Informationstechnologie : IBM-Forschungschef: "Deutschland auf Niveau des Silicon Valley"

Informationstechnologie : IBM-Forschungschef: "Deutschland auf Niveau des Silicon Valley"

Deutschland braucht sich nach Einschätzung des neuen Chefs des IBM-Technologiezentrums Böblingen, Erich Baier, nicht mehr hinter Spitzenregionen wie dem Silicon Valley verstecken. Baier, der 16 Jahre lang für IBM in den USA tätig war, zieht nach seinen ersten Monaten in Deutschland an der Spitze des 2.200 Mitarbeiter starken IBM-Forschungs- und Entwicklungszentrums eine ausgesprochen positive Zwischenbilanz.

"Wenn mir in den Monaten, die ich wieder in Deutschland bin, etwas klar geworden ist, dann das: Wir brauchen uns hinter Technologie-Standorten wie dem Silicon Valley wahrlich nicht zu verstecken. Vielleicht trauen wir Deutschen uns die Exzellenz nicht zu, vielleicht verkaufen wir uns auch unter Wert. Aber die Realität ist, dass wir hier exzellent ausgebildete Fachleute haben, Menschen, die sehr interdisziplinär denken, global vernetzt sind und unheimlich produktiv“, sagte Baier der WirtschaftsWoche.

„Dazu haben wir eine vielfach erstklassige Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft. Diese Zusammenarbeit ist viel, viel besser als ihr Ruf. Und sie geht inzwischen auch weit über die – nennen wir sie mal "klassischen deutschen" – Branchen Automobil- und Maschinenbau hinaus.“

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Baier nennt als "perfektes Beispiel" die elektronische Gesundheitskarte, die 2009 an den Start geht. „Das ist ein perfektes Beispiel und es geht in die richtige Richtung. Endlich werden die Spieler in der Gesundheitswirtschaft vernetzt, die bisher alle ihre eigenen technischen Gärtchen gepflegt haben. Nun kann die Informationstechnik im Gesundheitswesen zu einem der großen Zukunftsthemen werden, bei denen Deutschland die technologischen Trends setzt.“

Deutschland verfüge über einen „enormen Fundus an erstklassigem Know-how, speziell in der Softwarebranche“, unterstreicht Baier. „Es ist ja nicht so, dass nur IBM hier Forschung und Entwicklung betreibt. Von General Electric über 3M bis Philips sind eine Vielzahl internationaler Konzerne mit Technologiezentren in Deutschland präsent.“

Das Kostenargument gegen einen Forschungsstandort in Deutschland lässt der IBM-Manager nicht gelten. „Um ehrlich zu sein, führen wir die Diskussion gar nicht, was bei uns ein Entwickler kostet. Klar, bei Hard- und Softwareproduktion als Massengeschäft zählt jeder Cent. Aber wir betreiben High-Tech-Forschung und -Entwicklung. Da ist die Frage, wie schnell sind wir bei der Identifikation von Zukunftstrends, wie gut bei der Konzeption der passenden Technologien und wie schnell können wir sie marktreif entwickeln?“ Böblingen sei, so betont Baier, seit Jahren einer der produktivsten Standorte im IBM-Verbund.

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