Inflation: Steigende Rohstoffpreise zwingen Firmen zu mehr Effizienz

Inflation: Steigende Rohstoffpreise zwingen Firmen zu mehr Effizienz

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Kämper

von Dieter Dürand

Rapide steigende Rohstoffpreise zwingen die Industrie zum wirtschaftlichsten Einsatz von Ressourcen. Mit neuen Effizienztechniken können Unternehmen Milliarden sparen.

Es ist Werner Kämper längst zur Passion geworden. Wenn der Ingenieur zum Rundgang durch die Produktionshallen des Wuppertaler Hausgeräte-Spezialisten Vorwerk aufbricht, ist sein ganzer Ehrgeiz, neue Möglichkeiten zu entdecken, um Energie einzusparen. Auch nach 20 Jahren als Umwelt- und Energiebeauftragter des Unternehmens stachelt den 61-Jährigen die Aussicht noch immer aufs Neue an, „so unmittelbar das Betriebsergebnis verbessern zu können“.

Und fast immer wird Kämpers geübtes Auge in den Hallen fündig, in denen die legendären „Kobold“-Staubsauger montiert werden: Mal hilft eine 50-Euro-Investition, den Druck in der Luftleitung zu senken – und 4200 Euro pro Jahr zu sparen. Andere Maßnahmen entlasten das Unternehmen um Hunderttausende Euro jährlich: So setzen die Montagearbeiter beispielsweise den Motor jetzt direkt ins Staubsaugergehäuse ein, wenn es aus der Kunststoffmaschine kommt. Früher wurde es vorher gelagert und später zum Einbau weitertransportiert. „Das war viel zu kosten- und energieaufwendig“, blickt Kämper zurück.

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Ein neu entwickelter Motor, der trotz gleicher Saugleistung nur ein Viertel der Größe des Vorgängermodells hat, spart je Gerät 480 Gramm Metalle und 210 Gramm Kunststoffe. Seither können die Vorwerk-Einkäufer etliche Tonnen Bleche und Kunststoffgranulate weniger ordern, um die jährlich rund 2,2 Millionen Motoren produzieren zu können.

„Die Einsparungen schaffen Raum für zusätzliche Investitionen und fangen einen Teil der enormen Preissteigerungen für Energie und Rohstoffe aus den vergangenen Jahren auf“, sagt Heinrich Peterwerth, Chef der Vorwerk Elektrowerke. „Beides verbessert unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Was Kämper im Alltagsgeschäft vorantreibt, gibt Peterwerth daher als Ziel fürs ganze Unternehmen vor: das Werk zu einem Vorbild in Sachen Energie- und Ressourceneffizienz zu machen.

Drohender Bankrott

Eine solche Effizienz-Revolution haben sich zwar viele Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Doch die wenigsten treiben den Umbau derart systematisch voran wie die Vorwerker. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Während die Produktivität der Beschäftigten seit dem Jahr 1995 um annähernd 60 Prozent stieg, gelang es der deutschen Industrie kaum, aus jeder eingesetzten Tonne Öl, Kupfer oder Erz mehr Güter zu gewinnen (siehe Grafik rechts): Die Rohstoffproduktivität stagniert. Gegenüber 1995 wuchs sie gerade einmal um 4,2 Prozent – und lag sogar zwischenzeitlich schon einmal darüber.

Die Folge: Der rapide Anstieg der Rohstoffpreise trifft die Unternehmen mit ganzer Härte – und treibt deren Produktionskosten fast eins zu eins in die Höhe. Palladium etwa, ein viel genutzter Grundstoff in der chemischen Industrie, hat sich in den vergangenen vier Monaten um mehr als 60 Prozent verteuert, Öl um fast 30 Prozent. Kupfer kostet knapp 27 Prozent mehr.

Schon warnt Hans-Peter Keitel, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), vor dem nahenden Bankrott vieler Unternehmen, sollten die Preise im gleichen Tempo weiter steigen und die knappen Rohstoffe die Versorgung gefährden. Seit China, der wichtigste Exporteur Seltener Erden und Metalle, die Lieferungen begrenzt hat, fürchten Unternehmen Produktionsengpässe bei den Rohmaterialien, die in fast allen Handys, Computern und Elektromotoren stecken.

Doch weder Lamentieren noch Keitels Forderung an die Bundesregierung, eine nationale Rohstoffstrategie zu entwickeln, helfen weiter. Das Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Aufholjagd vieler Entwicklungs- und Schwellenländer werden die Preise weiter treiben: Weltweit werden heute pro Jahr etwa 60 Milliarden Tonnen Rohstoffe verbraucht, 50 Prozent mehr als vor 30 Jahren.

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