechen.

Unbezahlbare Werbung für IBM

Für IBM ist das Rate-Match vor allem unbezahlbare Werbung. Denn der Konzern stellt sich als der oberste Datenanalysator auf, sieht die sogenannten „Business Intelligence“ als wichtigen Ertragspfeiler für die nächsten Jahrzehnte. Das Analysesegment soll im Jahr 2015 etwa 16 Milliarden Dollar Umsatz erzielen, etwa so viel wie derzeit die gesamte Hardwaresparte von Big Blue.

Statt Fragen nach Liedern der Beatles zu beantworten, sollen dann Supercomputer vom Schlage Watsons analysieren, welche Produkte sich in welchem Land besonders gut verkaufen und wie schnell die Fertigungskapazitäten dementsprechend erweitert werden müssen. Das ganze dann zusätzlich mit der Information versehen, wie populär die eigenen Produkte sind, inklusive Vorhersagen wie der Nachfolger beschaffen sein sollte. Im Internet herrscht schließlich kein Mangel an Meinungen und Kritik.

Oder aber – wie derzeit im Uniklinikum von Toronto – mit Hilfe von Sensoren automatisch feststellen, ob sich bei den Frühgeburten im Brutkasten Komplikationen ankündigen und schneller als bisher Ärzte und Pflegepersonal warnen.

Doch neben solchen einleuchtenden und lebensrettenden Szenarien gibt es auch die, vor denen Datenschützer warnen und das das Blut in den Adern gefrieren lassen. Denn mit den vielen Daten, angereichert mit Informationen aus sozialen Netzen und den hauseigenen Email-Systemen, lässt sich schnell mal beurteilen, welcher Mitarbeiter besonders effektiv ist, viele Vertragsabschlüsse an Land holt, bei Geschäftsreisen artig im Hotel bleibt, anstatt im Nachtleben über die Stränge zu schlagen. All das in Korrelation zum Gehalt, zum Spesenkonto und vielleicht sogar der Krankenakte inklusive genetischen Risiken.

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